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Ein Bild aus dem Archiv: Das Neue Schiffshebewerk in Oberwiese ist wegen technischer Mängel seit 2005 außer Dienst gestellt.

Überraschende WSA-Aussage

"Es ist vorgesehen, dass das Hebewerk wieder läuft"

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Waltrop - Wegen Inspektionsarbeiten an der Schachtschleuse Henrichenburg im Schleusenpark Waltrop ist der Dortmunder Hafen bald wochenlang abgeschnitten von der Schifffahrt. Aber: Könnte womöglich das neue Hebewerk eine Ausweich-Option sein? Theoretisch funktioniert das Bauwerk nämlich noch.

Seit nunmehr zwölf Jahren setzt sich der Verein „Freunde und Förderer des Schiffshebewerks- und Schleusenparks Waltrop“ dafür ein, dass das 2005 stillgelegte neue Schiffshebewerk wieder in Betrieb genommen wird. Auch der Antrag, als Unesco-Welterbe anerkannt zu werden, steht und fällt mit der Betriebsfähigkeit des Bauwerks. Alle Bemühungen – unter anderem hatte der Verein über 8.000 Unterschriften gesammelt und diverse Male in Berlin vorgesprochen – waren bisher jedoch vergebens.

Nur "vorrübergehend stillgelegt"

Eine Aussage von Volker Schlüter, dem Leiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WSA) Duisburg-Meiderich, macht den Hebewerks-Förderern nun überraschend Hoffnung: „Wir haben das Hebewerk in dem Wissen vorübergehend stillgelegt, dass wir es wieder in Betrieb nehmen werden. Und es ist auch vorgesehen, dass wir das tun“, sagt Schlüter am Donnerstag im Gespräch mit unserer Redaktion und verweist zugleich darauf, dass man nicht umsonst eine neue Brücke und keinen Damm baue.

„Ich kann nur hurra schreien, wenn das tatsächlich passiert“, reagiert ein überraschter Jürgen Siebert, Vorsitzender der Hebewerks-Freunde, als die WZ ihn über Schlüters Aussage informiert. „Das kann ich ja kaum glauben. Aber wenn wir helfen können, tun wir das natürlich sofort.“

Doch ganz so einfach ist die Gemengelage nicht. Zwar beabsichtigt das WSA tatsächlich, das 1962 eröffnete Hebewerk wieder in Dienst zu stellen. Bevor das passiert, muss allerdings die Finanzierung stehen. Und genau hier wird’s schwierig. Denn das Bauwerk wieder funktionstüchtig zu machen, ist teuer. Vor Jahren kam eine Überschlagsrechnung auf ein Ergebnis von knapp acht Mio. Euro. „Und je länger nichts passiert, desto teurer und aufwendiger wird alles“, sagt Volker Schlüter. Siebert schätzt die Kosten inzwischen auf gut 15 Mio. Euro. Antrieb, Elektrik, Motoren – alles müsste erneuert werden.

160 Betrieben und 5000 Arbeitsplätze

Das neue Schiffshebewerk neben der Schleuse als zweite Möglichkeit zu haben, die 13,50 Meter zwischen Ober- und Unterwasser des Dortmund-Ems-Kanals zu überwinden, wäre indes auch für den Dortmunder Hafen mit seinen 160 Betrieben und 5000 Arbeitsplätzen ein Segen. Die bevorstehenden Inspektionsarbeiten an der Schleuse, dem einzigen Weg für Schiffe zum Dortmunder Hafen, werden die dortigen Betriebe erneut für Wochen von der Schifffahrt abschneiden (wir berichteten).

Anders als die Schleuse kann das Hebewerk aber nicht alle Schiffe befördern. „Die meisten Schiffe sind inzwischen 110m lang“, sagt Schlüter. Das Hebewerk ist aber nur 90 Meter lang. Daher sei so eine große Investition volkswirtschaftlich kaum erklärbar, sagt Schlüter, der betont: „Aus verkehrstechnischer Sicht ist das Hebewerk nicht wichtig genug, aber als historisches Erbe schon.“

2027 soll die Internationale Gartenausstellung ins Ruhrgebiet kommen und der Schleusenpark ein zentraler Standort werden. „Vielleicht gibt es da ja einen Zusammenhang, von dem wir noch nichts wissen“, hofft nun Jürgen Siebert. Er wird so oder so am Ball bleiben.

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