Verschworener Haufen

Strammes Programm für die nächsten Wochen

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GELSENKIRCHEN - Am Donnerstag saßen sie bei einem Glas Wein zusammen und erörterten wieder einmal die Lage des FC Schalke 04. Trainer Domenico Tedesco und Sportvorstand Christian Heidel sind in intensivem Austausch.

Nach fünf Niederlagen in Folge und dem Absturz auf den letzten Tabellenplatz ist eine sportliche Krise nicht mehr wegzudiskutieren. Heidel wehrt sich zwar dagegen, die aktuelle Situation mit der von vor zwei Jahren zu vergleichen, aber der 55-Jährige gibt zu: „Damals war die Lage beschissen, und heute ist sie es auch.“

Ein Sieg im Heimspiel heute gegen Mainz 05 (15.30 Uhr/Sky) ist absolute Pflicht, sonst gehen Trainer und Sportvorstand der Königsblauen die Argumente aus, dass der eingeschlagene Weg der richtige ist. Tedesco hat seinen Kritikern vor allem beim letzten Spiel in Freiburg eine Angriffsfläche geliefert. Diese fragen noch hinter vorgehaltener Hand, ob es wirklich notwendig war, in einem für Schalke so wichtigen Spiel seine Mannschaft gleich auf sechs Positionen zu verändern. Hätte Tedesco im Angriffszentrum nicht besser auf bewährte Bundesligaspieler wie Mark Uth oder Guido Burgstaller setzen müssen, anstatt dem jungen und noch unerfahrenen Cedric Teuchert den Vorzug zu geben?

Mit Ruhe und Transparenz

Tedesco rechtfertigte seine Personalentscheidungen mit dem strammen Programm, das seine Mannschaft in den nächsten Wochen absolvieren muss. Deshalb habe er auch Naldo in Freiburg geschont. „Ein 36-Jähriger kann nicht alle drei Tage spielen“, so der Schalker Trainer, der im Laufe der gestrigen Pressekonferenz auch sehr emotionale Töne anschlug.

„Die Situation ist Mist, aber man kann mir nicht mehr Vertrauen geben, als ich es momentan von allen Seiten spüre. Ich habe unfassbar viel Nähe bekommen in den vergangenen Tagen. Das ist fast rührend,“ betonte der 33-Jährige.

Schalke-Legenden wie Olaf Thon, Marc Wilmots, Ingo Anderbrügge, Mike Büskens und viele andere hätten ihm geschrieben und ihm Mut gemacht. Tedesco: „Ich brenne darauf, das zurückzuzahlen. Es wird Zeit.“

Denn die Mechanismen im Profifußball würden wohl auch vor dem Deutsch-Italiener nicht haltmachen, wenn der Erfolg weiter ausbleibt. Gerade auf Schalke kann sich die Stimmung schnell verändern, wenn die Mannschaft am Tabellenende bleibt.

Christian Heidel empfiehlt in dieser schwierigen Situation Transparenz und Ruhe, um wieder in die Erfolgsspur zu finden.

„Nur mit Transparenz erreicht man, dass die Leute zusammenstehen. Wir müssen deutlich machen, warum wir überzeugt sind, dass wir aus dieser Situation herauskommen und wieder Erfolg haben werden. Ich hatte bislang nicht einmal das Gefühl, dass alles infrage gestellt wird“, so der Sportvorstand, der sich vehement dagegen wehrte, die Schalker Leistungen der vergangenen Wochen schönzureden. Heidel: „Das stimmt nicht. Ich habe immer gesagt, dass wir es aus unterschiedlichen Gründen selbst schuld waren, wenn wir die Spiele verloren haben. Wir sind uns der Situation bewusst“.

Das innerbetriebliche Klima sei intakt. Heidel: „Die Mannschaft ist ein verschworener Haufen“. Dem es im bisherigen Saisonverlauf aber noch nie gelungen ist, in der Bundesliga in Führung zu gehen. Ein Führungstreffer gegen Mainz hätte für die verunsicherte Schalker Mannschaft womöglich befreiende Wirkung. Damit das klappt, empfiehlt Tedesco seinen Spielern, mutig an die heutige Aufgabe heranzugehen. Einfach gesagt – leicht getan?

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