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Raphael Dolling (29) aus Datteln (li.) war beim Frühlingsfest als „Springer“ eingesetzt und kümmert sich hier gerade mit Tobias Stalp um die Technik. Stalp ist pädagogischer Mitarbeiter in der Ausbildung und hat mit seinen Kollegen im Rahmen eines Projekts die Veranstaltung organisiert.

Autismuszentrum Unterlippe

Einblicke in den etwas anderen Arbeitsplatz

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Waltrop - Das Autismuszentrum in Unterlippe kennen nur wenige. Ein guter Grund für die Einrichtung der Diakonie im Kirchenkreis Recklinghausen, einmal die Türen für die Öffentlichkeit zu öffnen, Frühlingsfest zu feiern und zu zeigen, was hier im Alltag geschieht.

17 Männer und drei Frauen mit einer Autismus-Spektrum-Störung arbeiten in dem Zentrum, neun Betreuer kommen hinzu. „Die eine“ Beschäftigung gibt es dabei nicht; die Arbeit ist sehr individuell zugeschnitten. Da gibt es zum Beispiel Aufträge von externen Firmen, etwa von BTS (BauTechnischeSysteme) Waltrop, bei denen kleine Montage-Arbeiten erledigt werden müssen. Auch Gartenarbeiten sind eine Beschäftigungsform. Das geerntete Gemüse verwendet dann die Hauswirtschaftsgruppe für die Selbstversorgung – einmal die Woche wird gemeinsam gekocht.

TEACCH-Konzept

Gearbeitet werde nach dem TEACCH-Konzept, erklärt Judith Schmetzer, Leiterin des Autismus-Zentrums. TEACCH steht für „Treatment and Education of Autistic and related Communication handicapped Children“, übersetzt etwa: Behandlung und pädagogische Förderung autistischer und in ähnlicher Weise kommunikationsbehinderter Kinder. Es gehe im Kern immer darum, Zeiträume und Aktivitäten zu strukturieren, erklärt Judith Schmetzer.

Individuelle Fähigkeiten

Dabei bringt jeder Beschäftigte andere Fähigkeiten mit, folglich muss die Strukturierung bei jedem anders aussehen. Vieles läuft auf der visuellen Schiene ab: Ein Foto von Tassen zeigt, was hinter der Schranktür steht. Eine Abbildung eines Werkzeugs deutet an: Jetzt ist Zeit für eine Arbeitseinheit. Und: Für jeden ist eine andere Belohnung attraktiv. „Mancher mag besonders gern Orangen-Lutscher, für einen anderen ist die Belohnung, im Büro allein Musik hören zu dürfen“, erklärt Thomas Harter, Leiter der Werkstatt. „Und wir haben viele hier mit Sonder-Interessen. Einer zum Beispiel hört gern das Rauschen des Wasserhahnes. Ein anderer interessiert sich für Strommasten. Wieder ein anderer kennt sich sehr gut mit unterirdischen Rohrsystemen aus.“

Von wegen "kein Kontakt"

Weitläufig verbreitet sei die Ansicht, Autisten wollten keinen Kontakt. „Das stimmt nicht“, sagt Judith Schmetzer. „Sie wollen ihn nur anders.“ Und: Soziale Regeln – etwa „das ist meins und das ist deins“ – seien für viele sehr schwer zu lernen.

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