Proteste gegen das Kohlekraftwerk in Waltrops Nachbarstadt gibt es schon lange. Inzwischen gibt es neue Formen des Protestes gegen das Kraftwerk Datteln 4 – getragen von jungen Leuten, die sich im Rahmen von "Fridays for Future" engagieren.
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Proteste gegen das Kohlekraftwerk in Waltrops Nachbarstadt gibt es schon lange. Inzwischen gibt es neue Formen des Protestes gegen das Kraftwerk Datteln 4 – getragen von jungen Leuten, die sich im Rahmen von "Fridays for Future" engagieren.

Dauerbrenner

Diese Themen diskutiert Waltrop seit Jahrzehnten - nun kommt die Klimawandel-Debatte dazu

  • Markus Weßling
    vonMarkus Weßling
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Der Streit um B474n und ums Kraftwerk kommt seit Jahren in jedem Waltroper Jahresrückblick vor. Aber 2019 kam die Klimawandel-Debatte dazu. Sie verschärft den Konflikt massiv.

  • Am Dattelner Teilstück der Umgehungsstraße B474n wird jetzt gebaut, in Waltrop noch immer diskutiert und gerechnet.
  • Heute protestieren die "Fridays for Future"-Aktivisten gegen das Kohlekraftwerk an der Waltroper Stadtwerke - aber auch vor Jahrzehnten gab es dort schon (handgreiflichen) Stress.
  • Die Klimawandel-Debatte bringt neue Vorzeichen für die komplette Diskussion um B474n wie ums Kraftwerk.

Die Aktivisten von „Fridays for Future“, die heute gegen das Kohlekraftwerk Datteln 4 demonstrieren, waren in ihrer Mehrzahl noch im Baby-Alter oder gar nicht geboren, als mit dem Bau des Meilers in Waltrops Nachbarstadt begonnen wurde. Sie wissen vermutlich nicht, dass sich ein Mann namens Norbert Hiedl von der GLW (Grüne Liste Waltrop) einst mit einem Sicherheitsmann ein Handgemenge am Kraftwerks-Bauzaun lieferte. 

Kraftwerksgegner Norbert Hiedl von der Grünen Liste Waltrop geriet vor fast 13 Jahren mit dem Sicherheitsdienst am Kraftwerk Datteln 4 aneinander.

Fast 13 Jahre ist das jetzt her. Aber dieses Jahr kam ein Aspekt massiv in der Debatte hinzu: die Klima-Diskussion. Dass das Thema mitbedacht werden muss, ist keine Minderheiten-Meinung von „Ökos“ mehr, sondern so etwas wie Staatsräson. Das führt aber dazu, dass die ohnehin schwer zu lösenden Zielkonflikte noch komplexer werden. 

Waltrops Bürgermeisterin Nicole Moenikes (2.v.re.) war in Datteln dabei, als der erste Spatenstich für den Straßenabschnitt in der Nachbarstadt getätigt wurde und hofft darauf, bald auch in Waltrop tätig werden zu können.

Er sei wohl 14 Jahre alt gewesen, sagt Waltrops städtischer Dezernent und Kämmerer Wolfgang Brautmeier, als die ersten Planungen für die B474n diskutiert wurden. In Datteln rollen jetzt die Bagger, in Waltrop immer noch nicht. Der Waltroper Aufbruch rechnet akribisch vor, dass der Bau der B474n durch Er sei wohl 14 Jahre alt gewesen, sagt Waltrops städtischer Dezernent und Kämmerer Wolfgang Brautmeier, als die ersten Planungen für die B 474n diskutiert wurden. In Datteln rollen jetzt die Bagger, in Waltrop immer noch nicht. Der Waltroper Aufbruch rechnet akribisch vor, dass der Bau der B 474n durch zusätzliches Verkehrsaufkommen zu einer Verdopplung der CO2-Belastung auf Waltroper Gebiet führen würde. Wenn die mehrheitlich vom Stadtrat getroffene Feststellung, die „globale Klimakatastrophe“ habe auch Waltrop erreicht, ernst genommen werden solle – dann, tja, dürfe man eben keine Straße bauen. 

Antonius Mertenskötter zeigt die Reste eines gescheiterten Planungs-Anlaufs für die B 474n, die Waltrop-Dattelner Umgehungsstraße.

Zumal die erhoffte Entlastungswirkung für die Leveringhäuser Straße sich auch nicht einstellen werde. Vor Jahren gab es die Bürgerbefragung mit einem klaren Ja der Mehrheit – wohlgemerkt derer, die sich beteiligten – zur B 474n. Damals aber gab es noch keine Klimawandel-Diskussion, keine Greta Thunberg. Die Minderheit von damals hat heute Oberwasser. Und doch bestimmt noch das Denken einer Autofahrer-Gesellschaft die Debatte. 

Weniger Autoverkehr - imSinne des Klimaschutzes

Es ist ein verständliches Denken, denn die Alternativen durch den öffentlichen Nahverkehr sind überschaubar. Im Zweifel steht der Bus – wenn auch auf einem kurzen Abschnitt begünstigt durch eine Busspur – über weite Strecken mit im nervtötenden Pendler-Stau. Und gependelt wird immer mehr. Weniger Autoverkehr, auch im Sinne des Klimaschutzes, und gleichzeitig Erhalt einer mobilen Gesellschaft in einer Pendler-Stadt am Rande der Metropole Dortmund: ein Zielkonflikt, der sich verschärfen wird. Und für den keine nachhaltige Lösung in Sicht ist. 

Staat will raus aus der Kohlekraft

Noch mal zurück zu den Kraftwerken: Der Staat will raus aus der Kohlekraft, aber Uniper will noch schnell ans Netz mit Datteln 4. Die Sach-Argumente, die dafür sprechen, gehen langsam aus. Und trotzdem sieht es so aus, als käme es nun dazu – was vielleicht der Bundesregierung sogar mehr am Herzen liegt als dem Betreiber selbst, denn so kann man eine hohe Entschädigung sparen.

Klimawandel: Argument der Kraftwerks- und B474n-Gegner

Die Debatte indes hat sich verändert. Wie bei der B474n haben die Kraftwerks-Gegner in Zeiten der allgegenwärtigen Klimawandel-Diskussion ein Argument auf ihrer Seite, das man nicht mehr übergehen kann – den Klimawandel. Wenn es doch übergangen wird und die Anlage ans Netz geht, so kündigen sie schon heute an, werde Datteln 4 zum Symbol der Klima-Bewegung, zu einem zweiten Hambacher Forst. Doch wie denn die Energieversorgung der Zukunft aussehen soll, wie sie außer umweltfreundlich auch noch sicher und für alle bezahlbar werden soll – das ist längst noch nicht klar. Viele offene Fragen, viele Zielkonflikte. Es macht Bauchschmerzen, dass sie alle nicht gelöst sind. Denn das Ergebnis ist Stillstand.

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