Schalke redet drumherum

Kommt Rudy oder nicht?

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GELSENKIRCHEN - Moderne Mobiltelefone dienen - außer zum Telefonieren - als Navigationsgerät, Notizblock, Musikabspielgerät und als Minicomputer. Fotografieren kann man mit ihnen auch. Das musste Schalke-Trainer Domenico Tedesco in dieser Woche leidvoll erfahren.

Es war am Dienstag am Flughafen München: Ein Passant hatte ein ihm bekanntes Gesicht gesehen und ein Foto geschossen: Es zeigt Tedesco mit Co-Trainer Peter Perchtold und Videoanalyst Lars Gerling. Der Passant verkaufte das Bild an eine große deutsche Boulevardzeitung. Die zählte eins und eins zusammen, und die Geschichte war in der Welt: Haben sich Tedesco und Co. in München mit Bayerns Sebastian Rudy getroffen?

Bei der üblichen Pressekonferenz, die Schalke zwei Tage vor einem Pflichtspiel abhält, machte es beinahe Spaß zu sehen, wie Tedesco und Schalke-Manager Christian Heidel sich bemühten, das Thema klein zu halten. „Wir waren in München – das kann ich ja schwer leugnen“, sagte Tedesco. Über den Grund der Reise schwieg er sich hartnäckig aus, gab allerdings zu, dass es sich um einen Arbeitsbesuch gehandelt habe: „Wir sind nicht zum Vergnügen nach München geflogen. Zu Gerüchten geben wir aber keine Statements ab.“ Kein Gerücht ist allerdings, dass Tedesco und Co-Trainer Perchtold Sebastian Rudy gut kennen: Tedesco war Jugendtrainer bei Hoffenheim, als Rudy dort spielte, zuvor waren sich Perchtold und Rudy in der Zweitvertretung des VfB Stuttgart über den Weg gelaufen und hatten dort Seite an Seite im Mittelfeld gespielt.

Heidel: Kein Kontakt zu Bayern München

Auch Heidel gab an, dass er aktuell keinen Kontakt zu Bayern München aufgenommen habe – zuletzt habe er vor einigen Monaten mit seinem Bayern-Kollegen Hasan Salihamidzic über Rudy gesprochen. Angeblich war Schalke damals an einem Leihgeschäft interessiert. Das zerschlug sich aber: Rudy, defensiver Mittelfeldspieler, der erst im Sommer 2017 von Hoffenheim zu den Bayern gewechselt war, wollte in München bleiben, Schalke verstärkte sich auf dieser Position stattdessen mit Omar Mascarell und Suat Serdar.

Jetzt scheint aber Bewegung in die Sache gekommen zu sein – und dafür gibt es mehrere Gründe. Nationalspieler Rudy, der noch einen Vertrag bis 2020 hat, will wohl doch aus München weg. Und Schalke hat durch den Thilo-Kehrer-Wechsel nach Paris plötzlich 37 Millionen Euro mehr in der Kasse.

Ergäbe Verpflichtung Sinn?

Doch würde eine Verpflichtung sportlich Sinn ergeben? Auf der „Sechser“-Position ist Schalke mit Omar Mascarell, Suat Serdar, Nabil Bentaleb und Weston McKennie gut besetzt. Schalkes Hauptaugenmerk liegt immer noch auf der Verpflichtung eines linken Mittelfeldspielers, um die Verletzung von Bastian Oczipka aufzufangen – und dann ist durch den Weggang von Kehrer eine „Planstelle“ in der Innenverteidigung freigeworden, die ebenfalls besetzt werden müsste.

Das spräche allerdings nicht gegen einen Rudy-Transfer. „Ganz sicher werden wir etwas auf der linken Seite machen“, so Heidel, der aber gleichzeitig einen zweiten Transfer nicht ausschließen will. Er deutete an, dass es im defensiven Mittelfeld Spieler gebe, die auch in der Innenverteidigung spielen könnten – Heidel erwähnte den Namen zwar nicht, aber Weston McKennie wäre so ein Kandidat. Der Amerikaner könnte nach hinten rücken und damit Platz für Rudy machen – damit würde Thilo Kehrers Position quasi „über Bande“ ersetzt.

Ein wenig Zeit bleibt Christian Heidel allerdings noch: Das Sommer-Transferfenster schließt in zwei Wochen. Wer in dieser Zeit einen Flughafen besucht, sollte die Augen offen und das Handy bereit halten.

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