Schalke-Boss

Chronologie des Scheiterns: So entglitt Christian Heidel die Macht auf Schalke

Gelsenkirchen - Es war der 12. August 2018, als Christian Heidel besonders viel Applaus erhielt. Damals verkündete er im Rahmen der Schalker Saisoneröffnung die vorzeitige Vertragsverlängerung mit Trainer Domenico Tedesco.

Zwischen Heidel und Tedesco passte kein Blatt Papier. Der Sportvorstand schwärmte auch nach dieser Entscheidung in den höchsten Tönen von der Arbeit des 33-Jährigen, der Schalke zur Vizemeisterschaft geführt hatte. Doch seit Samstag geht das Duo getrennte Wege. Heidel trat freiwillig zurück. Eine Chronologie seines schleichenden Machtverfalls beginnt mit Gedankenspielen von Clemens Tönnies.

Dezember 2018: Obwohl es kein einziges Zitat vom Schalke-Boss zum Thema „Kaderplaner“ gibt, löste allein schon die von „Bild“ veröffentliche Idee, Heidel einen Fußball-Experten an die Seite zu stellen, die ersten Verstimmungen zwischen Heidel und dem Aufsichtsrat aus. Denn der 55-Jährige reagierte verschnupft auf diese Idee. „Es ist überflüssig, über so etwas öffentlich zu diskutieren. Ich bin eigentlich davon ausgegangen, dass das Zeiten sind, die der Vergangenheit angehören,“ reagierte der Manager ziemlich patzig.

Einerseits war Heidels Ärger verständlich, denn die Kaderplanung gehört zu seinen Kernkompetenzen als Sportvorstand. Wenn er sich mit diesem Vorschlag einverstanden erklärt hätte, wäre die Außenwirkung fatal gewesen. Andererseits hatte das Vertrauen in seine Transferaktivitäten zu Beginn seines dritten Schalke-Jahres gelitten. Im Sommer für seine Transfers noch hoch gelobt, erfüllten die meisten seiner neu verpflichteten Spieler nicht die Erwartungen.

Schalke startete mit fünf Niederlagen in Folge. Dass bei Diskussionen um die sportliche Entwicklung der Mannschaft der Fehlstart von Heidel oft „herausgerechnet“ wurde, löste Irritationen aus. Denn eine Saison besteht nun mal aus 34 Spieltagen.

Aufsichtsrat ist irritiert

Offenbar nicht für den Sportvorstand, der versuchte, die Lage schönzureden. Auch die Schalker Neuzugänge nahm Heidel zu lange in Schutz. Dabei enttäuschte zum Beispiel Sebastian Rudy, der als Königstransfer galt und den Trainer Domenico Tedesco unbedingt haben wollte, bisher auf der ganzen Linie. Deshalb begannen zu diesem Zeitpunkt die ersten Spekulationen um mögliche Heidel-Nachfolger. Noch schwächer wurde Heidels Position seit Anfang des Jahres.

Januar 2019: Denn der Schalker Sportvorstand gestattete Naldo den Wechsel zum AS Monaco, obwohl er dessen Vertrag im Herbst noch vorzeitig bis 2020 verlängert hatte und der Deutsch-Brasilianer einer der wenigen Identifikationsfiguren im Schalker Kader war. Fast noch schlimmer war die Tatsache, dass Heidel für den Wechsel „grünes Licht“ gab, obwohl er keinen adäquaten Ersatz in der Hinterhand hatte. Es dauerte bis zum 30. Januar, ehe Schalke mit Jeffrey Bruma einen dringend benötigten Innenverteidiger verpflichtete.

Hinzu kam noch Rabbi Matondo von Manchester City. Der kostete zwar neun Millionen Euro, ist bisher aber über den Status eines hoffnungsvollen Talents noch nicht hinausgekommen. Das war es aber auch schon in Sachen Zugänge. Heidel hatte mehr Neuzugänge angekündigt. Damit verfestigte sich in der Öffentlichkeit wohl nicht zu unrecht der Eindruck, dass er in der Transferpolitik weiterhin kein glückliches Händchen hatte. Dem konnte der Sportvorstand nicht wirkungsvoll widersprechen, weil ihm angesichts der schwachen Bundesligasaison die Argumente ausgingen. In der Rückrunde knüpften die Königsblauen nahtlos an ihre schwachen Leistungen an.

Heidel sah keine Möglichkeit, die Diskussionen um seine Person zu stoppen

Februar 2019: Dennoch stellte Heidel in einem Interview Forderungen, die er realisiert sehen wollte, um seinen bis 2020 laufenden Vertrag zu erfüllen. Heidel sprach von „notwendigen wirtschaftlichen Voraussetzungen“, obwohl er seit seinem Amtsantritt fast 160 Millionen Euro für neue Spieler ausgegeben hatte. Das löste nicht nur im Schalker Aufsichtsrat großes Kopfschütteln aus, sondern schwächte seine Position weiter.

Heidel sah keine Möglichkeit mehr, die Diskussionen um seine Person zu stoppen. Die öffentliche Kritik wurde schärfer. Als er durch einen Kommentar in der Sport-Bild zum Rücktritt aufgefordert wurde („Schämen Sie sich, Herr Heidel!“) hatte Heidel diese Entscheidung längst gefällt und Schalkes-Boss Clemens Tönnies informiert.

„Wenn Kritik in den Bereich der Verunglimpfung geht, dann habe ich dazu keine Lust. Anstand und Fairness gehören für mich dazu“, betonte Heidel, der zuletzt öffentlich abgetaucht war. Am Samstag war er in Mainz wieder präsent – und verkündete seinen Rückzug. Der Applaus blieb diesmal aus.

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