Holger Tigges&#39 geschultem Blick fällt schon bei der bloßen Draufsicht so einiges auf, wenn es um die Beurteilung der Standfestigkeit der Waltroper Bäume angeht. Doch  manchmal müssen weitere Prüfgeräte zum Einsatz kommen.
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Holger Tigges' geschultem Blick fällt schon bei der bloßen Draufsicht so einiges auf, wenn es um die Beurteilung der Standfestigkeit der Waltroper Bäume angeht. Doch  manchmal müssen weitere Prüfgeräte zum Einsatz kommen.

Arboristik

Unterwegs mit dem Baumpfleger: Er hört, wo Brandkrustenpilz und Hallimasch wüten

  • Tamina Forytta
    vonTamina Forytta
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Sturm, Dürre, Borkenkäfer - ein Baum ist vielen Gefahren ausgesetzt. Nur: Wie stabil ist er noch? Von außen ist das oft nicht zu erkennen. Aber: Ein Aborist kann helfen.

  • Ein Baum-Fachmann war am Mittwoch in Waltrop unterwegs, um Problem-Fälle zu untersuchen
  • Immer mehr Schädlinge und andere Widernisse setze den Bäumen zu 
  • Stress-Faktor Nummer 1 ist die Trockenheit   

Es ist noch keine Woche her, da krachte eine massive Eiche in den Zechenteich - ohne, dass dieser Baum als problematisch eingestuft worden ist. Manchmal ist es einfach einem Gehölz nicht von außen anzusehen, dass er nicht mehr standfest ist. Die Stadt Waltrop hat daher jetzt einen sogenannten Arboristen zu Rate gezogen, einen Baumpflege-Fachmann. Holger Tigges ist selbst Waltroper, hat in Göttingen Arboristik studiert und zog am Mittwoch mit Andreas Kappe vom Ver- und Entsorgungsbetrieb (V+E) los, um die Sorgenkinder unter den Bäumen im Stadtgebiet zu betrachten.

Mit einem Resistographen geht Baum-Fachmann Holger Tigges ans Werk.

Sein Haupt-Werkzeug ist dabei ein einfaches Hämmerchen mit Kunststoff-Kopf. Ein Schlag gegen den Stamm, und für den Fachmann lässt sich schon einiges erschließen: Klingt's "wie eine Bongo-Trommel", dann ist der Baum sicher nicht mehr stabil. Wenn's komplizierter wird, muss der Resistograph helfen: Mit diesem Gerät führt der Baum-Experte eine Bohrwiderstandsmessung durch: Eine Nadel mit zweieinhalb Millimeter Durchmessern bohrt sich in den Baum hinein, bis zu 40 Zentimeter tief. Auf einem Papierstreifen wird der Widerstand aufgezeichnet, auf den der Bohrer trifft. Ist der gering, ist das Holz des Stammes beschädigt. Bisweilen verwendet Holger Tigges auch einen Schalltomographen: Das Gerät liefert eine Art Röntgenbild aus dem Inneren des Baumstammes. Oder man arbeitet mit Zug-Versuchen: Dabei werden Seile oder Gurte am Baum befestigt, daran wird gezogen und gemessen, wie sehr sich der Baum biegt. 

Der Widerstand, auf den der Mini-Bohrer im Inneren des Stammes trifft, wird aufgezeichnet.

Und die Widernisse, denen Bäume ausgesetzt sind, sind zuletzt auch in Waltrop mehr geworden. Der Borkenkäfer hat vielfach von sich reden gemacht. Der Brandkrustenpilz tauchte auch bei uns auf. Die Trockenheit der vergangenen Jahre setzt den Bäumen zu. „Die Bäume haben Stress“, konstatiert Tigges. Und wer Stress hat, ist anfälliger. Dann hat beispielsweise der Hallimasch-Pilz leichtes Spiel.  Oder der Eichenprozessionsspinner.

Bei manchem Gehölz muss der Baum-Fachmann gar nicht lange prüfen - diese Eiche muss gefällt werden.


Leicht macht sich Holger Tigges, der auch am Waldstadion einige Gehölze untersuchte, die Entscheidung nie, für einen Baum die Fällung zu empfehlen und verweist auf den Stellenwert im Gleichgewicht der Natur. „In so einem jahrzehntealten Baum leben ja tausendmal mehr Viecher als in einem jungen, gesunden.“

   

  

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