Ein Bündel Glasfaserleitungen.
+
Die Oberwieser kämpfen um eine schnelle Internet-Verbindung.

„Digitale Steinzeit“

Bürger klagen: Schnelles Internet ist in Oberwiese weiter nicht in Sicht

  • Markus Weßling
    vonMarkus Weßling
    schließen

Oberwieser haben in diesen Tagen eine Baustelle vor der Tür. Doch vom Zweck der Arbeiten profitieren die Nachbarn im Städtedreieck, sie aber nicht. Es geht um schnelles Internet.

Oft schon haben sich die Anwohner der Siedlung rund um das Schiffshebewerk auf Waltroper Stadtgebiet darüber beklagt, dass ihre Haushalte nicht ans Glasfaserkabel für schnelles Internet angeschlossen werden. Jetzt wird die Sache augenfällig: In der Siedlung werden die Kabel verlegt, aber „mehr als 300 Haushalte müssen weiterhin in der digitalen Steinzeit verbleiben, weil die politisch Verantwortlichen sich nicht in der Lage sehen, einen Planungsfehler zu korrigieren“, wie Anwohner Bernd Schäfer schreibt. Während auf den Straßenseiten, die in diesem Städtedreieck zu Datteln oder Castrop-Rauxel gehören, die Häuser aus einem Bundes- und Landesprogramm kostenlos die neue digitale Technik in den Keller gelegt bekämen, gingen die Anwohner auf den anderen Straßenseiten, obwohl auch förderungsberechtigt, leer aus.

Unternehmen zog seinen Plan zurück

Hintergrund dieser kuriosen Situation: Ein Unternehmen hatte in einem Markt-Erkundungsverfahren seine Absicht bekundet, ohnehin in Oberwiese ausbauen zu wollen. Damit fiel die Gegend aus der öffentlichen Förderung heraus. Ärgerlich nur: Das Unternehmen zog diesen Plan zurück, es gab aber nach Auskunft des Fachdienstes beim Kreis, der den Ausbau steuert, keine Handhabe, die Oberwieser Nachbarschaft noch in die Förderung aufzunehmen. Dass das ein Mangel bei der Gestaltung der Ausschreibung war, ist inzwischen weitgehend unstrittig, aber dass man damit nun einfach leben müsse, das sehen die Oberwieser nicht ein.

Wieder von der Außenwelt abgeschnitten

Andreas Walgenbach, ebenso wie Bernd Schäfer Oberwieser und beim Waltroper Aufbruch aktiv, sagt, man renne bei dem Thema gegen Wände. Er fühlt sich mittlerweile ans Desaster mit der Brücke am Hebewerk erinnert. Bernd Schäfer sieht das auch so: „Nach der Hebewerk-Brücke, deren Bau sich über drei Jahre hinzog, werden die Oberwieser nun ein weiteres Mal von der Außenwelt abgeschnitten. Nun im digitalen Verkehr.“ Andreas Walgenbach hat eine Mail an den Breitband-Koordinator für den Kreis Recklinghausen gesandt und mit deutlichen Worten auf seinen Verdruss hingewiesen.

Lobbyarbeit von den IGA-Machern?

Besonders ärgert es Schäfer und Walgenbach, dass in Dorsten-Rhade, das ebenfalls in die Verantwortung des Fachdiensts 18 bei der Kreisverwaltung fällt, eine Überversorgung stattfinde: Hier habe vor etwa zwei Jahren die Deutsche Glasfaser das Gebiet erschlossen. Mit öffentlichen Mitteln werde nun ein zweites Mal Glasfasertechnik verlegt – statt die Förderungsregelungen zu korrigieren und mit dem Geld den Oberwiesern zu einer guten digitalen Zukunft zu verhelfen. So wie es jetzt laufe, sei es „Veruntreuung von Fördergeldern“. Walgenbach hofft, dass die Macher der Gartenausstellung, die 2027 nach Waltrop kommen soll, Lobbyarbeit im Sinne der Anwohner machen. Denn sie könnten es doch wohl kaum gutheißen, wenn das Großereignis in einem Gebiet ohne vernünftige Internet-Geschwindigkeit stattfindet.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Einwendungsfrist abgelaufen -  aber der Protest gegen Riesen-Windräder beginnt jetzt erst richtig
Einwendungsfrist abgelaufen - aber der Protest gegen Riesen-Windräder beginnt jetzt erst richtig
Einwendungsfrist abgelaufen - aber der Protest gegen Riesen-Windräder beginnt jetzt erst richtig
Mann will in Waltrop eine Hose kaufen - und dann zog er seine runter...
Mann will in Waltrop eine Hose kaufen - und dann zog er seine runter...
Mann will in Waltrop eine Hose kaufen - und dann zog er seine runter...
Aldi-Zufahrt: Was der Discounter macht, damit er sie bauen darf
Aldi-Zufahrt: Was der Discounter macht, damit er sie bauen darf
Aldi-Zufahrt: Was der Discounter macht, damit er sie bauen darf
Coronavirus: Jetzt 181 bestätigte Infektions-Fälle in Waltrop
Coronavirus: Jetzt 181 bestätigte Infektions-Fälle in Waltrop
Coronavirus: Jetzt 181 bestätigte Infektions-Fälle in Waltrop
An der Grenze:  Rund 100 Abstriche an einem einzigen Tag
An der Grenze: Rund 100 Abstriche an einem einzigen Tag
An der Grenze: Rund 100 Abstriche an einem einzigen Tag

Kommentare