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Heute: Es sieht so aus, also wäre der alte Brücken-Torso ganz nah, aber da ist noch der Datteln-Hamm-Kanal dazwischen. Antonius Mertenskötter fragt sich derweil: Wer kümmert sich um die Sicherung und später um den Abriss der Relikte?

B474n-Irrsinn

Das Urteil verlangt den Abriss der Brücke, aber...

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Waltrop - 25 Jahre ist es her, dass ein Planungs-Anlauf für die B 474n vor Gericht scheiterte. Aber der Torso der Brücke, die man damals für die Trasse gebraucht hätte, steht bis heute. Tatsächlich verlangt das damalige Urteil jedoch einen Abriss, wäre da nicht die deutsche Bürokratie...

Als Antonius Mertenskötter vor einiger Zeit mit Gästen aus Süddeutschland am Datteln-Hamm-Kanal im Bereich der Münsterstraße unterwegs war, wurde er gefragt: Was hat es denn mit dem eher hässlichen Brücken-Torso beiderseits des Wasserwegs auf sich, das die ansonsten idyllische Landschaft doch ziemlich verschandelt?

Verhandelt wurde seit den 1970er Jahren

Mertenskötter erinnerte sich: Das sind Reste eines gescheiterten Planungsanlaufs für die B 474n. Und beim näheren Studium alter Unterlagen stellte er fest: Es ist fast auf den Tag genau 25 Jahre her, dass das Oberverwaltungsgericht Münster wegen Abwägungsfehlern die damals geplante Trasse scheitern ließ. Damit endete ein Projekt, über das seit den 1970er-Jahren verhandelt wurde. Und zwar „krachend“, wie Mertenskötter, erklärter Gegner der B 474n in ihren verschiedenen Plan-Varianten, ergänzt.

Am 19. Januar 1994 hatte das Gericht das Urteil gefällt. Der Bau der Brücke wurde anschließend sofort eingestellt. Wenige Tage später hätte die eigentliche Überquerung eingeschwenkt werden sollen. So ist es nachzulesen im „Planfeststellungsbeschluss zur Aufhebung des Planfeststellungsbeschlusses“ (so heißt das tatsächlich) des Landeswirtschaftsministeriums NRW vom 1. Dezember 1995. Wer ist für die Sicherheit zuständig?

Müssten die Brückenköpfe nicht längst abgebaut werden?

Und jetzt stehen die Brückenköpfe da seit einem Vierteljahrhundert in der Landschaft. Mertenskötter fragt sich: Müssten die nicht längst abgebaut werden? Von wem? Und wer ist einstweilen für die Sicherheit zuständig? Moniereisen stehen an der Brückenkante ab, und wer von dort in die Tiefe fällt, überlebt das wahrscheinlich nicht. Und der Wall, der für die Trasse aufgeschüttet worden war – auch der müsse eigentlich wieder zurückgebaut, das Gelände in den Ursprungszustand versetzt werden, sagt Antonius Mertenskötter.

Rainer Bömmelburg ist bei Straßen.NRW in Bochum, dem Rechtsnachfolger des damaligen Straßenneubauamtes Recklinghausen, für Bauwerksprüfungen zuständig. Er stellt zunächst einmal klar: Die Brückenköpfe zu betreten, sei illegal. Nicht umsonst gebe es ja Zäune drum herum, und zufällig gelange auch niemand dorthin.

Gefährliche Kante

In der Tat: Man muss schon einen einigermaßen steilen Hang hinaufkraxeln oder durchs Unterholz stapfen, um an die Stelle zu kommen, von der aus man auf den Brücken-Torso laufen kann. Dort allerdings ist eine große Lücke im Zaun. Die, versichert Bömmelburg nun, werde er von der Straßenmeisterei umgehend schließen lassen, damit niemand mehr an die gefährliche Kante gelangt. Dem Vernehmen nach ist es nicht das erste Mal, dass man da tätig werden muss.

Was nun aber die viel weitergehende Frage angeht, wie es mit einem Abriss aussieht: Dazu sagt Bömmelburg, er hätte die Brücken-Reste schon längst gerne abgerissen, doch das dürfe er einstweilen noch nicht. Denn erst müsse die aktuell geplante Trassenführung für die B 474n hundertprozentig amtlich werden. Erst dann nämlich sei sicher auszuschließen, dass der Brücken-Torso nicht doch noch für die Straße gebraucht wird. Freilich räumt auch Bömmelburg ein: Dass dieser Fall eintritt, sei nun wirklich denkbar unwahrscheinlich. Aber so sei das nun einmal.

Zurzeit werden die rund 400 Einwendungen von Bürgern gegen die aktuell geplante Trassenführung des Waltroper Teilstücks geprüft.

Aber was wurde seinerzeit bezüglich eines Abrisses festgelegt?

Beim Blick in den Aufhebungs-Beschluss von Dezember 1995 findet man unter Punkt 2, „Auflagen“, folgenden Passus: „Die Straßenbauverwaltung ist verpflichtet, den früheren Zustand in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht wiederherzustellen oder eine andere geeignete Maßnahme zu ergreifen, soweit dies zum Wohle der Allgemeinheit oder zur Vermeidung nachteiliger Wirkungen auf Rechte anderer erforderlich ist.“ Wie das wohl zu interpretieren ist?

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