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Die Kita-Betreuung kostet viel Geld.

Das müssen Eltern zahlen

Kita-Betreuung im Vergleich: Wie schneiden die Städte bei den Kosten ab?  

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  • Michael Dittrich
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  • Markus Weßling
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Viel wird dieser Tage über die Verfügbarkeit von Kita-Plätzen gesprochen, aber was kostet eigentlich die Betreuung der Kleinen in den Ostvest-Städten?

  • Ein Vergleich scheint nahezulegen, dass Waltroper Eltern da wesentlich tiefer in die Tasche greifen müssen als Eltern in Datteln und Oer-Erkenschwick. 
  • Doch das ist nur die halbe Wahrheit
  • Es gilt nämlich nur für Bürger mit sehr hohen Einkommen.

    Legt man als Vergleichs-Maßstab eine Betreuung für Kinder ab drei (Waltrop) bzw. zwei (Datteln und Oer Erkenschwick) Jahren und einen wöchentlichenBetreuungszeitraum von 45 Stunden zugrunde, so ist der Maximal-Betrag für Waltrop 672 Euro, für Datteln 508 und für Oer-Erkenschwick gar nur 482 Euro. Für Oer-Erkenschwick sind das190 Euro Differenz zu Waltrop. Waltrop ist mit seinem Maximal-Betrag sogar die teuerste Kommune im Ruhrgebiet. Doch entscheidend ist, dass die Staffelung sich nach dem Jahreseinkommen der Eltern richtet. Und während Datteln und Oer-Erkenschwick die Einkommensgrenze, ab der der Höchstbetrag anfällt, wie viele andere NRW-Kommunen bei 125.000 Euro ansetzen, gibt es in Waltrop noch Stufen darüber, wo es dann noch teurer wird. Wie viele Waltroper Bürger in diese höheren Kategorien fallen, will man aus Datenschutzgründen im Waltroper Rathaus nicht sagen, aber dass das private Einkommen in der Hebewerkstadt im Schnitt höher liegt als das der Dattelner und Oer-Erkenschwicker, ist kein Geheimnis. Dort würde eine Staffelung wie in Waltrop wohl wenig Sinn ergeben.

    So sehen die Zahlen in derselben Einkommensstufe aus

    Schaut man sich die Zahlen in derselben Einkommensstufe an, nämlich bei über 90.000 und bis zu 100.000 Euro, sind die Unterschiede viel geringer: Waltrop liegt da bei 351 Euro, Datteln bei 372,50 Euro und Oer-Erkenschwick bei 353 Euro. Nur: In Datteln und Oer-Erkenschwick folgen dann eben nur noch zwei Gebührenstufen bis zum Maximalbetrag – nämlich „bis 125.000 Euro“ Jahreseinkommen und „über 125.000 Euro“. In Waltrop ist die Staffelung differenzierter, geht in fünf weiteren Stufen voran – und erreicht den Maximalwert erst bei 140.000 Euro Einkommen.

    Waltrops Kämmerer: "Staffelung sozial gerecht"

    „Wir glauben, dass unsere Staffelung sozial gerecht ist, sagt Waltrops Kämmerer Wolfgang Brautmeier. Man sei vor einiger Zeit durch Intervention der Aufsichtsbehörde gezwungen gewesen, bei den Kitas an der Gebührenschraube zu drehen – und da habe man es wenigstens so machen wollen, dass man höhere Einkommen stärker belaste. Außerdem stehe dieser Belastung der Bürger wenigstens eine Leistung gegenüber, die die Bürger zudem nur für einige Jahre in Anspruch nehmen – das sei im Zweifel besser, als allgemeine kommunale Steuern anzuheben, die man dann noch Jahr für Jahr zahlen muss.

    Dattelns Jugendamtsleiter für einheitliche Tabelle

    In Datteln fallen zwar geringere Höchstbeträge für einkommensstarke Familien an, bei einem Jahreseinkommen von 80.000 Euro zahlen Familien in Datteln aber mit 267 Euro sogar höhere Beiträge als in Waltrop (251 Euro). „Der Kita-Besuch gehört zu unserem Bildungssystem, insofern ist jedwede Staffelung einschränkend“, sagt Dattelns Jugendamtsleiter Peter Wenzel. In NRW müsse jedes Kind gleich viel wert sein, daher wünscht sich Wenzel eine landesweit einheitliche Elternbeitragstabelle.

    Oer-Erkenschwick: "Würden am liebsten keine Gebühren erheben"

    Der Oer-Erkenschwicker Jugendamtsleiter Detlef Rabas würde am liebsten gar keine Kindergartenbeiträge erheben: „Die Aufsichtsbehörde hat uns als Haushaltssicherungsgemeinde abergezwungen, die Beiträge noch zu erhöhen. Sie steigen bis 2021 pro Jahr moderat um 1,5 Prozent.“ Das bedeutet: 45 Stunden kosten im nächsten Kindergartenjahr 489 statt 482 Euro. Allerdings greift dann gleichzeitig die Regelung, dass auch das vorletzte Kindergartenjahr beitragsfrei wird. 792.000 Euro hat OE in 2019 an Elternbeiträgen festgesetzt. Damit sollen die Städte eigentlich 19 Prozent der Kita-Betriebskosten decken – so stellt sich das Land das vor. Das schafft aber keine der Ostvest-Kommunen. In OE liegt die Quote zum Beispiel gerade mal bei 13,84 Prozent.

Warum es in diesem Jahr in Waltrop nicht genügend Kita-Betreuungsplätze gab - und was die Stadt jetzt plant.

Stadtkasse in Corona-Zeiten

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