Marc Selzer ist neuer Fraktionsvorsitzenden der Waltroper Grünen. Neue Stellvertreterin ist Beate Stach.
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Marc Selzer ist neuer Fraktionsvorsitzenden der Waltroper Grünen. Neue Stellvertreterin ist Beate Stach.

Lokalpolitik - Jetzt mit Update

Ratsarbeit, Reden und Rebellion - Grünen-Fraktionschefin Monya Buß gibt ihr Amt ab - Nachfolger steht fest

  • Markus Weßling
    vonMarkus Weßling
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Sie lebt Lokalpolitik in Waltrop wie wenige andere. Nun gibt sie das Amt als Fraktionsvorsitzende nach acht Jahren in andere Hände. Welche das sind, steht nun auch fest.

Update, 10. März, 12.14 Uhr: Monya Buß hat ihren Rücktritt vom Fraktionsvorsitz zum 1. April erklärt. Einer der Gründe ist eine berufliche Veränderung: Sie arbeitet als Gewerkschaftssekretärin für Verdi in Essen. Die Fraktion hat nun ihren bisherigen Stellvertreter, Marc Selzer, einstimmig zum neuen Fraktionsvorsitzenden der Waltroper Grünen gewählt. Neue Stellvertreterin ist Beate Stach.

Unsere Erstberichterstattung: Ihre erste Haushaltsrede hat sie drei Tage lang vor dem Spiegel geübt, bis sie sie auch hätte auswendig vortragen können. „Am Ende habe ich sie dann doch abgelesen.“ Typisch Monya Buß aus Waltrop – sie bereitet sich auch heute immer gründlich auf Sitzungen, erst recht auf Reden vor. Sie nimmt die Lokalpolitik eben in einer Weise ernst, wie man es nicht so häufig findet. Acht Jahre hat sie die Fraktion der Grünen in Waltrop geleitet, zum 1. April gibt sie dieses Amt in andere Hände.

Ein gewaltiger Irrtum in Waltrop

Mancher (und die männliche Form ist hier mit Bedacht gewählt) dachte vielleicht, nach ihrem sehr markanten und streitbaren Vorgänger Dr. Lars Holtkamp wäre die junge Frau ein politisches Leichtgewicht an der Fraktionsspitze der Grünen in Waltrop, als sie im Februar 2013 ihr Amt antrat. Ein gewaltiger Irrtum. Sie fand ihren eigenen Weg, sie verschaffte sich Anerkennung. Mit Sachkenntnis, politischem und rhetorischem Geschick. „Die Sitzungsunterlagen zu studieren, reicht nicht zur Vorbereitung, obwohl ich schon da bezweifle, dass das jeder macht“, sagt sie. Zuvor, als einfaches Ausschussmitglied, konnte sie sich noch die Themen aussuchen, mit denen sie sich näher befassen wollte. „Und ich dachte, im Jugendausschuss hätten sie nur auf mich gewartet, weil ich selbst jung war.“ Dem war nicht so, wie sie merkte.

Monya Buß aus Waltrop hat eigene Ansichten

Als Fraktionsvorsitzende musste sie dann alle Themen im Blick haben. Wenn sie im Rat, immer wohlüberlegt, eine Frage stellt, kennt sie oft schon die Antwort. Und nutzt sie als Startrampe für die nächste Frage. Dafür muss man die Themen durchdringen. Und das tut sie. Anfangs war es eine Männerwelt, in der sie sich in der Runde der Fraktionsvorsitzenden behaupten musste – sie und die damalige Bürgermeisterin Anne Heck-Guthe (SPD) waren die einzigen Frauen, die an den informellen Besprechungen teilnahmen. Und manchmal gab es anfangs im Rathaus auch mit leitenden Verwaltungsmitarbeitern Gespräche, die liefen ungefähr so: „Selbst der Lars hat eingesehen, dass...“ Sollte heißen: Wenn schon der oft widerborstige, erfahrene Ex-Fraktionschef Dr. Holtkamp auf Linie war, dann sollte doch bitte nun nicht ausgerechnet Grünschnabel Monya Buß rebellisch sein. War sie trotzdem manchmal. Da mag mancher hinter ihrem Rücken mit den Augen gerollt haben.

Waltroperin freut sich über Erfolge

Aber es ging und geht ihr um die Sache. Sie kann sich immer noch von Herzen aufregen – selbst über ihre eigene Landespartei, die die Waltroper Grünen einst beim Kampf gegen das Kraftwerk Datteln 4 zugunsten der Koalition mit der SPD hängen ließ. Und über die B 474n, gegen deren Bau sie schon seinerzeit beim Bürgerentscheid kämpfte. Obwohl sie längst ein angesehener Teil des lokalpolitischen Establishments ist, bleibt sie doch auch Aktivistin, geprägt von ihrer politisch immer schon aktiven Familie. Sie kann sich auch freuen über ihre Erfolge, über die sie ohne falsche Bescheidenheit spricht: Die Angelegenheit, sagt Monya Buß, in der sie vielleicht am greifbarsten etwas für die Bürgerinnen und Bürger erreicht habe, sei die Übertragung der Ratssitzungen im Internet. Einen alten Vorschlag von 2013 packte sie anlässlich der Corona-Pandemie noch einmal neu aus, er fand diesmal eine Mehrheit. Jetzt bekommt sie gelegentlich gesagt, man müsse doch die eigenen Standpunkte öffentlichkeitswirksamer im Rat von Waltrop verkaufen. Sie hält davon nichts. „Das ist doch keine Show-Veranstaltung. Es mag für die Leute nicht so spannend sein, wenn wir im Rat sagen: Wir stimmen wie zuvor im Ausschuss besprochen.“ Aber so sei das eben. Alles andere: Show, nicht Monya Buß’ Ding.

Arbeit der Frau aus Waltrop von Beharrlichkeit geprägt

Dass sie die Sache mit den Übertragungen schließlich doch durchsetzte, zeigt einen weiteren Charakterzug der 35-Jährigen: Beharrlichkeit. Unterm Strich, sagt Monya Buß aus Waltrop, habe sie von den Jahren als Fraktionschefin für ihre Persönlichkeitsentwicklung mindestens so sehr profitiert wie sie von sich hineingegeben habe. Nun ist Zeit, kurz innezuhalten, auch wenn sie ja Ratsmitglied und Ausschussvorsitzende bleibt. Man hat sie gebeten, doch einmal ihre alten Haushaltreden zur Verfügung zu stellen. Drei hat sie gefunden. „Zwei hab’ ich wohl frei gehalten.“ Einmal schenke sie „ihre Redezeit dem Rat zu Weihnachten“, wie sie damals sagte. Und eine oder zwei, tja, die hat sie wohl einfach verbummelt. Auch das kommt mal vor bei Monya Buß.

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