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Die Direktorenvilla im Waltroper Zechenwald.

Zechenwald

Direktorenvilla wirklich vor Abriss? Die SPD hat andere Vorstellungen 

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Die Stadt sagt, sie habe  "aktuell keine Planungsüberlegungen" hinsichtlich der Direktorenvilla. Aber es gab einen Termin mit dem Investor. Jetzt äußern sich auch SPD und Grüne. 

Was wurde beim Ortstermin besprochen? Ging es um einen möglichen Abriss zugunsten einer Bebauung? Was ist mit den Bäumen? 

Das sagt die SPD

Die SPD will sich dafür einsetzen, dass die Direktorenvilla im Zechenwald nach Möglichkeit erhalten bleibt. Das sagte Fraktionsvorsitzender Detlev Dick. Auch er war beim Ortstermin mit dem Investor an einem verregneten Tag im Juni dabei. Der Investor, der im Zechenwald Wohnungsbau realisieren will, habe gesagt, wenn man wolle, dass mehr Baumbestand stehen bleibe, müsse dafür die Villa abgerissen werden, die ohnehin über eine schlechte Bausubstanz verfüge. Selbst in Augenschein genommen habe man bei dem Termin aber nur den Keller, sagte Dick. Es habe vor Jahren, vor dem Verkauf an den jetzigen Investor, den Vorschlag gegeben, in der Villa repräsentative Räume für Seminare oder Empfänge einzurichten. „Den Vorschlag fanden wir gut und würden das unterstützen“, sagte Dick. 

Jedenfalls sei es kein gutes Signal, was die Erinnerung an die Zechengeschichte der Stadt angehe, wennnach der Berginspektion auch noch die Direktorenvilla weichen müsste. „Bei der Berginspektion war ja die Notwendigkeit einzusehen, weil die AWO sonst ihre Pläne nicht hätte realisieren können, aber bei der Direktorenvilla liegt die Sache anders“, sagte Dick. Wie die übrigen Fraktionen wartet nun auch die SPD auf konkrete Pläne des Investors, über die dann beraten werden kann. Wie bereits Vertreter anderer Fraktionen wies er auch darauf hin, dass Wohnungsbau im Zechenwald auch zusätzliche Verkehrsbelastung bedeuten würde. Dann müsste der Weg in den Wald verbreitert, zusätzliche Versorgungsleitungen gelegt werden. Dick: „Auch dafür müssten wohl Bäume weichen.“ 

Das sagen die Grünen

Monya Buß (Grünen-Fraktionsvorsitzende) war aus Zeitgründen im Juni nicht bei dem Termin. Sie hat sich aber im Nachgang kundig gemacht und ist ebenfalls der Meinung, dass man im Rat überlegen sollte, ob der Zustand des Gebäudes nicht noch eine „angemessene Nutzung“ durch die Stadt erlaubt. Noch seien die Abrisspläne aber nicht konkret und man müsse abwarten, was der Investor genau plane. Auch unter Natur- und Klimaschutzbelangen sei es grundsätzlich geboten, den Zechenwald zu schützen.

Die übrigen Fraktionen hatten sich zuvor so geäußert: 

Das sagt der Waltroper Aufbruch

Ratsherr Michael Finke vom Waltroper Aufbruch berichtet, die Fraktionsvorsitzende Dorothee Schomberg sei bei dem fraglichen Termin dabei gewesen und habe in der Fraktion darüber berichtet. Der Investor habe „erste Vorstellungen“ präsentiert. Zugesagt worden sei, dass „in angemessener Zeit Pläne vorgelegt werden“. Finke: „In der Fraktion haben wir uns darauf verständigt, dem Investor die Zeit zu geben, die er braucht, um seine Vorstellungen in Entwurfsform zu konkretisieren. Vorher werden wir nicht zu den Plänen Stellung beziehen. Alles andere wäre unredlich und nicht fair gegenüber dem Investor.“ 

Hinsichtlich der auf dem Grundstück stehenden Bäume wäre es aus Sicht des WA „sicherlich hilfreich, wenn diese mit einer Zustandsbeschreibung in einem Kataster erfasst werden. Bei der Direktorenvilla wäre es sinnvoll, die Bausubstanz zu kennen“. Der WA geht davon aus, „dass zu gegebener Zeit der Investor in Zusammenarbeit mit der Verwaltung hier für Aufklärung sorgt“. Generell kann sich der WA vorstellen, dass das vom Stadtrat beschlossene Handlungskonzept Wohnen um ökologische Bauleitlinien ergänzt wird, die dem Klimawandel und dem Artenschutz Rechnung tragen.

Das sagt die Waltroper CDU

 Äußerungen von den Fraktionsmitgliedern habe es beim Ortstermin weder in positiver noch in negativer Hinsicht gegeben, schreibt derweil Wilfried Vortmann, CDU-Fraktionschef. In seiner Fraktion wurde das Thema vor längerer Zeit in Vorbereitung auf eine Ausschusssitzung erörtert. Eine endgültige Meinungsbildung sei – auch wegen fehlender Unterlagen – nicht zustande gekommen. Vortmann: „Eine Entscheidung über eine etwaige Bebauung und der Verwendung der Villa wird erst nach Vorlage eines entsprechenden Antrages des Grundstückseigentümers erfolgen.“

Das hatten wir zuvor berichtet:

Melanie Scholz  von den Liberalen sagt, sie habe bereits am 12. Juni an einem Ortstermin teilgenommen, zu dem Vertreter der Ratsfraktionen eingeladen gewesen seien. Neben der FDP seien CDU, SPD und der Waltroper Aufbruch dabei gewesen. „Vermisst habe ich Vertreter von Grünen und Linken.“ Für die Stadt waren laut Melanie Scholz Bürgermeisterin Nicole Moenikes und Stadtplaner Andreas Scheiba dabei, außerdem sei der Investor anwesend gewesen. Dabei seien Pläne für eine neue Bebauung vorgestellt worden. Als sie gefragt habe, was denn aus den alten Bäumen werden solle, sei ein weiterer Plan „aus der Tasche gezogen“. Darin sei eine Variante vorstellt worden, die zwar den Erhalt von Bäumen vorsehe, das gehe aber nur auf Kosten eines Abrisses der Villa. „Es hieß, wir würden noch Pläne bekommen, über die wir beraten könnten“, sagte Melanie Scholz. Die gebe es bis heute nicht.

Die Waltroper FDP ist gegen die Pläne

Auch die zu erwartende Verkehrsbelastung habe sie angesprochen. Für die FDP steht fest, dass sie sich gegen einen Abriss der Direktorenvilla, aber auch gegen ein Fällen von Bäumen für ein Neubau-Projekt im Zechenwald wendet. Sie habe freilich den Eindruck gehabt, dass die anderen Fraktionen von den vorgestellten Plänen angetan gewesen seien, sagt Melanie Scholz.

Das hatten wir berichtet: 

Die im Jahr 1905 gebaute Villa soll nach Informationen der Heimatfreunde abgerissen werden und einer „hochwertigem Bebauung mit etlichen Eigentumswohnungen“ weichenl. In einem Brief an die Rats-Fraktionen hat der Vorstand – neben Norbert Frey sind das noch Franz Josef Bomert und Bernhard Heckmann – Fragen formuliert. 

Dabei geht es unter anderem darum, warum das Gebäude nicht unter Denkmalschutz steht, ob bei einem Abriss auch Bäume weichen müssen und was ein Neubau bezüglich der Verkehrs- und Umweltbelastung bedeuten würde. 

"Für die Entwicklung Waltrops wichtig"

 Die Villa hat aus Sicht des Heimatvereins „für die Entwicklung unserer Stadt eine enorme Bedeutung. Nicht zuletzt von dieser Stelle aus wurde der Wandel vom dörflichen Charakter von Waltrop um 1900 zur heutigen Stadt entscheidend mitgeprägt“. Nach dem Abriss der ehemaligen Königlichen Berginspektion würde ein weiteres zeithistorisches Gebäude „unwiederbringlich verschwinden“, mahnt der Verein. Er hatte sich, wie berichtet, auch in die Diskussion um die Alte Berginspektion eingebracht und den Abriss-Plänen erst zugestimmt, als klar war, dass zumindest die Nachbildung des Eingangsportals auch künftig daran erinnert. 

Waltrops Ex-Bürgermeister wohnte hier

Die WZ hatte bereits 2014 von den schwierigen Bemühungen berichtet, die Villa zu verkaufen, in der einst der „Pütt-Chef“ residierte und später der ehemalige Bürgermeister Reinhold Mittelstädt. Dass hier noch einmal ein Industriekapitän einziehe, sei wohl illusorisch, berichtete die WZ damals. „Es geht wohl darum, ob sich aus dem Gesamtkomplex mehrere Wohneinheiten machen lassen, zum Beispiel für Seniorenwohnungen. Auf den Vorschlag des Maklers, einen Architekten ,für vergleichsweise kleines Geld’ mit einer Machbarkeitsstudie zu beauftragten, ist die Erbengemeinschaft nach seinen Worten nicht eingegangen.“

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