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Das Trianel-Kraftwerk in Lünen.

Erstmals gibt es Zahlen

Irre Summe: Kraftwerk hat Schaden durch den vorzeitigen Kohle-Ausstieg ermitteln lassen

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Weil Deutschland aus der Kohleverstromung aussteigen will, muss wohl auch  das Trianel-Kraftwerk vorzeitig vom Netz. Erstmals gibt es Zahlen, was das wirtschaftlich bedeutet.

  • Das Stadtwerke-Netz Trianel hat eine Beratungsgesellschaft beauftragt
  • Die liefert eindrucksvolle Zahlen zum wirtschaftlichen Schaden durch das vorzeitige Aschalten des Kraftwerks in Lünen
  • Trianel kristisiert die Ungleichbehanlung mit Braunkohlebetreibern

Durch den verordneten vorzeitigen Ausstieg aus der Kohleverstromung entsteht dem Betreiber des Steinkohlekraftwerks in Lünen (Grenze Waltrop), dem Stadtwerke-Netz Trianel, ein wirtschaftlicher Schaden von knapp 600 Millionen Euro. Das geht aus einer Berechnung der Beratungsgesellschaft Frontier Economics hervor, über die mehrere Fachmedien berichten. Trianel-Sprecherin Dr. Nadja Thomas bestätigte die Informationen uns gegenüber.  Das Kohleausstiegsgesetz der Bundesregierung sieht vor, dass Braunkohlekraftwerk spätestens 2038 abgeschaltet werden, Steinkohlekraftwerke hingegen sollen bereits bis 2033 stillgelegt werden. Zudem erfolgt die Abschaltung der Steinkohleblöcke laut Gesetz ab 2027 entschädigungslos. Frühe Stilllegung hätte Folgen für Kommunen Frontier Economics geht in seiner Berechnung davon aus, dass die Anlage im Jahr 2030 abgeschaltet werden wird – „weit vor dem geplanten betriebswirtschaftlichen Stilllegungsdatum 2053“. 

Zwei Rechnungen angestellt

Die Beratungsgesellschaft hat zwei Rechnungen angestellt: Die eine betrachtet den wirtschaftlichen Schaden auf Basis der entgangenen Deckungsbeiträge. Das heißt: Wie viel Geld kann das Kraftwerk auf der Basis des zu erwartenden Strompreises zwischen 2030 bis 2045 nicht mehr verdienen? Die Studie nennt eine Summe von 571 Millionen Euro. Wichtig dabei: Die Berater haben den wirtschaftlichen Schaden für das Kohlekraftwerk auf der Basis des von der Bundesregierung unterstellten Rahmens ermittelt. Wesentlich ist dabei die Annahme, dass das Ausbauziel der erneuerbarer Energien von 65 Prozent im Jahr 2030 erreicht wird, ausreichend Gaskraftwerke für die Versorgungssicherheit zur Verfügung stehen und Deutschland deutlich weniger Strom exportiert. Bei der zweiten Rechnung geht es um die Abschreibungen für das Kraftwerk, das mit Herstellungskosten von 1,4 Milliarden Euro in den Büchern steht. 

Investitionskosten noch nicht verdient

Die geplante Stilllegung der jungen Steinkohlekraftwerke fällt in einen Zeitraum, in dem junge Kraftwerke ihre Investitionskosten noch nicht zurückverdienen konnten und von dem erwarteten steigenden Strompreisniveau in den 2030er-Jahren ausgeschlossen werden. Bei einer Stilllegung im Jahr 2030 wäre eine Abschreibung in Höhe von 805 Mio. Euro für „die dann gerade mal 17 Jahre alte Anlage verbunden“, heißt es. Das Kraftwerk Lünen ist im Besitz von knapp 30 kommunalen Energieversorgern. Die Stilllegung würde sie finanziell hart treffen. Dem hohen wirtschaftlichen Schaden, der jungen Steinkohlekraftwerken entsteht, werde der Entwurf des Kohleausstiegsgesetzes nicht gerecht, kritisiert daher Frontier Economics. Gerade Kraftwerken mit hoher Effizienz und hoher technisch-ökonomischen Restlebensdauer, die noch viel Geld verdienen könnten und müssten, werde keine Entschädigung gezahlt. „Hier entsteht eine Ungleichbehandlung gegenüber den Entschädigungslösungen, die für die Braunkohle gefunden werden konnten.“

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