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Klima-Aktivisten haben einen Kohle-Kran des Kraftwerks besetzt. Sie kamen zunächst mit Kajaks, um Kohleschiffe zu blockieren.

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Trianel setzt keine kolumbianische Kohle ein - ein anderer Betreiber schon 

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Klima-Aktivisten  haben bei Trianel  gegen den Einsatz von kolumbianischer Kraftwerks-Kohle protestiert. Die wird dort aber gar nicht eingesetzt - in einem anderen Kraftwerk schon. 

Ursprünglich wollten die Aktivisten ihre Aktion am Uniper-Kraftwerk in Datteln durchziehen. Aber hier Kohleschiffe zu blockieren, ergibt derzeit mangels Schiffen wenig Sinn. 

An „Bettercoal“ beteiligt

Uniper-Sprecher Georg Oppermann verweist auf Anfrage darauf, dass der Konzern neben Kohle aus Kolumbien diesen Brennstoff auch aus anderen Herkunftsländern wie Russland, Südafrika und Australien beziehe. Welchen Anteil kolumbianische Kohle künftig bei der Verbrennung in Datteln 4 haben werde, lasse sich nicht genau beziffern. Die Mischung sei auch abhängig von der Art der im Kraftwerk verwendeten Turbine. Oppermann verweist darauf, dass schon Uniper-Vorgänger E.ON vor etlichen Jahren zusammen mit anderen Konzernen die Initiative „Bettercoal“ gegründet habe. Ziel sei es, in den Kohle-Herkunftsländern für Abbaustandards zu sorgen, die akzeptabel seien und die sich von Jahr zu Jahr verbessern sollen. Wohlwissend, dass sich dort europäische Standards nicht realisieren ließen. Umweltverbände dagegen sehen in „Bettercoal“ lediglich ein Feigenblatt für die Konzerne, das zu deren Imageverbesserung diene.

Was wir ursprünglich berichteten:

Klima-Aktivisten des Bündnisses "deCOALonize Europe" haben am Freitag das Lüner Trianel-Steinkohlekraftwerk an der Stadtgrenze zu Waltrop ins Visier genommen. Mit Kajaks haben sie zunächst versucht, Kohleschiffe daran zu hindern, den Hafen des Kraftwerks anzufahren. Große Banner machten darauf aufmerksam, worum es den Aktivisten geht: Sie wollen erreichen, dass Deutschland keine Steinkohle mehr aus Kolumbien, Russland und den USA importiert.

Es geht um "Blutkohle"

Insbesondere wollen die Aktivisten auf die Abbaubedingungen der Steinkohle - sogenannte Blutkohle - aufmerksam machen und darauf, was die Einheimischen oft riskieren bei ihren Bemühungen, sich gegen den Abbau zur Wehr zu setzen. "Wir denken es ist an der Zeit, uns dem Widerstand anzuschließen und uns mit den Menschen zu solidarisieren", sagt Karolina Drzewo vom Bündnis "deCOALonize Europe" im Gespräch mit unserer Redaktion.

Klima-Aktivisten haben einen Kohle-Kran des Kraftwerks besetzt. Sie kamen zunächst mit Kajaks, um Kohleschiffe zu blockieren.

Mit Kajaks Kohleschiffe blockiert

Während die Aktivisten mit ihren Kajaks effektiv kein Schiff daran hindern konnten, das Kraftwerk anzulaufen, weil während der etwa vierstündigen Aktion keine Steinkohlelieferung kam, besetzten zeitgleich mehrere Aktivisten einen Kohle-Kran des Kraftwerks. Zur Stunde seien noch immer vier Aktivisten auf dem Kran, sagt Karolina Drzewo gegen 20 Uhr. Auch die Polizei ist vor Ort, die Situation soll friedlich sein.

Ein neues Bündnis

"deCOALonize Europe" ist ein neu gegründetes Bündnis von Gruppen der Klimagerechtigkeitsbewegung, der Lateinamerika- und Russlandsolidarität und Initiativen gegen Kohle aus Deutschland, den Niederlanden und Großbritannien. Sie haben sich zusammengeschlossen, um für den sofortigen Kohleausstieg und für Klimagerechtigkeit zu kämpfen. Neben der Aktion in Waltrop fanden Proteste in Hamburg und Salzgitter statt.

Beinahe wäre Waltrop sogar Standort eines Atomkraftwerkes geworden. Das wurde am Ende knapp verhindert.

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