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Innovatives Format: Die Diskutanten saßen im Kreis in der Mitte.

Europäische Konflikte lokal betrachtet

Eine Diskussionsveranstaltung ohne echte Diskussion

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Waltrop - „Europäische Konflikte – lokale Perspektiven“ – das war das Thema einer Diskussionsveranstaltung in der Stadthalle, die die Flüchtlingshilfe mit weiteren Partnern organisiert hatte. Wer sich kontroverse Debatten erhofft hatte, der wurde allerdings enttäuscht.

Es war eine große Runde, die zum Thema „Europäische Konflikte – lokale Perspektiven“ diskutierte. In die Mitte der gut besuchten abgeteilten Stadthalle hatten die Veranstalter – die Flüchtlingshilfe und weitere Partner – einen runden Tisch gestellt, an dem unter anderem Platz nahmen: Waltrops Bürgermeisterin Nicole Moenikes (CDU), der SPD-Bundestagsabgeordnete Frank Schwabe, die renommierte Autorin und Journalistin Hatice Akyün. Dazu kamen ein EU-Parlaments-Kandidat der Linken, ein Video-Kolumnist und „Content Creator“, ein Philosoph und „Fridays für Future“-Aktivist, eine Landeselternschafts-Vertreterin und junge Menschen mit Flucht-Geschichte.

Richtung frühzeitig vorgegeben

Was die Besetzung schon erahnen lässt: In den meisten Fragen, die der ehemalige WAZ-Chefredakteur Uwe Knüpfer als Moderator aufrief, war sich die Runde einig. Schon in der Vorankündigung hatte Bernd Schäfer eine Richtung vorgegeben: Man wolle im ersten Teil „der Frage nachgehen, warum nationale Fokussierungen den europäischen Werten widersprechen“, hatte es geheißen. Und so war auch der Tenor der Diskussionsbeiträge eindeutig: Es sei doch kein persönliches Verdienst, Europäer zu sein und mithin auch nichts, worauf man stolz sein könne. Die eigene Identität sei geprägt von dem Ort, wo man sozialisiert worden sei. Hatice Akyün sagte, wenn sie heute nach New York käme, könnte sie dort leben, obwohl sie dort niemanden kenne, und das habe mit dem Ort zu tun, an dem sie ihren „sozialen Kompass“ ausgebildet habe – in ihrem Falle Duisburg. Gegen Nationalismus und für die Möglichkeit für Zuwanderer, von den Vorzügen und der Freiheit in Europa zu profitieren – in dieser Richtung äußerten sich die Gesprächsteilnehmer.

Erinnerung an anonyme Anfeindungen

Der Versuch von Uwe Knüpfer, Bürgermeisterin Nicole Moenikes (übrigens die einzige in der Runde, die lokal Verantwortung trägt), auf die konservative Bundespartei-Linie beim Thema Zuwanderung festzulegen und so einen kontroversen Diskussions-Ansatz zu finden, scheiterte. Moenikes sagte deutlich, sie sehe Deutschland als Zuwanderungsland – wohl wissend, dass diese Meinung in Waltrop sicher nicht jeder ihrer Parteifreunde teilt. Die Bürgermeisterin ist bekannt für ihren Einsatz für Flüchtlinge vor Ort. Sie berichtete von den anonymen Anfeindungen, die sie erfahren hatte, nachdem sie sich im September 2017 gegen die AfD stark gemacht hatte, und auch von dem bunten Fest, das die bürgerlich-demokratischen Kräfte veranstaltet hatten, als jüngst die AfD in der Stadt war.

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