+
Landwirt Sebastian Zimmer hat die letzten Nächte auf dem Feld verbracht. Durch den Bodenfrost waren die nassen Felder befahrbar, sodass er Gülle ausbringen konnte.

Es ist Gülle-Saison

Frische Landluft, frische Probleme

  • schließen

Waltrop - Seit wenigen Tagen ist die generelle Dünge-Sperrfrist (1.11. - 31.1.) vorbei. Es darf wieder Gülle aufs Feld gebracht werden, was viele Bürger auch merken: Hier eine Brise frische Landluft, da ein Trecker mit großem Güllefass. Und es sieht dieser Tage nicht nur so aus, als seien besonders viele Landwirte unterwegs. Rein faktisch ist das auch so.

„Die Gülle kann jetzt aufs Feld, weil es die Witterung gerade zulässt“, erklärt Sebastian Zimmer. Er ist Landwirt in Waltrop und schildert, warum er durch die neue Düngeverordnung stärker eingeschränkt wird. Was sich zunächst nicht besonders dramatisch anhört, bringt jedoch Probleme mit sich, die der Otto Normalbürger so wohl nicht vermuten würde.

Zu starker Frost ist ein Problem

Die Düngeverordnung, die seit 1. Juli vergangenen Jahres in Kraft ist, begrenzt den Einsatz von organischem (Gülle) und mineralischem (Kunstdünger) Dünger doch erheblich. Bei nächtlichem Frost darf zum Beispiel nur noch dann Dünger ausgebracht werden, wenn sichergestellt ist, dass der Boden nicht zu tief gefroren ist. Im Sommer ist der Einsatz nur noch sehr limitiert möglich, etwa vor einer Zwischenfrucht, und im Herbst so gut wie gar nicht mehr. Das bedeutet im Umkehrschluss: Die Gülle muss vermehrt im Frühjahr aufs Feld. „Das ist ja grundsätzlich auch sinnvoll“, sagt Sebastian Zimmer. Schließlich brauchen die Pflanzen vor allem im Frühjahr, wenn die Vegetation beginnt, die Nährstoffe, die sie über den Dünger bekommen. Das A und O für eine gute Ernte.

Doch so sinnvoll einige Vorgaben der neuen Verordnung auch sind, so sehr erschweren sie den Landwirten an anderen Ecken die Arbeit.

Zuerst der Schreibtisch, dann der Trecker

Denn „mal eben Gülle fahren“ ist nicht mehr. Vor jedem Einsatz gilt es, am Computer diverse Tabellen auszufüllen. Düngebedarfsermittlung nennt sich das Ganze. Eine Wissenschaft für sich: Bodenbeschaffenheit, Phosphor-Werte, Feld-Größe, Durchschnitts-Ertragsniveau – um nur einige zu nennen; all diese Daten müssen im Vorfeld schriftlich festgehalten und ausgewertet werden, damit der Landwirt überhaupt düngen darf. Denn aus dieser aufwendigen Bedarfsermittlung ergeben sich erst die Mengen Dünger, die aufs Feld gebracht werden dürfen.

Stichwort Mengen: Eine Folge der Düngeverordnung ist, dass unterm Strich nicht mehr so viel organischer Dünger aufs Feld darf. Das wiederum bringt ein Lagerungsproblem mit sich. Wohin also mit der ganzen Gülle? Denn die Schweine und Rinder sind ja nun mal da und „produzieren“ nur wegen der neuen Verordnung nicht weniger Dung.

Neue Gülle-Lagerbehälter müssen her

Die Lösung: Neue Gülle-Lagerbehälter müssen her. „Davon werden jetzt sicherlich viele neue gebaut werden“, prophezeit Sebastian Zimmer. Diejenigen Landwirte, die jetzt schon aus allen „Gülle-Nähten“ platzten und so schnell keinen Bauantrag für einen neuen Behälter genehmigt bekommen haben, mussten ihre Gülle indes jetzt schon in andere Regionen fahren. Ein äußerst teures Unterfangen. „Im Rheinland, in Ost-Westfalen und der Eifel gibt es zum Beispiel weniger Tierhaltung. Da sind noch Güllekapazitäten“, sagt Sebastian Zimmer.

Die neue Gülleverordnung bringt jedoch auch Sinnvolles mit sich, daraus macht Zimmer gar kein Geheimnis. Sie schreibt den Landwirten zum Beispiel vor, dass sie der Gülle sogenannte Nitrifikationshemmer hinzufügen müssen. Das ist umweltschonender und sorgt unter anderem dafür, dass der Dünger im Boden gebunden und den Pflanzen bei Vegetationsbeginn nach und nach zugeführt wird. „Allerdings haben viele Landwirte den Nitrifikationshemmer auch in den letzten Jahren schon freiwillig zugesetzt“, sagt Sebastian Zimmer. Denn das ist auch klar: Der Großteil der Landwirte wie Sebastian Zimmer arbeiten mit der Natur, nicht dagegen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Meistgelesen

Greta resigniert bei Klimakonferenz: „Wir haben nichts erreicht“
Greta resigniert bei Klimakonferenz: „Wir haben nichts erreicht“
Heimspiele für RWE und FC 26 - die anderen Kreisligisten  müssen am letzten Spieltag reisen
Heimspiele für RWE und FC 26 - die anderen Kreisligisten  müssen am letzten Spieltag reisen
Stürzender Baum zerstört vorbeifahrendes Auto komplett - Insassen hatten Riesenglück
Stürzender Baum zerstört vorbeifahrendes Auto komplett - Insassen hatten Riesenglück
Neuer GroKo-Streit vorprogrammiert: SPD-Parteitag stellt sich gegen Altmaier-Plan 
Neuer GroKo-Streit vorprogrammiert: SPD-Parteitag stellt sich gegen Altmaier-Plan 
Nach schwerer Krankheit:  Ausnahmemusiker Matthes Fechner ist  gestorben
Nach schwerer Krankheit:  Ausnahmemusiker Matthes Fechner ist  gestorben

Kommentare