Kindergarten Möllerstraße

Abschiedsparty für ein Haus

WALTROP - Eigentlich wollten Christoph Haßel-Puhl und Christoph Bölhauve von der Lebenshilfe den Nachbarn und allen anderen Gästen erklären, was bald Neues entsteht an der Möllerstraße. Dort, wo jetzt noch das Haus ist, das einmal ein Kindergarten war und später, bis 2004, eine Vorschule. Aber dann ging es doch mehr ums Alte.

Es wurde eine Abschiedsparty für das Haus, in dem über Jahrzehnte so viele Kinder ein- und ausgegangen sind.Uwe Kobs, der in der Zechensiedlung groß geworden ist und auf der Kaiserstraße wohnt, fährt mit dem Fahrrad vorbei. „Da bin ich auch in den Kindergarten gegangen. 1963 war das“, sagt er. „Da hängen schon ein paar Erinnerungen dran. Aber es ist besser, das Haus jetzt abzureißen und etwas Neues zu machen, als es weiter vergammeln zu lassen“, sagt er. In den Hof, wo das Treffen stattfindet, kommt er nicht mehr mit. Aber viele andere sind gekommen. Extra für den Abend hat Thomas Tetzner nach Feierabend noch ein letztes Mal das hohe Gras im Garten unter der Rutsche und am Sandkasten entfernt. Über der Holzkohle-Glut zischen Grillwürste. Biertische und -bänke sind aufgebaut, da haben einige ältere Herrschaften aus der Nachbarschaft Platz genommen. Die wissen noch, wie‘s hier früher war, mit den tobenden und manchmal auch stillen Kindern drinnen und draußen. Bis Anfang der 70er-Jahre war hier der katholische Kindergarten von St. Marien. Anfangs kümmerten sich Ordensschwestern um die „Blagen“.1972 zog der Kindergarten um in den Neubau an der Husemannstraße. Und das Haus an der Möllerstraße wurde ein Schulkindergarten für Kinder, die schon schulpflichtig waren, aber noch ein Jahr lang Starthilfe bekommen sollten. Dass hier wieder etwas mit sozialem Zweck gebaut wird, hat seinen Grund: Das war eine Auflage der Hibernia, als sie vor Jahren das Haus und den Grund der Stadt geschenkt hat. Bei einer anderen Nutzung, etwa reiner Wohnbebauung, würde alles zurück an den Bergbau gehen. Nicht nur Erinnerungen dürfen die Besucher an diesem Abend mitnehmen. Auch die Stühlchen und Tischchen, Bilderbücher, Märchenschallplatten oder Holz-Laster, die so robust sind, dass sie locker einige Jahrzehnte in ruppigen Kinderhänden überstanden haben. Alles, was noch da ist, gibt die Lebenshilfe gegen kleine Spenden ab. „Es wäre zu schade, das einfach wegzuwerfen“, sagt Christoph-Haßel-Puhl. Was niemand mehr haben will, das kommt aber wirklich bald weg: Im Herbst wird das Haus abgerissen. Danach baut die Lebenshilfe hier barrierefreie Wohnungen und einen kleinen Saal, der Treffpunkt werden soll für die künftigen Bewohner und für die Nachbarn. Ganz so, wie am Info-Abend, der eher eine Abschiedsparty war.

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