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Ende Oktober 2019 sah es auf der B474n-Baustelle auf Dattelner Stadtgebiet so aus. In Waltrop wird derweil noch diskutiert.

Umgehungsstraße

B474n: In Datteln wird gebaut, in Waltrop will der Aufbruch einen Planungsstopp

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In Datteln bauen sie schon an der B474n, in Waltrop wird noch diskutiert. Der Waltroper Aufbruch will einen sofortigen Planungsstopp für den Waltroper Abschnitt.

Viel Mühe hat sich Bernd Schäfer vom Waltroper Aufbruch (WA) gemacht, um zu begründen, warum der WA für einen sofortigen Planungsstopp für das Waltroper Teilstück der B474n fordert. Aus der Begründung ist eine zwölfeinhalbseitige Arbeit geworden, die wissenschaftlichen Kriterien an einer Uni genügen würde. 

Waltroper Aufbruch legt Begründung vor

Die Kernbotschaft des WA ist: Wenn die Straße gebaut werde, bedeute das nahezu eine Verdoppelung der CO2-Emissionen gegenüber dem jetzigen Stand. Grund hierfür sei das durch die Straße verursachte zusätzliche Verkehrsaufkommen auf Waltroper Gebiet. Je nachdem, ob der „newPark“ kommt oder nicht, steige der jährliche Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen auf geschätzte 9003 Tonnen CO2 bzw. 8551 Tonnen CO2 gegenüber dem jetzigen Stand von 4717 Tonnen CO2 (Anm. d. Red.: In einer ersten Version dieses Textes war von 9 Mrd., 8,6 Mrd. und 4,7 Mrd. Tonnen CO2 die Rede; diese Zahlen hatte der WA geliefert. Später korrigierte der WA die Angaben.).  

Einsparpotenzial bei klimaschädlichen Gasen

Schäfer bezieht sich dabei auf die Verkehrsuntersuchung zur B474n von der Ingenieurgruppe IVV (Aachen/Berlin). Darin geht es darum, wie sich der Verkehr in Waltrop bis 2025 entwickeln wird – abhängig davon, ob die Rieselfelder industrialisiert werden oder nicht. Schäfer bringt diese Daten mit dem prognostizierten Schadstoff-Ausstoß zusammen und kommt zu dem Ergebnis: Durch den Verzicht auf die B474n gibt es höchstes Einsparpotential bei klimaschädlichen Gasen.

Schäfer erinnert an den Klima-Beschluss 

Und das Thema anzupacken, sei schließlich selbstgestellte Aufgabe des Stadtrates, der in seiner Sitzung am 9. Juli mehrheitlich festgestellt hatte, dass „die globale Klimakatastrophe auch Waltrop erreicht hat“. Bislang sei der Beschluss indes folgenlos geblieben, erinnert Schäfer. Auch den vermeintlichen Vorteil der neuen Straße für die geschundenen Anwohner der „Leveringhäuser“ gebe es in Wahrheit nicht: Dort werde „durch den Bau der B 474n keine signifikante Entlastung erzielt – und dies völlig unabhängig davon, ob der ,newPark’ gebaut wird oder nicht“. Wie es generell um die Verkehrszahlen auf Waltroper Straßen bestellt ist, hat der Landesbetrieb Straßen.NRW vorgerechnet.

Rückgriff auf die Waltroper Umfrage aus 2008

Das Argument, bei der Befragung der Bürger 2008 habe ja schließlich eine klare Mehrheit für den Bau der Straße gestimmt, lässt Schäfer nicht gelten: 78 Prozent Ja-Stimmen bei einer Beteiligung von 57 Prozent – das bedeute rechnerisch, dass sich rund 55 Prozent der Befragten demnach nicht für das damalige Projekt ausgesprochen haben. Aus dieser Befragung zu konstruieren, "dass sich eine wie auch immer große Mehrheit in Waltrop für den Bau der B474n - auf Dattelner Stadtgebiet wurde Anfang Oktober der erste Spatenstich getätigt - aussprechen würden, ist vor allen Dingen vor dem Hintergrund der aktuellen Umwelt- und Klimadiskurse äußerst fraglich“, schreibt Schäfer. 

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