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In der jüngsten Sitzung des Stadtrats kam es zu einem "verbalen Vulkanausbruch".

Arbeitsklima in Politik und Verwaltung

Ein "Vulkanausbruch" im Ratssaal

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Waltrop - Was die Wahrnehmung des Klimas im Rathaus angeht, könnte die Kluft in den politischen Lagern kaum größer sein. Eine Aussage der CDU provozierte beim FDP-Vertreter Dr. Jens Jordan jüngst sogar einen „Vulkanausbruch“. Es war ein Satz aus der Haushaltsrede des CDU-Fraktionsvorsitzen Wilfried Vortmann, der Jordan reichlich erbost gestimmt hatte.

Am Ende maßregelte er Vortmann geradezu. Die Vorgeschichte: Vortmann lobte in seiner Rede die hervorragende Arbeit von Bürgermeisterin Nicole Moenikes (CDU) mehrfach in höchsten Tönen und tadelte das in seinen Augen oftmals diffamierende Vorgehen der Oppositions-Parteien. Und er verkündete Folgendes: „Es werden zum Beispiel Krankenstatistiken aus dem Rathaus herangezogen und gefolgert, dass das Arbeitsklima im Rathaus miserabel sei – und schuld am Krankenstand ist – natürlich – die Bürgermeisterin.“

Hausinterne Befragung

Und dann zitierte Vortmann aus einer Statistik, die – außer ihm – wohl kein anderer Fraktionär kannte: „Wenn dann jedoch im Jahre 2018 durch den Personalrat eine hausinterne Befragung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ergibt, dass 80 Prozent der Beschäftigten zufrieden oder sehr zufrieden mit ihrer Tätigkeit sind, wird diese Tatsache natürlich nicht erwähnt.“ Ein Satz, der durch die politischen Bänke für Stirnrunzeln sorgte. Jordan sprach dann aus, was viele seiner Nebenleute parteiübergreifend gut hörbar tuschelten: „Woher weiß Vortmann denn von einer 80-prozentigen Zufriedenheit der Mitarbeiter?“

"Aus freundschaftlichen Gesprächen erfahren"

Die Frage richtete Jordan an Bürgermeisterin Moenikes, die deren Beantwortung an Wilfried Vortmann weiterleitete. Er habe diese Zahl „von Bediensteten des Hauses als Bürger in freundschaftlichen Gesprächen erfahren“, erklärte Vortmann. Eine Antwort, die Jordan in Rage brachte. Er verwies darauf, dass das „ja wohl ein sehr ungewöhnliches Verfahren“ sei und dass „Zahlen aus privaten Gesprächen nicht offiziell eingebracht“ werden dürften. Dafür gab’s einige unterstützende „Tischklopfer“ aus Reihen des Stadtrates.

Angespanntes Klima

Diese Episode aus der jüngsten Ratssitzung ist freilich nur ein Indiz dafür, dass die Wahrnehmung des Arbeitsklimas, das in Politik und Verwaltung herrscht, mehr als angespannt ist. Tatsache ist indes, dass es tatsächlich eine externe Befragung der Rathaus-Mitarbeiter gab. Abgeschlossen wurde diese am 30. November, am Tag nach dem eingangs geschilderten Vorfall. Die Auswertung dieser belastbaren Mitarbeiter-Befragung erwartet die Stadtverwaltung spätestens Anfang 2019.

Hoher Krankenstand

Beleuchtet wurden unter anderem die Themen Arbeitszufriedenheit und Gesundheit. Hintergrund ist der auffällig hohe Krankenstand im Rathaus. So fehlten im Jahr 2015 laut Waltroper Aufbruch, der sich dem Thema intensiv widmete, jeder Bedienstete 36 Tage.

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