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Kimberly Urban (24) hat in Waltrop die Öffentlichkeitsarbeit für die Zeugen Jehovas übernommen.

Predigtdienst und Ablehnung

Kimberly Urban: Eine Zeugin Jehovas spricht über ihre Erfahrungen

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Kimberly Urban übernimmt die Öffentlichkeitsarbeit der Zeugen Jehovas in Waltrop. Von Predigtdienst, immerwährendem Sekten-Vergleich und dem festen Glauben an Gott.

Den Ruf, eine Sekte zu sein, haben die Zeugen Jehovas bei vielen Menschen weg. Und obwohl auch Nordrhein-Westfalen als letztes aller Bundesländer die Glaubensgemeinschaft Anfang 2017 ganz offiziell als Körperschaft öffentlichen Rechts anerkannt hat, überwiegt trotzdem oft die Skepsis. Kimberly Urban kennt die Vorbehalte und Vorurteile natürlich. Und obwohl sie es nicht immer leicht hat als Verkünderin, die selbst regelmäßig für den Predigtdienst von Haustür zu Haustür zieht, so ist sie doch fest von ihrem Glauben überzeugt. „Gott hat uns eine schöne Zukunft versprochen“, sagt die Waltroperin. Seit Kurzem hat sie die Öffentlichkeitsarbeit bei den Zeugen Jehovas übernommen. 

Leben nach den Werten der 10 Gebote

Mit 65 Verkündern – so nennen sich die normalen Gemeindemitglieder – ist die Waltroper Versammlung die kleinste im Ostvest. Datteln zählt etwa 100 Verkünder, Oer-Erkenschwick 110. „Das schwankt immer ein bisschen“, sagt Kimberly Urban. Dass die 24-Jährige streng gläubig ist und ihr Leben nach den Werten der zehn Gebote lebt, sieht man ihr auf den ersten Blick nicht an. Dass dies für eine junge, aufgeschlossene Frau durchaus ungewöhnlich ist – diese Feststellung bejaht sie im WZ-Gespräch mit einem Lächeln. „Aber das ist bei mir nun mal so“, sagt Kimberly Urban. Sie sei so aufgewachsen, ihre Eltern sind ebenfalls Zeugen Jehovas. „Mit 17 Jahren hab ich mich dann auch für die Zeugen Jehovas entschieden“, erzählt Kimberly Urban. „Eine bewusste Entscheidung“, wie sie sagt. Denn das zählt zu den Überzeugungen der Zeugen Jehovas: Jeder Mensch soll selbst entscheiden, welcher Religion oder Konfession er beitritt. Weil das ein Kleinkind eben noch nicht kann, wurde Kimberly Urban auch erst nach ihrer Entscheidung getauft.

Predigtdienst von Haustür zu Haustür

Was dazugehört, wenn man Zeuge Jehovas ist: der Predigtdienst. Entweder aktiv an der Haustür oder zurückhaltend an öffentlichen Orten. „Damit wollen wir den Leuten zeigen, dass die Bibel noch was wert ist“, sagt Kimberly. Natürlich: Es gibt auch schöne Erfahrungen, meist beim stillen Predigtdienst; wenn ihr fremde Menschen freundlich Hallo sagen oder ihr zuwinken. Mit der Zeit lerne man die Leute kennen, auch wenn längst nicht jeder sofort mit einem spricht. „Es gibt da zum Beispiel einen Rollerfahrer, der fährt ganz oft an mir vorbei und winkt immer. Ohne Helm würde ich ihn wahrscheinlich gar nicht erkennen“, sagt die 24-Jährige grinsend. Doch zur Wahrheit gehört auch: Neun von zehn Leuten sind ablehnend. „Es hat eben nicht jeder Interesse an Gott“, stellt Kimberly Urban fest. Wofür ihr dann aber das Verständnis fehlt: „Manche, die uns die Tür aufmachen, tragen ein Kreuz um den Hals, sagen aber, sie hätten mit der Bibel nichts zu tun…“

Nächster Termin am 14. Juli

Kimberly Urban hat etwas mit der Bibel zu tun – und steht auch dazu. Als neue Öffentlichkeitsbeauftragte kündigt sie direkt die nächste Veranstaltung der Zeugen Jehovas an. Am 14. Juli, 17 Uhr, gibt es einen Gastvortrag zum Thema „Widerstehe dem Geist der Welt“. Adresse: Ahsener Straße 13, Datteln

Kontroverse Ansichten:

• Zeugen Jehovas lehnen Bluttransfusionen ab. 

• Sie sehen die Bibel als Tatsachenbericht an. Wissenschaftlich belegte Lehrmeinungen lehnen sie ab. 

• Zeugen Jehovas nehmen nicht an politischen Aktivitäten wie Wahlen teil.

• Staatliche Organe betrachten sie als von Gott geduldet und mit Autorität ausgestattet. Sie halten sich allerdings nur an die Gesetze, die mit ihrem Bibelverständnis im Einklang stehen.

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