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Ralph Bentzen gewährt einen Blick in sein Foto-Album. Mit dem Post-Bus (oben re.), der hier entlang der überfluteten Deiche in Ostfriesland fuhr, ist er früher noch zur Schule gefahren.

Ralph Bentzen

Er war der Sherlock Holmes der Bundespost

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Waltrop - Die vielen verschwundenen Briefe in Waltrop geben Rätsel auf. Ralph Bentzen stand 40 Jahre lang im Post-Dienst und hat so eine Ahnung, was es damit auf sich haben könnte. Denn der Ostfriese und Wahl-Waltroper war Fahndungsbeamter und weiß von teils hanebüchenen Geschehnissen zu berichten.

Nein, dass Post-Sendungen verschwinden, ist kein Waltroper Phänomen. Ralph Bentzen hat sein ganzes Berufsleben bei der Bundespost verbracht – in Ostfriesland. Wenige Monate vor der Privatisierung am 1. Januar 1995 ist der vor 17 Jahren zugezogene Waltroper zwar in den Ruhestand versetzt worden, das Post-Geschäft kennt er allerdings aus dem Effeff. So hat er auch eine gewisse Ahnung, was es mit den verschwundenen Briefen auf sich haben könnte. Denn Ralph Bentzen war nicht nur Stellenvorsteher in Emden, sondern auch Fahndungsbeamter der Post. „Das gehörte damals zu meinem Aufgabenbereich“, erzählt er. Wenn Post-Sendungen verschwanden, stellte Ralph Bentzen Nachforschungen an. Und genau das erwartet er auch heute von der Deutschen Post AG: „Wir als Bürger können uns das nicht gefallen lassen, dass so viele Briefe einfach verschwinden. Die Post muss hier reagieren und nachforschen“, findet Bentzen. So wie einst auch er reagierte, als jede Menge Post-Sendungen in Ostfriesland einfach verschwanden. Dabei hätte wohl selbst die Polizei nicht besser ermitteln können, was es mit dem mysteriösen Post-Verlust auf sich hatte. „Es gab in meiner ganzen Laufbahn zwei Beamte auf Lebenszeit, denen ich kündigen musste“, nimmt Bentzen vorweg. Sie hatten Post gestohlen – und er hatte sie dabei ertappt. Das erforderte Kreativität und langen Atem.

„Schwatte Pfoten“ haben den Dieb überführt

Es war ein eigens aufgegebener Fangbrief, der einen langfingrigen Post-Beamten überführte. „Wir haben extra einen schön bunten Umschlag genommen und drauf geschrieben ,Für das Geburtstagskind’“, erzählt Ralph Bentzen. Bestückt hatte er den Brief mit einem präparierten 10-Mark-Schein. „Und prompt kam der Brief nicht an.“ Wer jedoch am nächsten Tag ankam, war der in Verdacht stehende Post-Beamte: „Und der hatte auch immer noch schwatte Pfoten“, erinnert sich Bentzen, der den Geldschein mit einem speziellen Mittel eingepinselt hatte, das schwarze Spuren hinterließ, die nicht so leicht abzuwaschen waren.

„Und dann hatten wir noch einen Fall, bei dem wir einen unserer Lkw-Fahrer über Wochen beschattet haben“, erzählt der ehemalige Stellenvorsteher weiter. Statt auf direktem Wege zur Poststelle zu fahren, habe der Mann einen Zwischenstopp eingelegt – vor seiner eigenen Haustür. „Da hat er 20 Pakete vom Lkw in seine Wohnung gebracht.“ Eine spätere Wohnungsdurchsuchung – diese Befugnis hatten Fahndungsbeamte der staatlichen Bundespost damals – brachte 200 weitere Briefe zum Vorschein. „Beamte können ja nichts wegschmeißen...“, sagt Bentzen mit einem Augenzwinkern. Das Ergebnis: Auch der zweite Post-Dieb war überführt. „Leicht fiel es mir aber nicht, die beiden zu entlassen. Man kannte die Leute ja auch und wusste, dass sie Familien hatten“, sagt Bentzen.

Gesteigertes Interesse an Post-Themen

So hat der Waltroper allein schon durch seine berufliche Vergangenheit noch heute ein gesteigertes Interesse an Dingen, die mit der Post zu tun haben. Was den Senior daher verwundert, ist das Vorgehen derjenigen, die die Post aus den Briefkästen abholen. An der Gasstraße etwa, aber auch am Moselbach hat er schon beobachtet, wie der Abholer die Briefe einzeln sortiert. „Ich habe bei der Post-Hotline angerufen und gefragt, ob er das darf. Man sagte mir: ,ja’“, so Bentzen. Früher sei das jedoch streng verboten gewesen. Denn das weiß der Waltroper Ostfriese: Ob sich etwa Geld in einem Brief befindet, das merke die geschulte Hand sofort. Und Gelegenheit mache nun mal Diebe.

Beweisen kann Ralph Bentzen nichts, beschuldigen will er auch niemanden. Dass das System hier jedoch eine Schwachstelle hat, steht für ihn fest. Und leider auch, dass die alten Beamten der Bundespost nicht mehr zu vergleichen sind mit den vielfachen Sub-Unternehmern der privaten Post heute.

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