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Die Blaue Madonna am Turm von St. Marien im Waltroper Osten wird restauriert.

Restauratoren am Werk

Blaue Madonna am Turm der Marienkirche: Mutter und Sohn brauchen eine Frischzellenkur

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Regen und Kälte haben der Blauen Madonna am Turm der Waltroper Marienkirche ziemlich zugesetzt. Jetzt sind Restauratoren am Werk - und das Jesuskind zeitweilig kopflos.

  • Die Skulptur am Turm der Marienkirche im Waltroper Osten wird derzeit renoviert
  • Am Kopf des Jesuskind hatten sich schon Risse gebildet
  • Einst störten sich die Nazis an dem Kunstwerk

Seit Montag ist die Blaue Madonna am Turm der Marienkirche eingerüstet. Nässe und Kälte der vergangenen Monate haben ihr schwer zugesetzt; sie brauchte eine "Frischzellenkur" und wird nun renoviert. Die Restauratoren der Steinfurter Firma Lehmkuhl haben das übernommen. Ihre strahlende Farbe verdankt die blaue Madonna einer speziellen Glasur - die Skulptur ist aus Ton gebrannt. 

Der geschädigte Kopf des Jesuskindes wird in der Werkstatt aufgearbeitet.


Aber: Das Material macht sie auch empfindlich. Nikolai Hartmann von Rüden von der Firma Lehmkuhl: „Während die Glasur prinzipiell einen recht

guten Witterungsschutz

darstellt, kann Feuchtigkeit jedoch über Beschädigungen, Risse oder Fehlstellen in der Glasur in den stark saugenden Terrakotta-Untergrund gelangen.“ Bei Frost gefriert die Feuchtigkeit und es passiert das, was Otto Normalbürger von vergessenen Glasflaschen im Gefrierfach kennt: Die gefrorene Feuchtigkeit dehnt sich aus, es platzt die obere Schicht oder es bilden sich, wie am Kopf des Jesuskindes, tiefe Brüche. 

Waltroper Figur war den Nazis einst ein Dorn im Auge

Einige Schäden werden die Fachleute auch vor Ort mit Kunstharz ausbessern. Auch die Fugen werden überarbeitet. Die meterhohe Skulptur wurde nämlich nicht in einem Guss gebrannt, sondern besteht aus mehreren Einzelteilen. In einigen Wochen soll die Madonna in herrlicher Bläue erstrahlen. Schließlich ziert sie die Marienkirche schon seit Anfang an: Die Kirche im Waltroper Osten wurde am 8. August 1933 eingeweiht. 

Bernd Steinkamp und Enrico Zschach führten erste Arbeiten an der blauen Madonna durch und nahmen den Kopf des Jesuskindes mit in die Werkstatt. 


Doch die Skulptur, nach der einst sogar eine Straßenbahnhaltestelle vor der Kirche benannt war, hatte es anfangs schwer: Der damalige Pfarrrektor Fritz Dickmann schrieb in einer Chronik, dass die Madonna, die der Künstler Hans Dinnendahl schuf, den Nationalsozialisten ein Dorn im Auge war. Dinnendahls Werke galten als „entartete Kunst“. Die Nazis hätten damals gefordert, die Maria zu entfernen. Dickmann weigerte sich. Und um ihre Madonna vor einem gemeinen Anschlag zu bewahren, hielten Männer der Gemeinde etliche Nächte an der Kirche Wache.


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