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Astero und Georgius Papachristos vor ihrem Restaurant. Gäste aus Waltrop, Lünen und Co. kommen kaum noch.

Baustelle am Hebewerk

Die bitteren Folgen des Brücken-Desasters

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Waltrop - Ziemlich verlassen ist die Recklinghäuser Straße in Oberwiese, seitdem Anfang August 2017 die alte und marode Hebewerk-Brücke abgerissen wurde. Ziemlich verlassen sind seither auch die Gastronomiebetriebe Papachristos und Café Kortmann. Vor ihren Türen pendeln normalerweise über drei Millionen Autos im Jahr. Und jetzt? Sackgasse.

Dass dieser Zustand auch noch weit über den zuletzt avisierten Fertigstellungs-Termin im Sommer 2019 anhalten wird, darüber berichteten wir kürzlich. Welche Folgen es hat, wenn aus einer für acht Wochen (!) angekündigten Baustelle ein Zwei-Jahres-Projekt wird, das sich noch immer als Fass ohne Boden präsentiert, wissen zum Beispiel Georgius und Astero Papachristos zu berichten.

Griechisches Restaurant

Sie betreiben seit 1995 das gut gehende griechische Spezialitäten-Restaurant kurz hinter dem Schiffshebewerk. „So schlimm wie jetzt war es noch nie“, sagt Georgius Papachristos. Das zurückliegende Winter-Geschäft brachte ein Minus von 40 Prozent gegenüber den Vorjahren in die Kasse. „Müsste ich ganz normal Personal bezahlen, wäre ich schon weg vom Fenster“, stellt Papachristos fest. Glücklicherweise packt die ganze Familie im Restaurant mit an. Das macht es ein bisschen leichter.

"Kein Plan B"

Ein Familienbetrieb ist auch das Café Kortmann ein paar Meter weiter. Markus und Sabine Kortmann betreiben es seit 26 Jahren. Was eigentlich eine solide Existenzgrundlage ist, bereitet den Vollblut-Gastronomen längst große Bauchschmerzen. Die Umsatzeinbußen, von denen Papachristos berichtet, unterstreichen Kortmanns. „Nur unsere Stammgäste halten uns am Leben“, sagt Sabine Kortmann. „Aber wir müssen irgendwie durchhalten. Wir haben keinen Plan B.“ Umso mehr war es wie ein Schlag ins Gesicht, als das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA), dessen Pächter Kortmanns sind, 2018 zu allem Überfluss eine saftige Pacht-Erhöhung angekündigt haben. Nach langem Hin und Her hat das WSA, das immerhin die verantwortliche Behörde hinter der Chaos-Baustelle ist, die Pacht vorerst nun doch nicht erhöht. Dafür müssen Kortmanns – so berichten sie es – Monat für Monat ihre Einkünfte offenlegen und nachweisen, dass sie tatsächlich weniger verdienen als üblich.

Kein Hilfsangebot

Zurück zu Georgius Papachristos. Was vor seiner Haustür vor sich geht, findet er inzwischen nur noch „beschämend“. Nicht ein Verantwortlicher habe sich bisher bei ihm blicken lassen, niemand habe gefragt, wie er helfen könne. Nach der jüngsten Hiobsbotschaft erwartet der Gastronom, dass sich wenigstens im politischen Raum etwas tut. „Die Bürgermeister aller umliegenden Städte müssten sich zusammentun und nach Düsseldorf fahren“, findet Papachristos. Sich Gehör verschaffen, signalisieren: „Hier läuft was gründlich falsch.“

Betroffener Landwirt

So ziemlich der einzige, der sich seit Anbeginn der Brücken-Baustelle regelmäßig im Stadtrat zu Wort meldet und nachhakt, ist CDU-Vertreter Theo Hemmerde. Der Landwirt ist als Oberwieser selbst betroffen und schildert die Probleme seiner Berufskollegen. Egal ob Landwirte vor oder hinter der Brücke – sie alle erreichten kaum noch ihre Felder. Der Felling als einziger Schleichweg ist keine Option, was nicht nur an dem desaströsen Zustand der Straße liegt. Über die kleine Brücke an der Schule „darf ich nur mit 2,8 Tonnen rüber. Das geht mit Hänger und Getreide nicht“, so Hemmerde. Über die dauerverstopfte B 235 in Datteln zu fahren – das geht vor allem dann, wenn man viel Zeit hat. Und dann stellt sich noch die Frage, wer später die Sanierung des Fellings bezahlt: Das WSA hat längst signalisiert, das nicht zu tun. Als städtische Straße müssten theoretisch die Anwohner beteiligt werden. Stichwort KAG. Wie die das wohl finden...?

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