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1,5 Milliarden Euro in den Sand gesetzt? – Es sollte das modernste Kohlekraftwerk Europas werden, doch Datteln 4 droht nun das Prädikat „Deutschlands teuerste Bauruine“. Unser Foto zeigt den fast fertigen Bau im Juni 2017.

Milliardenprojekt vor dem Aus

Für Datteln 4 ist das Ende in Sicht

DATTELN - Die Kohlekommission hat Nägel mit Köpfen für den Ausstieg aus der fossilen Energie gemacht– und eine Milliardeninvestition in den Sand gesetzt? Es sieht es danach aus, dass doch die Politik den Deckel drauf macht und der letzte Kohlekraftwerksneubau in Deutschland nie ans Netz gehen wird – wegen des Klimaschutzes. Auch Betreiber Uniper scheint nun zu Gesprächen bereit zu sein.

Die Aufbruchsstimmung bei Stadtspitze, Landesregierung und Betreiber anlässlich der Grundsteinlegung im November 2007 ist längst einer Kohle-Katerstimmung gewichen. Auf 126 Seiten plus 210 Seiten Anhang hat jetzt die Kohlekommission erklärt, wie sie sich den Ausstieg aus dem Kohlestrom vorstellt. Das war ihr Auftrag – jetzt ist die Politik dran. Wenn sie ernst nimmt, was die Kommission zum Thema neue Kohlekraftwerke sagt, bedeutet dies das Aus für das vom Umweltverband BUND und von Anwohnern bekämpfte Projekt. Wörtlich heißt es nämlich, für bereits gebaute, aber noch nicht in Betrieb befindliche Kraftwerke „eine Verhandlungslösung zu suchen, um diese Kraftwerke nicht in Betrieb zu nehmen“.

Bisher hatte zunächst E.ON und später der neue Betreiber Uniper stets an der 1000-Megawatt-Anlage festgehalten – ungeachtet vieler Rückschläge, auch technischer Art. Probleme mit dem Kessel-Stahl hatten das Projekt zuletzt zurückgeworfen, doch im Laufe des Jahres 2020 wollte man – mit neunjähriger Verzögerung – am Netz sein.

Bei Uniper deutet sich eine Kehrtwende an

Doch am Wochenende klangen die Töne von Uniper erstmals anders: Offenbar ist der Betreiber nun doch bereit, darüber zu reden, ob das Kraftwerk an den Start geht. „Dazu bedarf es angesichts der gewaltigen Investitionen und vertraglichen Verpflichtungen substanzieller Gespräche“, erklärte Vorstand Eckhardt Rümmler wenige Stunden nach dem Beschluss des Kohle-Gremiums. „Wichtig ist vor allem, dass nun zeitnah mit uns und nicht über uns gesprochen wird“, ergänzte er. Andererseits: Energie- und klimapolitisch findet es Uniper nicht sinnvoll, „das modernste Kraftwerk nicht ans Netz zu bringen und dafür alte, deutlich stärker CO2 ausstoßende Kraftwerke weiter zu betreiben“.

Kraftwerksfachmann Dr. Thomas Krämerkämper vom BUND sagte unserer Redaktion, es gehe nun darum, dass die Empfehlungen der Kohlekommission auch umgesetzt würden. Jenseits der Klima-Frage seien es drei Dinge, die speziell einer Inbetriebnahme des Dattelner Kraftwerks im Wege stünden: „Es ist kaputt – Stichwort Stahl-Probleme –, die Betriebsgenehmigung ist juristisch weiter umstritten und es gibt Streit um die Strom-Abnahmeverträge mit RWE und der Bahn.“

Krämerkämper sieht jedoch den jahrelangen juristischen Kampf gegen Datteln 4, der sich jetzt als hinfällig erweisen könnte, im Rückblick nicht als verschwendete Zeit an. Denn sonst wäre Datteln 4 längst am Netz. Es sei bedauerlich, dass die Politik nicht auf den Umweltverband gehört habe, der schon vor Jahren vor genau dem Szenario gewarnt habe, das jetzt eingetreten sei.

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