Revier-Derby

2:2 - ein Punkt für die Schalker Nerven

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  • Frank Leszinski
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Gelsenkirchen - Johannes Geis atmete nach dem Spiel kurz durch, reckte den Daumen in die Höhe und freute sich über den Applaus der Schalker Fans – das 2:2 (0:0) im Revier-Derby sollte vor allem das Schalker Nervenkostüm wieder ein wenig stabilisieren.

Das war zuletzt arg strapaziert worden: Vor allem nach der 0:3-Niederlage in Ingolstadt und dem „Absturz“ auf den siebten Tabellenplatz lagen die Nerven rund um die Königsblauen wieder einmal blank – ein verlorenes Derby wäre inmitten dieser Gemengelage so etwas wie der negative Höhepunkt gewesen.

Dass Schalke den Platz dann aber trotz zweimaligen Rückstands doch nicht als Verlierer verließ, war der diesmal guten Schalker Moral zu verdanken. Nach den Gegentoren von Kagawa zum 0:1 und Ginter zum 1:2 biss sich das Team von Trainer André Breitenreiter jeweils wieder ins Spiel zurück, kam durch Sané und Huntelaars Elfmeter zwei Mal zum Ausgleich und hätte kurz vor Schluss durch Meyer fast sogar noch das Siegtor erzielt.

Was aber wohl ein wenig zu viel des Guten aus Schalker Sicht gewesen wäre – so sah es auch S04-Manager Horst Heldt, der der Mannschaft nach seiner deftigen Kritik im Anschluss ans Ingolstadt-Spiel („Das war Dreck“) nun ein positives Zeugnis ausstellte: „Die Mannschaft hat das umgesetzt, was wir wollten. Sie war hellwach und sie hat sich gewehrt.“

Das sah vor einer Woche noch ganz anders aus, und damit bestätigten die Königsblauen den Eindruck, dass bei ihnen in dieser Saison die Unbeständigkeit die beständigste Größe ist. Auffällig war gegen Dortmund, dass Schalke immer dann stark wurde, wenn den Gastgebern das Wasser durch die BVB-Tore schon bis zum Hals stand und im Prinzip gar nichts mehr anderes übrig blieb, als zur Attacke zu blasen. Was beide Mannschaften in der ersten Hälfte übrigens größtenteils vermieden.

„Das ist noch nicht ein Derby, wie wir es uns eigentlich vorstellen“, urteilte Rüdiger Abramczik, der als Spieler beider Vereine schon Derby-Geschichte geschrieben hat, folgerichtig in der Halbzeit.

Schalke zeigte auch gegen eine Dortmunder Mannschaft, die bei allem Respekt vor den aufgestellten Spielern nicht unbedingt als „erste Elf“ zu bezeichnen war (BVB-Trainer Thomas Tuchel gab ganz offen zu, dass für ihn das Europa-League-Rückspiel gegen Liverpool Priorität genießen würde), eine fast schon chronische Schwäche: Die Probleme beginnen oft bereits ca. 30 Meter vor dem eigenen Tor – in dieser Zone fehlt es beim Spielaufbau an Tempo, an Anspielstationen, an Mut und an Ideen, so dass der Rückpass auf Torhüter Ralf Fährmann tatsächlich oft die einzige sichere und damit Nerven schonende Variante ist. Von dieser allerdings wenig zielführenden Möglichkeit machte Schalke beinahe schon über Gebühr Gebrauch – flott Richtung Dortmunder Tor ging es eigentlich nur, wenn vor allem Sané oder auch der diesmal offensiver eingesetzte Caicara einen „Geistesblitz“ hatten.

Erst durch die Dortmunder Tore unter Zugzwang gesetzt, wurde Schalke frecher, mutiger – auch die Hereinnahme von Meyer, der außer Di Santo, Aogo und Choupo-Moting zum „Ingolstadt-Opfer“ wurde und zunächst auf die Bank musste, brachte neue Bewegung in die Schalker Offensive, in der auch Huntelaar endlich mal wieder ordentlich Betrieb machte: Seinem verwandelten Elfmeter ging ein Foul von Sokratis an Huntelaar voraus.

„Kämpfen bis zum Umfallen“, hatten Schalkes Fans vorher per Transparent gefordert, und die Spieler hielten sich daran. Was der Derby-Punkt in der Endabrechnung wert ist, lässt sich heute noch nicht seriös beantworten. „Es bleibt spannend“, vermutet Horst Heldt, und angesichts diverser überraschender Resultate auch an diesem Spieltag glaubt er: „Und es bleibt unberechenbar.“ Was vor allem für Schalke gilt. Am kommenden Samstag spielt Breitenreiters Mannschaft bei den Bayern. Auch da braucht Schalke wieder eine gute Moral. Und starke Nerven.

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