Wer derzeit seine Post in den Briefkasten wirft, kann möglicherweise lange darauf warten, dass der Brief beim Empfänger eintrifft.
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Wer derzeit seine Post in den Briefkasten wirft, kann möglicherweise lange darauf warten, dass der Brief beim Empfänger eintrifft.

Mitarbeiter wurde observiert

Weihnachtspost-Prozess geht in die nächste Runde

  • Werner von Braunschweig
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WALTROP - Die Suche nach der Wahrheit geht weiter: Mehr als ein Jahr nach dem Skandal um abgefischte Weihnachtspost in Waltrop steht eine Ex-Postmitarbeiterin (51) seit Freitag erneut vor Gericht. Die Dattelnerin beharrt weiterhin darauf: „Ich war das nicht!“.

Wie berichtet, war ein erster Prozess vor dem Amtsgericht Recklinghausen im Sommer 2015 aufgrund von Terminschwierigkeiten geplatzt. Schon damals hatte die die Angestellte eines Subunternehmens der Post die Verantwortung allein auf ihren Sohn abgewälzt. Der 24-Jährige hatte seine Mutter auf ihrer Route begleitet.

400-Euro-Geldstrafe

Zwischenzeitlich ist er per Strafbefehl zu einer Geldstrafe in Höhe von 400 Euro verurteilt worden. Während der Sohn als Zeuge weder gegen noch für seine Mutter aussagen wollte, enthüllten zwei Mitarbeiter der Post am Freitag erstmals Details, wie der Skandal ans Licht gekommen ist.

Auf die Lauer gelegt

Nachdem Ende 2014 viele Nachforschungsanträge und Beschwerden aus dem Raum Waltrop bei der Post eingegangen waren, sei parallel zufällig in einem Wald bei Castrop-Rauxel ein verwitterter Briefstapel mit Absendern aus Waltrop entdeckt worden. Danach, so ein Sicherheitsbeauftragter, sei die Waltroper „Kasten-Tour“ observiert worden: „Wir haben extra bunte Testbriefe in Waltrop eingeworfen.“ Dann habe man sich auf die Lauer gelegt.

Rucksack-Kontrolle

Nachdem die Angeklagte und ihr Sohn die Briefkästen entleert hatten, war ein Postmitarbeiter dem Duo gefolgt. Auf dem Weg zum Zustellstützpunkt sei der Lieferwagen plötzlich am Straßenrand angehalten und der Sohn "für etwa acht Minuten" im Laderaum verschwunden. Später auf dem Stützpunkt folgte eine Kontrolle. In einem Rucksack des Sohnes seien sofort neue DVDs ins Auge gefallen, in ein Seitenfach seien „150 aufgerissene Briefe reingeknuddelt“ gewesen.

Geschenkgutscheine gefunden

Im Handschuhfach des Lieferwagens fanden sich Wert- und Geschenkgutscheine und Bargeld. Die Angeklagte habe jedoch darauf gepocht, dass sie die Gutscheine kurz zuvor geschenkt bekommen und das Geld nur ihr gehöre. Darauf angesprochen, was bei dem acht-minütigen Zwischenstopp passiert ist, zuckte die Angeklagte nur mit den Schultern. Sie will weder Einzelheiten mitbekommen noch hinterfragt haben. Die Dattelnerin: „Ich kann nur sagen, dass ich das nicht gewesen bin.“

Schaden geht in die Tausende

Mutter und Sohn sollen laut Anklage in Serie Briefe und Pakete abgefischt und geplündert haben. Der Schaden geht in die Tausende. Ehe ein Urteil fällt, werden jetzt Mitte Februar wohl noch 16 Zeugen vernommen. Richter Jan-Hendrik Mußmann: „Jetzt ziehen wir hier das volle Besteck durch.“

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