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Carina Siekirka, hier mit ihrer Gastfamilie und deren Nachbarn, wird in Ecuador immer wieder auf das Thema Religion angesprochen.

Auslandsjahr in Ecuador

Gespräche über Religion, Teufel und Geister

Waltrop - Carina Siekirka (19) aus Waltrop hält sich zurzeit in Ecuador auf, wo sie ein Auslandsjahr macht. Und immer wieder begegnet ihr im Gespräch mit den Ecuadorianern das Thema Religion. Nicht immer ist das einfach...

Religion ist ein sehr sensibles Thema für die Menschen in Ecuador. Ich kann das natürlich nicht verallgemeinern, jedoch ist die Mehrheit der Einwohner gläubig. Auch wenn den meisten bewusst ist, dass es unterschiedliche Weltanschauungen und Glaubensrichtungen gibt und sie diese akzeptieren, spürt man doch eine gewisse Überzeugung von seiner und Abneigung gegenüber anderen Meinungen.

Beliebtes Smalltalk-Thema

Ob im Supermarkt, beim Friseur oder im Taxi beinhaltet ein Smalltalk oft die Frage, ob ich an Gott glaube, wie das in meiner Familie ist, ob wir in die Kirche gehen. Ich bin allerdings nicht der Meinung, dass man in die Kirche gehen muss, um gläubig zu sein. Jedenfalls studieren meine Gasteltern die Bibel, indem sie regelmäßig Bibelstunden nehmen. Ich wurde gebeten teilzunehmen und bin mit zu einer Messe in die Kirche gegangen, obwohl ich wusste, dass mir das weder gefällt noch, dass ich deren Glaubensrichtung teile.

Eine Chance geben

Als ich schließlich erklärte, dass ich den Bibelstunden eine Chance gegeben hätte, aber nun nicht mehr teilnehmen möchte, gab es ein Gespräch mit meinen Gasteltern. Das Argument: Es wäre eine Frage des Respekts gegenüber der anderen Religion, ob man sich damit auseinandersetzt oder nicht, aber die Entscheidung überlassen sie mir.

Anfangs ungewohnt

Inzwischen nehmen wir das alle sehr locker und machen auch Späße darüber. Ich glaube, es war anfangs nur sehr ungewohnt für sie. Ich bin die erste Person mit einer anderen Glaubensrichtung und sie wussten nicht damit umzugehen. Noch dazu war es während den Bibelstunden sehr anstrengend, denn ich musste mich immer rechtfertigen, was mir auf Spanisch schwerfiel. Letztendlich sind meine Gasteltern davon überzeugt, dass jeder seinen Weg zu Gott findet, früher oder später.

Interessante Familientreffen

Carina Siekirka machte 2018 an der Gesamtschule ihr Abi, ist seit August im Auslandsjahr in Ecuador und schreibt regelmäßig von dort für die WZ.

Darüber hinaus kamen wir auf Homosexualität zu sprechen. Aus Sicht der Ecuadorianer ist es logisch: Wenn Gott die Welt und die Menschen erschaffen hat und somit das erste Menschenpaar Adam und Eva, dann verstößt Homosexualität gegen das Schema Mann und Frau und eben gegen den Willen Gottes. Zwar sind die Ecuadorianer offen für alles und respektieren im Prinzip jede sexuelle Orientierung, aber sie könnten nicht damit umgehen, wenn ihre Kinder selbst homosexuell wären. Auch die Vorstellung, dass zwei Männer ein Kind adoptieren, ist für sie absurd. Familientreffen sind übrigens immer sehr interessant, denn sie beinhalten viele Geschichten, die sie mit Gott, Geistern oder dem Teufel erlebt haben. Da kann ich nie mitreden, aber zuhören ist sowieso aufregender.

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