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Hakenkreuz-Schmierereien im Treppenhaus des Lehnemannshofes. Das war im Jahr 2015.

Es gab bedenkliche Vorfälle

Hintergrundrecherche nach Bericht: Gibt es in Waltrop rechte Strukturen?

Das Thema könnte nach dem schlimmen antisemitischen Anschlag in Halle (Saale) aktueller nicht sein: Gibt es auch in Waltrop ernsthafte rechte Probleme? Ein WDR-Bericht warf Fragen auf.

° Hakenkreuz-Schmierereien an den damaligen Flüchtlings-Unterkünften am Lehnemannshof und der Alten Rentei.

° Anfeindungen bis hin zu einer Morddrohung gegen Bürgermeisterin Nicole Moenikes (CDU), nachdem sie sich in einem Video-Interview klar gegen die AfD positioniert hatte.

° Ein Haus an der Stegerwaldstraße, das mit einem Brandbeschleuniger anzuzünden versucht wurde. Die Polizei zog den Staatsschutz hinzu, weil ein fremdenfeindlicher Hintergrund nicht ausgeschlossen werden konnte.

Einzelfälle oder nicht?

Drei Beispiele, die verdeutlichen, dass rechtsmotivierte Straftaten immer wieder auch in Waltrop vorkommen. Aber: Sind das Einzelfälle oder steckt womöglich eine rechte Struktur dahinter?

Innenministerium verwies auf Dortmunder Staatsschutz

Wir baten zunächst das NRW-Innenministerium um eine Einschätzung. Denn Grundlage eines WDR-Berichtes war eine Antwort des Ministeriums auf eine Kleine Anfrage der Grünen. Demnach leben vier Mitglieder der radikalen rechten Gruppierung „Combat 18“ im benachbarten Dortmund, einer in Hamm und ein weiterer in Waltrop (u.a.). Das Ministerium, bei dem der Verfassungsschutz angesiedelt ist, verwies unterdessen an den Staatsschutz der Polizei in Dortmund. Dort würde man sich wegen der örtlichen Nähe besser mit Strukturen auskennen, hieß es.

Waltrop ist als "Schlafstadt" attraktiv

Doch die Dortmunder Polizei wiegelte ab: Waltrop gehöre trotz der räumlichen Nähe nicht zum Dortmunder Zuständigkeitsbereich. Eine Einschätzung, ob sich bekannte rechte Strukturen von Dortmund nach Waltrop verschieben, wollte man uns nicht geben. Zur Erinnerung: Der Großteil der in NRW bekannten „Combat 18“-Mitglieder lebt in Waltrops direkter Nachbarstadt. Und dass viele Dortmunder ins ruhigere Waltrop ziehen – Stichwort Schlafstadt – ist belegt. Könnten darunter nicht Menschen mit rechter Gesinnung sein?

Polizei: Person orientiert sich nach Dortmund

Geäußert hat sich am Ende Andreas Wilming-Weber, Pressesprecher der Polizeibehörde Recklinghausen. Er vermochte nach einigen Tagen der Recherche klar einzuschätzen, dass es „in Waltrop keine verfestigten rechten Strukturen gibt“. Wilming-Weber ging auch auf das „Combat 18“-Mitglied ein, das mit Wohnsitz in Waltrop gemeldet ist. Derjenige würde sich erkennbar nach Dortmund orientieren, nicht umgekehrt, versichert der Polizeisprecher.

Keine Häufung von rechten Straftaten

Dass es keine Verlagerung der rechten Dortmunder Szene nach Waltrop gibt, begründet die Polizei auch mit Zahlen: 2017 habe es insgesamt acht politisch rechts-orientierte Straftaten in Waltrop gegeben. 2018 waren es sieben. „Oft hat es sich dabei um Hakenkreuz-Schmierereien gehandelt“, sagt Wilming-Weber. So etwas sei keine Lappalie, komme aber in jeder Stadt vor. Eine Häufung sei nicht festzustellen.

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