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Walter Kranefoer in seinem Betrieb.

Debatte zum Thema Fleisch

Fleischer mit Fokus auf Tierwohl wird heute längst nicht mehr ausgelacht

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Walter Kranefoer kann sich noch an die 1990er-Jahre erinnern:  Damals war man noch ein Exot, wenn man sich als Fleischer ums Tierwohl kümmerte. Das ist heute anders.

Als die erste Tochter Stella geboren wurde, haben Walter Kranefoer und seine Frau Claudia genau einen  Partner für ihren Betrieb gesucht, der verantwortlich mit den Tieren umgeht – und am Niederrhein gefunden. Anfangs wurden sie belächelt, heute sind sie obenauf. Die Tierwohl-Debatte ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

Keine langen Transporte

Kranoefoer ist dem "Naturverbund Niederrhein" angeschlossen, zu dem ein Schachthof in Wachtendonk an der niederländischen Grenze gehört. Aus gutem Grund, denn im Verbund bemüht man sich nach festen Regeln, verantwortungsvoll mit den Tieren umzugehen - von der Aufzucht über den Transport zum Schlachthof bis zur Schlachtung selbst. Während zum Beispiel anderswo die Tiere über Stunden mit Ferntransporten über die Autobahn gefahren werden, ist hier jeder der angeschlossenen Landwirte für den Transport seiner Tiere selbst verantwortlich. Die Transportdauer für die Schweine gibt das Unternehmen mit maximal zwei Stunden an, durchschnittlich seien es 30 Minuten. Bei Rindern dauert der Transport maximal drei Stunden, zurzeit nach Angaben des Unternehmens durchschnittlich etwa anderthalb. Auch die Haltungsbedingungen für die Tiere sind bei den Landwirten im „Naturverbund Niederrhein“ artgerecht und damit so, wie sich Kranefoer das vorstellt. Und wenn es ans Schlachten geht, wird nach festen Regeln darauf geachtet, dass das möglichst schonend geschieht. Akkordarbeit für die Schlachter gibt es nicht. 

Das Ende der Massentierhaltung

Kranefoer erwartet, dass sich die Zeiten nun nachhhaltig ändern werden.  „Ich glaube nicht, dass wir in zehn Jahren noch Massentierhaltung haben, wie wir sie heute kennen.“ Seine Forderung an die Politik ist klar: „Sie muss endlich aus dem Quark kommen mit einem einheitlichen Tierwohl-Label.“ Die Kriterien, die sich der Handel dafür zurzeit selbst gibt, findet er zu lasch. 

Waltroper Fleischer mit klarer Meinung zur Fleisch-Steuer

Von einer Erhöhung der Steuer auf Fleisch hält Kranefoer nichts. „Die Discounter würden die höheren Preise nicht an die Kunden weitergeben, sondern versuchen, die Herstellungskosten noch weiter zu drücken“, fürchtet der 54-Jährige. Das aber hieße: Das Wohl der Tiere stünde noch weniger im Mittelpunkt, auch die Arbeitsbedingungen der Menschen in den Schlachtereien würden eher schlechter als besser. Grundsätzlich gilt für Kranefoer: „Es muss nicht jeden Tag Fleisch sein.“ Lieber weniger, dafür hochwertigeres. „Wir müssen zurück zum Sonntagsbraten.“

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