Bundespolizei durchsucht Wohnung

Terror-Verdächtiger soll in Waltrop Zuflucht gehabt haben

Waltrop - Die Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf hat am Samstag eine Wohnung an der Dortmunder Straße durchsucht. Ein potenzielles Mitglied einer IS-Zelle soll hier Unterschlupf gehabt haben. Der Verdacht gegen den Mann wiegt schwer: Es geht um die "Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat“.

Gegen 11.30 Uhr fuhren die ersten zwei Zivil-Fahrzeuge der Bundespolizei mit Düsseldorfer Kennzeichen vor, kurz darauf folgten zwei Streifenwagen der Kreis-Polizeibehörde Recklinghausen, die in Amtshilfe tätig wurden. Die Beamten gingen in ein Mehrfamilienhaus, in dem sie sich dann über Stunden mehr oder weniger geräuschlos aufhielten.

Was zunächst unspektakulär aussah, ist in Wahrheit hochgradig brisant. Der Einsatz war einer von mehreren, die zeitgleich in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg stattfanden. Es geht um Durchsuchungen mit insgesamt elf vorläufigen Festnahmen „wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat“, wie die Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf, bei der die Zentralstelle Terrorismusverfolgung Nordrhein-Westfalen angesiedelt ist, mitteilt.

Sechsköpfige Gruppe im Visier der Ermittler

Im Detail geht es um ein Ermittlungsverfahren gegen eine Gruppe von mindestens sechs Personen, die verdächtigt werden, eben jene schweren Gewalttat vorzubereiten sowie sich „zum Mord und Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion“ verabredet zu haben. Den Mitgliedern der Gruppierung wirft die Staatsanwaltschaft vor, „entweder als Zelle der terroristischen Vereinigung des so genannten ,Islamischen Staates’ (IS) oder als Befürworter der Ziele dieser Organisation sich Waffen und/oder Sprengstoff verschafft zu haben, um damit in der Zukunft einen noch nicht konkret geplanten Anschlag auf dem Gebiet der Bundesrepublik zu begehen“.

Zurück nach Waltrop: Laut Oberstaatsanwalt Dr. Daniel Vollmert ging es bei der Wohnungs-Durchsuchung an der Dortmunder Straße um einen Verdächtigen, der nahezu zeitgleich in Castrop-Rauxel angetroffen und vorläufig festgenommen wurde. „Die Wohnung in Waltrop wurde durchsucht, weil die betreffende Person mehrere Stellen hat, wo sie sich aufhält“, sagt der Oberstaatsanwalt am Sonntag. Weil man nicht genau wusste, ob sich der Verdächtige zur Stunde in Castrop-Rauxel oder eben in Waltrop aufhielt, sei man zeitgleich an beiden Orten vorgegangen.

Verschleierte Frau ist keine Beschuldigte

Zwischenzeitlich wurde die verschleierte Bewohnerin der Wohnung in einen Streifenwagen gebracht und weggefahren. Oberstaatsanwalt Dr. Daniel Vollmert betont, dass die Frau keine Beschuldigte sei und nicht festgenommen wurde. Dem Vernehmen nach ist es in der Regel so, dass die Beamten ohne die Bewohner Wohnungen durchsuchen.

Ob bei der Durchsuchung verdächtige Gegenstände oder andere Beweise gefunden wurden, die den Verdacht der Staatsanwaltschaft erhärten, dazu machte der Oberstaatsanwalt noch keine Angaben. Zunächst müsse man jetzt alles auswerten.

Ausschließen konnte die Staatsanwaltschaft aber, dass Waffen oder Sprengstoffe gefunden wurden. Das gilt für die Durchsuchung in Waltrop, aber auch für alle anderen Aktionen in den Städten Düsseldorf, Essen, Wuppertal, Ulm, Duisburg, Mönchengladbach, Castrop-Rauxel, Dülmen, Selfkant, Lotte und Leichlingen. Weil sich bei den Maßnahmen „entgegen der Verdachtslage“ eben „keine Hinweise auf Waffen oder Sprengstoff“ ergeben hätten, seien die elf vorläufig festgenommenen Personen – alle männlich, zwischen 22 und 35 Jahre alt und überwiegend tadschikischer Nationalität – wieder aus dem Polizeigewahrsam entlassen worden.

Ein Auslöser war Kamikaze-Fahrt in Essen

Ein Auslöser für die konzertierte Aktion am Samstag war laut Staatsanwaltschaft Düsseldorf „der gemeingefährliche Einsatz eines Kraftfahrzeuges durch einen ebenfalls tadschikischen Staatsangehörigen in der Essener Innenstadt am Freitagvormittag“. Zunächst habe man eine Verbindung nicht ausschließen können. Inzwischen, so die Ermittler, stehe aber fest, dass es keinen Zusammenhang gab.

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