+
Guido Sträter mit Hund Fiene vor dem ausgebrannten Haus am Nordring.

Brand am Nordring

"Wir sind nur knapp rausgekommen"

  • schließen

WALTROP - Die Wucht der Explosion war gewaltig. Die anschließende Welle der Hilfsbereitschaft auch. Guido Sträter und Angelika Tadsen können kaum in Worte fassen, was ihnen binnen weniger Stunden widerfahren ist.

Es ist Samstagmorgen, kurz nach halb acht. Wochenende. Guido Sträter und Angelika Tadsen liegen noch im Bett, als plötzlich eine Explosion ihr Haus erschüttern lässt. Die Rauchmelder piepsen, der Strom ist weg, Brandgeruch liegt in der Luft.

In Unterhose und T-Shirt auf die Straße gerannt

„Der erste Gedanke war: raus hier!“, schildert Guido Sträter. Zu diesem Zeitpunkt steht das Erdgeschoss allerdings schon in Vollbrand. „Wir sind praktisch durch das Feuer auf die Straße gerannt – in Unterhose und T-Shirt. Wir sind nur knapp rausgekommen“, erzählt der 50-Jährige. Seine Frau und sein Sohn sind bei ihm, ein Familienmitglied fehlt jedoch: Fiene. Die kleine Hundedame hat ihr Körbchen im Esszimmer, das durch die Flammen vom Schlafzimmer abgeschnitten ist. „Wir mussten sie zurücklassen und hatten keine Chance, nochmal ins Haus zu ihr zu kommen“, sagt Guido Sträter. Dass es nach einer gefühlten Ewigkeit doch noch ein Happy-End für Fiene geben soll – es grenzt an ein Wunder.

Hund aus brennendem Haus gerettet

„Ein Feuerwehrmann ist unter Atemschutz rein gegangen in das brennende Haus, nur um unseren Hund zu suchen“, berichten Guido Sträter und Angelika Tadsen voller Dankbarkeit. Und er hat Fiene tatsächlich gefunden – lebend.

Explosion rettet das Leben

Dabei war es ironischerweise die Explosion, die am Ende vermutlich das Leben der Familie gerettet hat. „Die Rauchmelder hatten wir schon gar nicht mehr wahrgenommen“, erzählt Sträter. Die tückischen Giftgase, die bei so einem Feuerereignis entstehen, sie haben ganze Arbeit geleistet (siehe Info-Kasten). Die laute Detonation hat das Paar jedoch aufgeschreckt – im wahrsten Sinne des Wortes.

Einsatzkräfte bringen Flammen unter Kontrolle

Mit Ach und Krach haben es die Hausbesitzer also raus geschafft, Sekunden später trifft die Feuerwehr ein. In kürzester Zeit liegen etliche Schläuche auf dem Boden. Einsatzkräfte geben aus allen Rohren Wasser, bringen im Innen- und Außenangriff die Flammen unter Kontrolle.

Anteilnahme und Hilfe

Was dann passiert, berührt die geschockten Hausbesitzer auch zwei Tage nach dem Brand noch nachhaltig. „Die Anteilnahme und Hilfe von Nachbarn, Freunden und auch völlig Fremden, die uns entgegengebracht wurde, war unglaublich“, sagt Guido Sträter. Noch in der Stunde des Feuers, im Trümmerfeld ihrer Existenz, eilen Nachbarn herbei, bringen Kleidung und spenden Trost. „Wir sind noch vor der Tür angezogen worden“, berichtet Sträter, der in Schlaf-Montur und Schläppchen die Löscharbeiten verfolgte. „Das muss man sich mal vorstellen: Ein Nachbar hat sogar seine Wohnung für uns geräumt! Er ist einfach ausgezogen, nur damit wir ein Dach über dem Kopf haben“, erzählt Sträter. Eine Geste, die wohl kein Dankeschön der Welt aufwiegen kann. Und nicht nur das. Viele Freunde haben sich gemeldet, aber auch völlig Fremde, die nur vom Schicksal der Familie gehört haben. „Uns wurde Kleidung gespendet, man hat uns Essen gekocht, ist für uns einkaufen gegangen, sogar Zahnputzbecher wurden uns besorgt“, zählt Guido Sträter auf. „Allein die vielen Möglichkeiten, die wir gehabt hätten, unterzukommen – sagenhaft.“

Einfach nur "Danke sagen"

Sträter, dessen Naturell es ist, die Dinge eher nüchtern und rational zu betrachten, muss feststellen: „Es sind Sachen passiert, von denen man meinte, es gäbe sie nicht mehr.“ Doch die Hilfsbereitschaft war gigantisch. Das auch mit einem Zeitungsartikel zum Ausdruck zu bringen, ist der Familie ein Herzenswunsch. „Danke – wir können einfach nur danke sagen.“ Froh ist die Familie derweil, dass keinem Menschen etwas passiert ist. Ein Nachbar zum Beispiel ging Sekunden vor der Explosion vor dem Haus her. Der Rollladen, der regelrecht von der Wand gesprengt wird, verfehlt ihn nur knapp.

Erinnerungsstücke verbrannt

„Heute ist für uns Tag zwei des Lebens auf null“, sagte Sträter gestern. Natürlich schmerzt es, kostbare Andenken wie die Bilder der Kinder verloren zu haben. Sie sind zusammen mit anderen Erinnerungsstücken verbrannt. Aber das meiste Materielle ist ersetzbar. Jetzt müssen die Experten der Polizei die abschließende Brandursache klären. Vieles deutet auf einen Schwelbrand mit anschließender Rauchgasdurchzündung hin. Dann wird im großen Stil renoviert. So oder so: Der Brand wird die Familie noch eine ganze Zeit lang verfolgen, doch die Welle der Hilfsbereitschaft vergessen sie nie.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Meistgelesen

Nach Morddrohungen: Trainer und Team des SV Herta ziehen Konsequenzen
Nach Morddrohungen: Trainer und Team des SV Herta ziehen Konsequenzen
Ein Leichtverletzter nach Zimmerbrand an der Forellstraße - drei Straßen gesperrt
Ein Leichtverletzter nach Zimmerbrand an der Forellstraße - drei Straßen gesperrt
Waltroper Pannen-Brücke kann offenbar noch in diesem Jahr freigegeben werden
Waltroper Pannen-Brücke kann offenbar noch in diesem Jahr freigegeben werden
Fridays for Future:  150 Teilnehmer  demonstrieren in Herten - so geht es weiter
Fridays for Future:  150 Teilnehmer  demonstrieren in Herten - so geht es weiter
Demonstration und Kundgebung am Berliner Platz in Oer-Erkenschwick - das steckt dahinter
Demonstration und Kundgebung am Berliner Platz in Oer-Erkenschwick - das steckt dahinter

Kommentare