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Ein unbewohntes Haus am Kanal in Oberwiese: Die Glasfaser-Kabel liegen schon bis zur Zuwegung

Abbruch-Haus wird angeschlossen

Glasfaser-Ausbau: Nicht alles ist logisch, zu ändern ist trotzdem nichts mehr

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Zurzeit werden in Waltrop Glasfaser-Kabel für mehrere Hundert neue Anschlüsse kostenlos in Außenbereichen verlegt. Doch wer darf ans schnelle Internet und wer nicht? 

  • Der geförderte Glasfaser-Ausbau wirft bei einigen Bürgern Fragen auf.
  • Wer ans Netz darf und wer nicht, mutet mitunter grotesk an.
  • Es gibt Beispiele, die kurios erscheinen.

Jodokus Niermann ist verärgert. Sein Gastronomie- und Hofladen-Betrieb an der Recklinghäuser Straße 191 wird nicht ans schnelle Glasfaser-Netz angeschlossen. Begründung: Sein bisheriger Internet-Anschluss ist nicht langsam genug. Ein Umstand, der beim Blick in Richtung Kanal nur schwer zu akzeptieren ist für den Waltroper Landwirt. „Da werden die Glasfaser-Kabel für ein Haus verlegt, das gar nicht bewohnt ist“, stellt er fest.

Und tatsächlich: Das zugemauerte Haus am Kanal, von dem der Landwirt spricht, bekommt laut den offiziellen Planungs-Unterlagen Highspeed-Internet via Glasfaser. Die Kabel dafür sind schon vorbereitet, liegen bis zur Zuwegung.

Haus am Waltroper Kanal ist seit Jahrzehnten unbewohnt

Das Groteske: Hier wohnt seit Jahrzehnten niemand mehr. Ein Schild, das an der Hauswand angebracht wurde, weist darauf hin, dass das Gebäude „für Zwecke des Bundes vorgehalten“ wird und nicht zum Verkauf oder zur Vermietung steht. Unterzeichnet vom Eigentümer, der Bundesanstalt für Immobilien.

Anschlusskabel liegen bis zum Kanal in Oberwiese.

Verfahren hat Schwächen

Dass das Verfahren, um die anschlussberechtigten Haushalte zu ermitteln, Schwächen hat, räumt unterdessen auch Sven Ahrens ein. Er ist beim Kreis Recklinghausen Projektleiter für den von Bund und Land mit 68 Millionen Euro geförderten Breitbandausbau. Ziel sei es gewesen, alle Haushalte, deren bisheriger Internetanschluss (auch perspektivisch) weniger als 30 Mbit/s hergab, mit dem viel schnelleren Glasfaser zu versorgen. Diese 30 Mbit/s sind so etwas wie die magische Grenze, die als schnelles Internet gilt. Genau hier wird es aber schwierig.

Geschwindigkeit wird berechnet, nicht gemessen

Denn welche Geschwindigkeit in einem Haus tatsächlich verfügbar ist, wird im Vorfeld nicht gemessen, sondern berechnet, erklärt Ahrens. Markterkundungsverfahren nennt sich das Ganze. Das Ergebnis ist ein theoretischer Wert, der mit der Realität nicht immer übereinstimmt. Dennoch ist es der Wert, auf dessen Grundlage die förderfähigen Anschlüsse festgelegt werden.

Mehrere Fehler sind bereits bekannt

Dass hierbei Fehler entstehen können – siehe das Haus am Kanal –, weiß auch Sven Ahrens. Kein Einzelfall. Unserer Redaktion sind inzwischen Beispiele aus Oberlippe und Oberwiese bekannt, wo solche Fehler passiert sind. In Oberlippe gibt es etwa ein Wohnhaus, das angeschlossen wurde. Der direkte Anbau – Wand an Wand – aber nicht. Wohl oder übel: Wer bis jetzt keinen Antrag auf einen Glasfaser-Anschluss bekommen und eingereicht hat, der hat Pech. Nachträglich sei nichts mehr zu machen, sagt Ahrens. Das Buch ist zu.

Digitale Infrastruktur: So gut ist Waltrop mit schnellem Internet versorgt

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