Edeltraut Lissok (75) ist eine große Ausnahme: Mit Kinderlähmung kam sie schon vor 39 Jahren ins Altenheim. Hier gibt sie Mischlings-Hündin Fena gemeinsam mit Pflegedienstleiter Ingo Wieckhorst Leckerlis.
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Edeltraut Lissok (75) ist eine große Ausnahme: Mit Kinderlähmung kam sie schon vor 39 Jahren ins Altenheim. Hier gibt sie Mischlings-Hündin Fena gemeinsam mit Pflegedienstleiter Ingo Wieckhorst Leckerlis.

Forsa-Umfrage

Altenpfleger genießen auf dem Papier hohes Ansehen

  • Markus Weßling
    vonMarkus Weßling
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WALTROP - Kranken- und Altenpfleger genießen großes Ansehen bei den Bürgern. Die Berufsgruppe kam auf den dritten Platz bei der Umfrage des Instituts Forsa, die Grundlage unserer Serie „Respekt!“ ist. Aber wenn Pflegedienstleiter Ingo Wieckhorst (53) vom Altenheim St. Peter über das Thema Respekt vor Altenpflegern ein bisschen tiefer nachdenkt, dann klingt das Resultat eher ernüchtert.

Respektabler Beruf, leider unterbezahlt. Das ist das Image der Altenpfleger. Doch wie viel Respekt erfahren Altenpfleger wirklich? Von der Politik zum Beispiel: Wieckhorst erinnert sich an die „Schlecker-Frauen“. Die damalige Arbeitsministerin Ursula von der Leyen kam auf den Gedanken, die durch die Insolvenz der Drogeriekette arbeitslos gewordenen Frauen könnten doch auf Altenpflege umschulen. Das klappte schon deswegen am Ende nicht, weil die Arbeitsagentur nur zwei der drei Jahre Ausbildung finanzierte. Wieckhorst geht es aber um die Haltung, die darin zum Ausdruck kommt, ist: Altenpfleger, das kann jeder.

Doch so einfach ist das nicht. Als er selbst als Altenpfleger angefangen hat, erzählt Wieckhorst, lag die Aufenthaltsdauer der Bewohner im Altenheim noch im Schnitt bei fünf Jahren. Heute liegt sie bei sieben bis 13 Monaten. Die Menschen kommen heute vielfach erst ins Altenheim, wenn es zu Hause absolut nicht mehr geht. Sie sind demzufolge heute oft stark pflegebedürftig, nicht selten dement. Eine große Herausforderung, und eine große Verantwortung auch schon für die nicht examinierte Pflegekraft. „Man braucht eine gute Beobachtungsgabe“, sagt Wieckhorst.

Es geht darum zu erkennen, ob sich zum Beispiel jemand wund gelegen hat. Oder der Fall Demenz: Plötzlich ruft jemand: „Alle raus hier!“ In welchem „Film“ ist dieser Mensch gerade? Vielleicht ist er im Jahr 1970 und er hält seine Mitbewohner für Eindringlinge in seiner Wohnung? Alles Situationen, mit denen man umgehen muss. Und die so oder ähnlich häufiger vorkommen werden.

Nicht immer leicht

Und der Respekt der Altenheim-Bewohner für das Personal? Auch da spielt eine Rolle, dass immer mehr kranke Menschen im Altenheim leben. Natürlich erfahren Pfleger auch Dankbarkeit, aber es gibt auch Fälle wie diesen: Eine Bewohnerin hat sich im Bett eingenässt, die Altenpflegerin kommt und will das Malheur beseitigen. Wahrlich keine angenehme Aufgabe. Aber statt Dankbarkeit und Respekt erfährt die helfende Kraft auch noch Ablehnung und Widerstand. Weil vielleicht, so merkwürdig das klingt, durch das Einnässen eine wohlige Wärme entstanden ist, die nun wieder verschwindet. Oder weil da eine fremde Person in einen ganz intimen Bereich vordringt und der alte Mensch sich schämt. Dass es da jemand gut mit dem Menschen meint, das kommt in dem Moment einfach nicht an.

Die anderen Teile unserer Serie "Respekt!" finden Sie unter

Nein, ein Beruf, bei dem man den Respekt der Menschen jeden Tag spürt, ist Altenpflege sicher nicht. Was Ingo Wieckhorst sich wünscht? Dass man es wenigstens politisch hinbekommt, dass die Arbeitsspitzen im Altenheim – in welchem Zeitraum die Bewohner Essen bekommen, ist gesetzlich geregelt – nicht gerade mit den Bring- und Hol-Zeiten in Kitas und Schulen zusammenfallen. Das würde die Suche nach neuem Personal vereinfachen, das er gut gebrauchen könnte. Und das wäre eine Möglichkeit, ein Zeichen des Respekts für den Beruf des Altenpflegers zu setzen.

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