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Sie fahren so lange Auto, wie sie können: Hannelore Ulke (79, am Steuer), Henny Franzgrote (81, Beifahrerin) und Friedhelm Dreyer (79).

Autofahren mit Altersgrenze?

Mobil sein heißt unabhängig sein - ein hohes Gut

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Waltrop - Viele Senioren wollen das Autofahren im hohen Alter nicht aufgeben – gerade, wenn sie am Stadtrand wohnen. Doch wann ist der Punkt gekommen, an dem das Fahrzeug stehen bleiben sollte? Genau darüber haben wir mit drei Waltroper Senioren gesprochen.

Trotz ihrer 81 Jahre sitzt Henny Franzgrote noch regelmäßig hinter dem Steuer ihres Autos. „Ohne Auto müsste ich zu Fuß in die Stadt gehen und das schaffe ich nicht“, sagt die Waltroperin. Sie wohnt zwei Kilometer vom Raiffeisenplatz entfernt. Will sie zum Beispiel zu einer Veranstaltung in die Stadthalle oder etwas in der Innenstadt einkaufen, fährt die Seniorin dort hin. „Ich kann besser Autofahren als laufen“, sagt Henny Franzgrote.

Ohne ihren Führerschein wäre sie ein Stück weit vom sozialen Leben ausgeschlossen und darauf angewiesen, dass sie jemand abholt. Denn auch der Fußweg zur Bushaltestelle ist für die 81-Jährige beschwerlich. Sollten Senioren ihren Führerschein abgeben?

Senioren-Union lauscht Fahrlehrer-Vortrag

Mit der Bekanntgabe, dass alle Führerscheine bis 2033 auf EU-Format umgetauscht werden müssen, begann einmal mehr die Diskussion, ob Senioren ab einem bestimmten Alter ihren Führerschein abgeben sollten. Auch die Frage nach regelmäßigen Gesundheits-Checks oder Fahrsicherheitstrainings stellt sich. Zum Thema „Mobilität – keine Frage des Alters“ referierte am Montag der Waltroper Fahrlehrer Christoph Polarczyk bei der Senioren-Union im Hotel Kranefoer.

Bisher ist noch nichts in diese Richtung entschieden, doch die Waltroper Henny Franzgrote, Hannelore Ulke (79) und Friedhelm Dreyer (79) sind dagegen. Sie sagen: Wir wissen selbst, wann wir aufhören. „Wenn sich Menschen ihrem Alter entsprechend verhalten, fahren sie von alleine irgendwann nicht mehr mit dem Auto“, sagt Hannelore Ulke. Ihr Fahrzeug ist ungefähr 14 Jahre alt. „Wenn das Auto nicht mehr fährt, dann ist Schluss. Ich weiß, dass es in absehbarer Zeit passieren wird und muss mich einfach damit abfinden“, sagt sie. In Kürze wird sie 80 Jahre alt und denkt bereits über die Zeit nach, in der sie ihren grauen Lappen nur noch als Erinnerung aufbewahren wird.

„Ich bin schon immer vorsichtig gefahren und noch nie gerast“

„Das wird eine Umstellung. Es wird beschwerlicher, einkaufen zu gehen“, weiß sie. Radfahren kann sie aufgrund von leichten Gleichgewichtsproblemen nicht mehr. „Ich bin schon immer vorsichtig gefahren und noch nie gerast“, beteuert Hannelore Ulke. Erst im Alter von 29 Jahren habe sie ihren Führerschein gemacht. Eine Leidenschaft für das Autofahren hegt die Waltroperin nicht. Das habe nur praktische Gründe, berichtet sie. Nachts unterwegs zu sein und lange Strecken zu fahren ist nichts mehr für die Seniorin. Will sie zum Beispiel nach Dresden reisen, nimmt sie den Zug. Auch den Bus kann sie von ihrem Zuhause aus gut erreichen.

Ein Fahreignungstest für Senioren sage nicht viel aus, ist sie sich sicher. „Wenn eine gefährliche Situation kommt, dann kann bei einem jungen Menschen genauso was passieren wie bei einem alten.“ „Meine Kinder sind mit meinem Fahrstil bisher noch zufrieden“, erzählt Hannelore Ulke. Henny Franzgrote würde auf einen solchen Hinweis ihrer Kinder erstmal fragen: „Warum?“ „Es wäre schlimm, wenn es andere merken, aber ich nicht“, sagt sie und wirkt betroffen.

Der Gesundheitszustand spielt eine Rolle

Seit 1959 besitzt Friedhelm Dreyer seinen Führerschein. Für ihn steht fest: „Sicherheit im Straßenverkehr geht vor allem.“ Er würde sofort aufhören zu fahren, wenn er selber merke, dass es nicht mehr geht. „Mit meinem Augenlicht und dem Hören ist alles in Ordnung“, sagt er. Manchmal würden ältere Menschen Gas und Bremse verwechseln oder besonders meckerig werden: „Man darf nicht lieber Gott oder Schicksal spielen“, sagt Friedhelm Dreyer. Er sei stets ordnungsgemäß und fast nie zu schnell gefahren, berichtet er.

Gleichzeitig weiß er aber auch: Ohne Mobilität im Alter kann man fast nichts machen. Er genieße es, in seinem Alter noch flexibel sein zu können, denn ihm ist bewusst: Das kann ganz schnell vorbei sein. Zum Beispiel, wenn einen ein Schlaganfall ereilt oder man geistig einfach nicht mehr so recht da ist.

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