Schalke feiert ersten Saisonsieg gegen Mainz

Das große Aufatmen

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  • Frank Leszinski
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Gelsenkirchen - Christian Heidel wollte am Freitag gerade sein Haus in Essen verlassen, da klingelte der Schornsteinfeger an seiner Tür. Nach getaner Überprüfung des Kamins gab es für den Sportvorstand noch eine Überraschung, nämlich als Geschenk einen Glücksbringer: Einen kleinen Schornsteinfeger, den der abergläubische Heidel prompt am Samstag auf die Fahrt zur Veltins-Arena mitnahm.

Der Schalker Manager war nicht der Einzige, der nach dem 1:0 (1:0)-Zittersieg gegen Mainz 05 von solchen Begebenheiten der Zuneigung und Anteilnahme berichtete. Auch Domenico Tedesco war schier überwältigt von der Anteilnahme der Fans, die nach fünf Niederlagen in Folge, dem Schalker Trainer in vielen Mails und persönlichen Gesprächen vor der Partie Mut zusprachen.

Tedesco bekam zum Beispiel von einem Anhänger einen Stofflöwen geschenkt, und auf sechs Plätzen inklusive Trainerbank war vor dem Spiel jeweils ein Glückscent deponiert worden. Wer das getan hatte, blieb im Dunkeln, solche Episoden zeigen jedoch, dass Schalke für viele Menschen mehr als nur ein Fußballverein ist. Entsprechend groß war die Erleichterung, nachdem Alessandro Schöpf (11.) mit dem Tor des Tages der so lang ersehnte Siegtreffer gelang. Bis zum Abpfiff war die Leidenszeit aber noch enorm lang, weil bei Fährmann und Co. nach ordentlicher erster Halbzeit mehr und mehr die Angst mitspielte, die Führung womöglich doch noch aus den Händen zu geben.

„Ich weiß nicht mehr, wie viele Tode ich gestorben bin. Wer mich kennt, weiß, dass ich gegen Ende eines Spiels nicht mehr alle Tassen im Schrank habe. Ich habe in der Schlussphase jeden Ball von Mainz drin gesehen. Die letzten zehn Minuten haben sich für mich wie zwei Stunden angefühlt“, berichtete Heidel hinterher von seinen Qualen.

Hätte Schalke das zweite Tor nachgelegt, wäre das große Zittern wohl ausgeblieben. Doch Yevhen Konoplyanka hatte mit zwei Lattentreffern Pech. So blieb es bis zum Schlusspfiff ein Nervenspiel. Wie groß die Schalker Erleichterung über den ersten Saisonsieg war, wurde auch beim anschließenden Mannschaftskreis auf dem Spielfeld deutlich. Tedescos Ansprache („Danke für Euer Herz und Eure Leidenschaft“.) war so laut, dass sie auch noch auf der Tribüne zu hören war. Bei aller Freude über die ersten drei Punkte muss abgewartet werden, ob dieser Sieg als Befreiungsschlag taugt. „Ich hoffe es“, blieb Tedesco in seiner Beurteilung zurückhaltend. Und auch Heidel warnte davor, nach dem ersten Sieg zur Tagesordnung überzugehen. „Es gibt keinen Automatismus für weitere Siege, weil wir jetzt einmal gewonnen haben. Wir müssen versuchen, uns Schritt für Schritt von unten zu verabschieden“, so der 55-Jährige.

Enorm wichtig war dieser Sieg in psychologischer Hinsicht. „Wir brauchten dieses Erfolgserlebnis. Jetzt wissen meine Spieler, dass es wieder funktioniert“, so Tedesco. Ob der Schornsteinfeger in den nächsten Tagen wieder bei Heidel klingelt?

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