Immer häufiger geraten Normalbürger in die Schuldenfalle.
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Wenn die Geldsorgen drücken, helfen die Schuldnerberatungen im Ostvest weiter.

Hilfsangebote frühzeitig annehmen

Kurzarbeit und Jobverlust: Schuldnerberater erwarten künftig mehr Corona-Notfälle

  • Silvia Seimetz
    vonSilvia Seimetz
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Corona bringt viele Leute in die finanzielle Schieflage. Die Schuldnerberater in Waltrop und im Ostvest bereiten sich darauf vor. Eine unklare Gesetzeslage verschärft die Situation.

Aktuell weichen die Beratungszahlen in den Schuldnerberatungsstellen von Caritasverband Ostvest in Waltrop, AWO und Stadt Datteln sowie dem Deutschen Roten Kreuz in Oer-Erkenschwick nur wenig von den Vergleichswerten aus den Vorjahren ab. Die Beratungen auf Distanz, am Telefon und online haben sich eingespielt. „Mit den Folgen von Corona werde ich wohl ab nächstem Jahr häufiger konfrontiert“, sagt DRK-Schuldnerberater Stefan Arhelger: „Bisher hatte ich nur einen einzigen Fall, der mit Corona in Zusammenhang steht und den konnten wir in allen Punkten lösen, weil der Schuldner rechtzeitig Rat gesucht hat.“

Im Lockdown die Probleme angehen

Und das ist der Rat, den auch seine Kolleginnen Susanne Wiemann, Babette Lorig und Beate Bösken geben. Bislang haben 111 Personen um Rat und Hilfe bei der Schuldnerberatung von AWO und Stadt Datteln gesucht. Das sind 14 mehr als im Vorjahr. „Vielleicht haben einige die Lockdown-Zeiten genutzt, um ihr Leben noch einmal zu sortieren und dann beschlossen, das Problem mit ihren Schulden anzugehen“, versucht Babette Lorig den Anstieg zu erklären. Sie gehe aber davon aus, dass die Folgen der Pandemie im kommenden Jahr erkennbar werden. Daher appelliert das Team an die Bürger, sich frühzeitig um Hilfe zu bemühen.

Waltrop, Datteln oder Oer-Erkenschwick: Leute kommen zu spät

Denn Schuldnerberater kämpfen meistens mit dem gleichen Problem: Die Klienten kommen viel zu spät in die Beratungsstelle. Nicht wenige glauben, dass sie die finanziellen Probleme selbst in den Griff bekommen, türmen dabei aber immer mehr Schulden auf. „Wenn dann irgendwann der Gerichtsvollzieher vor der Tür steht, wird es schwieriger, die Schulden zu regulieren“, weiß der Oer-Erkenschwicker. Bei vielen Betroffenen sei auch die Schamgrenze sehr hoch, sich einem Schuldnerberater anzuvertrauen.

Gesetzgeber verzögert aktuell die Verbraucher-Insolvenzen

Eine Beobachtung, die Martin Evers vom Caritasverband Ostvest in Waltrop teilt. Dort ist er als Insolvenzberater tätig und beobachtet vor allem die aktuelle Entwicklung bei den Privatinsolvenzen sehr kritisch: „Es klingt wie eine Sensationsnachricht. Trotz Coronakrise und explodierender Armut sinkt die Menge der beantragten Verbraucherinsolvenzen auf den absoluten Nullpunkt“, stellt er fest. Das sei jedoch weder ein Wunder noch eine Folge von Arbeitsverweigerung der Berater sondern „das Ergebnis eines beispiellosen Hin und Her bei der Verkürzung von Insolvenzverfahren und der stockenden Verabschiedung der Gesetzesgrundlagen“.

Warten auf neue Regelung nicht nur in Waltrop

Die von der EU geforderte und grundsätzlich positiv zu bewertende Verkürzung der Laufzeit von jetzt sechs auf drei Jahren sei die Ursache. Die Bundesregierung schaffte es jedoch nicht, rechtzeitig ein neues Gesetz zu beschließen. Darum könne zum aktuellen Zeitpunkt keinem Hochverschuldeten geraten werden, ein Verbraucher-Insolvenzverfahren zu eröffnen. Aber: Wer Geldsorgen hat, sollte die Profis dennoch frühzeitig um Rat bitten. „Der Insolvenzantrag ist nur der letzte Schritt“, betont der Profi: „Die Beratungsstellen sind Dreh- und Angelpunkt für ratsuchende Menschen in finanzieller Schieflage.“ Und zwar nicht nur zu Zeiten der Corona-Pandemie.

Einen ausführlichen Bericht lesen Sie am Montag (16.11.) in der digitalen und gedruckten Ausgabe Ihrer Zeitung.

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