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Fast schon ein gewohntes Bild: Schalkes Spieler trotten nach der 2:5-Niederlage gegen Hoffenheim Richtung Nordkurve – und stehen vor einer Wand aus wütenden Pfiffen und eisigem Schweigen.

„Total fertig“ ins Derby

Schalke muss Stuttgart irgendwie auf Distanz halten

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  • Norbert Neubaum
    Norbert Neubaum
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Gelsenkirchen - Wenn nichts mehr hilft, hilft vielleicht Galgenhumor. Also flüchtete ein Journalist nach der Schalker 2:5 (0:2)-Niederlage gegen Hoffenheim in feine Ironie und erklärte die Königsblauen zum Gewinner des Spieltags: „Weil sie drei Tore auf Stuttgart gutgemacht haben...“

Wäre Fußball Mathematik, hätte diese steile These Zustimmung verdient. Denn für Schalke kann es nach dem Debakel gegen Hoffenheim nur noch ein einziges Ziel geben: Nämlich mit Stuttgart die andere „Schießbude“ der Liga auf Distanz zu halten. Irgendwie. Und da könnte das wesentlich bessere Torverhältnis gegenüber dem hartnäckigen Besetzer des Relegationsplatzes noch eine große Rolle spielen – auch wenn Schalke darüber hinaus noch sechs Punkte Vorsprung gegenüber dem VfB hat.

Da der aber nun den Trainer gewechselt hat, geht auf Schalke die Angst um, die Schwaben könnten damit einen ähnlichen Befreiungsschlag im Abstiegskampf landen wie der FC Augsburg, der sich nach der Verpflichtung von Martin Schmidt mit zwei Siegen abgesetzt hat.

Dieser Effekt, so ehrlich muss Schalke sein, ist nach dem Wechsel von Domenico Tedesco zu Huub Stevens auf der Schalker Trainer-Bank nicht eingetreten.

„Wie Elvis auf seinem letzten Konzert“

Nicht nur die Punkte-Ausbeute unter dem 65-Jährigen (vier Zähler aus fünf Bundesliga-Spielen) nähert sich dem Schnitt seines Vorgängers an, auch die unter Stevens gewonnene Stabilität war möglicherweise nur ein Strohfeuer: Denn nach dem miserablen Auftritt beim 1:1 in Nürnberg verfiel Schalke gegen Hoffenheim nach ordentlichem Start in Verhaltensmuster, die jeden S04-Anhänger vor Sorgen erblassen lassen.

Dass Gäste-Trainer Julian Nagelsmann nach dem Triumph auf Schalke davon sprach, mit der Leistung seiner Mannschaft nicht mal hundertprozentig zufrieden gewesen zu sein („Das war teilweise zu wild“), spricht Bände – auch über die Schalker Vorstellung. Hoffenheim brauchte nur abzuwarten, bis Schalke mal wieder zu langsam und zu unaufmerksam war – irgendwann, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche, macht Schalke einen Fehler. Und eine Mannschaft wie Hoffenheim nutzt solche Fehler halt aus. Von sechs Schüssen aufs Schalker Tor waren fünf drin. „Wir haben ja auch nicht gegen den FC Hüddelühüpp gespielt“, versuchte Stevens, das Debakel halbwegs zu relativieren.

Knackpunkt des Spiels war das 1:3 – Schalke hatte sich, großartig unterstützt vom Publikum, gerade wieder herangekämpft, als ausgerechnet Adam Szalai, der in seiner Zeit auf Schalke kaum ein Bein auf den Boden bekam, den Deckel draufmachte. Sein Kopfballtreffer gegen Schalker Überzahl war bezeichnend für ein Tor, das so niemals fallen darf.

Danach – völlig untypisch für eine von Stevens trainierte Mannschaft – fiel Schalke wie in den letzten Tedesco-Wochen komplett in sich zusammen und wurde am Ostersamstag ausgenommen wie eine Weihnachtsgans. Konsterniert mussten Stevens und sein Co-Trainer Mike Büskens darauf hoffen, dass der Schiedsrichter endlich abpfeift. Was Christian Dingert nach dem nur noch zur Kenntnis genommenen 2:5 durch Guido Burgstaller dann auch überpünktlich machte.

Das Szenario nach der zehnten (!) Bundesliga-Heimniederlage dieser Saison war geradezu gespenstisch. Pflichtgemäß gingen die demoralisierten Schalke-Profis in die Nordkurve und standen mit geduckten Köpfen einer Wand aus Pfiffen und eisigem Schweigen gegenüber. Im Medienraum der Arena versuchte der nun auch immer ratloser wirkende Stevens zu erklären, warum Schalke von einer Pleite zur nächsten rast: „Alles Kopfsache. Wenn es zwischen den Ohren nicht gut sitzt, geht es auch in die Beine. Wer sich nicht gut fühlt, bewegt sich auch nicht gut.“

Am Samstag ist auf jeden Fall Bewegung angesagt, wenn Schalke zum Derby nach Dortmund muss. Die Vorfreude hält sich verständlich in Grenzen – es geht nicht mehr darum, dem BVB eventuell die Meisterschaft zu vermasseln, es geht vor allem darum, ein „Endspiel“ gegen Stuttgart am letzten Spieltag zu verhindern. Die Derby-Voraussetzungen für Schalke waren schon mal besser. Denn aktuell, keiner hat es besser auf den Punkt gebracht als Sky-Experte Jan Aage Fjörtoft, „spielt Schalke wie Elvis bei seinem letzten Konzert. Die sind total fertig.“

Immerhin: Es gibt ja Theorien, dass Elvis noch lebt.

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