Hauptfriedhof

118 Gräber verwüstet und zerstört

WALTROP - Sauer, traurig und schockiert sind die Angehörigen vieler Verstorbener in Waltrop: In der Nacht zum Freitag haben Unbekannte auf dem Friedhof zahlreiche Vasen und Lampen beschädigt. Sie hatten es offenbar auf Metallteile abgesehen. Sie entfernten die Teile, die sie gebrauchen konnten, vom Rest der Gegenstände, hinterließen dabei eine Spur der Verwüstung. 118 Grabstätten sind betroffen.

Das hat der städtische Gärtnermeister Hubert Benthaus gezählt, der einen Fall solchen Ausmaßes in Waltrop noch nie erlebt hat. Eine betroffene Angehörige ist Gerlinde Wester, die nur noch die zerdepperten Glasscheiben des Messing-Kerzenleuchters auf dem Grabstein ihrer verstorbenen Mutter fand. „Der Rest ist einfach geklaut“, erzählt sie voller Wut und Enttäuschung. „Ich war gestern Abend noch hier. Da war alles in Ordnung.“ Wester versteht die Welt nicht mehr: „Das ist doch eine Schweinerei.“ Verständnis für die Wut seiner Lebensgefährtin hat auch Albert Beckmann. Mit einem Küchen-Schaber versucht er, den getrockneten Kerzenwachs, der wohl beim Klau des Leuchters vertropft war, von dem Grabstein zu kratzen – Worte für diese Tat findet er nicht. Entlang der Gräber ist eine lange Schneise von Verwüstung zu finden. Meist liegen die zersplitterten Gläser der Kerzenleuchter auf dem Rasen, zwischen den Gräbern. Die Leuchter selbst, meist aus teurem Messing, sind abgerissen. Auch Steine wurden aus den Grabstätten gezogen, ein paar Meter weiter in die Büsche geworfen. „So tief sind wir gesunken“, resümiert Wester. Der Polizei lag bis zum gestrigen Mittag nur eine Anzeige wegen Diebstahls einer Grablampe vor. Aber dabei wird es nicht bleiben. „Das kann daran liegen, dass man natürlich nicht jeden Tag auf dem Friedhof nach dem Rechten schaut. Wahrscheinlich haben viele Geschädigte noch gar nicht gemerkt, dass die Grabstelle ihrer Angehörigen auch betroffen ist“, sagt Polizeisprecher Michael Franz. Er rät Bürgern, nachzuschauen, ob die Grabstätte der eigenen Angehörigen auch heimgesucht wurde, und gegebenenfalls Anzeige zu erstatten. Möglicherweise hätten die Täter noch mehr Schaden angerichtet, wären sie nicht gestört worden. Die Polizei berichtet, gegen 23.25 Uhr habe ein Zeuge zwei verdächtige Personen auf dem Friedhof beobachtet. Das Duo war offensichtlich gerade dabei, Kupferteile von den Gräbern zu stehlen. Nachdem die Täter von dem 55-jährigen Waltroper angeschrienen wurden, flüchteten sie vom Tatort. Die Polizei fahndete nach den Tätern, aber ohne Erfolg.

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