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Der Creativ-Laden am Marktplatz schließt.

Creativ-Laden schließt

Die Sache mit der Tischkultur

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WALTROP - Nach über 30 Jahren in Waltrop macht der Creativ-Laden am Marktplatz Schluss. In Rente geht Inhaber Klaus Schäfer nicht ganz freiwillig.

er noch nicht ans Aufhören gedacht, sagt Klaus Schäfer. Im Gegenteil. „Wir haben sogar noch neue Ware geordert. Das dauert ja seine Zeit, bis die aus Fernost eintrifft“, erzählt der 73-Jährige, der selbst nie im Verkauf, sondern stets hinter den Ladenkulissen gewirbelt hat. Na klar, eigentlich ist Schäfer längst im Renten-Alter. Gleiches gilt für seine Ehefrau. „Aber wir haben den Laden nie als Last oder Arbeit empfunden, wir haben ihn immer gerne gemacht.“ Und dennoch zwingen den Geschäftsmann die Umstände dazu, den alt-eingesessenen Deko- und Haushaltswarenladen zu schließen. Die Zeiten, sie haben sich geändert. „Es gibt keine Tischkultur mehr“, stellt Klaus Schäfer fest. Und das meint er überhaupt nicht negativ. „Aber früher haben wir zum Beispiel Leonardo noch und nöcher verkauft.“ Weingläser, Sektgläser, Schalen – alles musste in ausreichenden Mengen auf Vorrat da sein, die Nachfrage war groß. „Das ist heute nicht mehr so“, erzählt Schäfer. Es ist eben eine Frage der Tischkultur, der Zeit. „Wer kauft denn heute noch die bunten Joy-Gläser? Oder Diddl-Sachen?“ All das seien Dinge, die früher quasi Selbstläufer waren. Das ist heute, wo große Haushaltswaren-Discounter günstige Waren im Überfluss anbieten, anders. Und die Konkurrenz durch Kodi oder Tedi sei auch in Waltrop mächtig, sagt Schäfer.

Immer weniger Kunden

So haben den Creativ-Laden – obwohl in bester Innenstadt-Lage gelegen – in den vergangenen Jahren immer weniger Kunden aufgesucht. Die Miete, die Schäfer früher gezahlt hat, habe er schon lange nicht mehr zahlen können. Die Einnahmen ließen es nicht zu. „Hier ist uns unser Vermieter, die Familie Borghaus, immer entgegengekommen“, betont Klaus Schäfer. Sonst wäre wohl schon früher Schluss gewesen. Dass die Kunden ausblieben, ist seiner Meinung nach auch der Entwicklung Waltrops geschuldet. „Man muss ja nur nach draußen schauen. Der Ort veraltert doch immer mehr“, findet Klaus Schäfer. Auch das – und darauf legt der 73-Jährige wert – sei nicht böse gemeint; allerdings eine Feststellung aus Erfahrung. „Unsere Kunden sind 50 plus – und das sind schon die jungen.“

"Mode lief gar nicht schlecht"

Um neue, jüngere Kunden in den Laden zu locken, hat Schäfer seit dem Ende des Waltroper Traditions-Bekleiders Sebbel Ende 2014 auch in Mode und Fashion gemacht. „Das lief auch gar nicht schlecht“, stellt der 73-Jährige fest. Ebenso Messestände auf dem Dortmunder Herbst oder der Creativa hat Schäfer, der eine weitere Creativ-Filiale in Werne betreibt, seit Jahrzehnten mitgemacht. „Dieses Jahr sind wir das erste Mal nicht mehr beim Dortmunder Herbst dabei“, sagt Klaus Schäfer, der jüngst eine beunruhigende Diagnose von seinem Arzt erhielt. Das ist auch der zweite Grund, warum er nun endgültig den Creativ-Laden schließt. „Ich weiß nicht, wie es mir nächstes Jahr geht.“ Die Filiale in Werne wird seine Tochter weiterführen. Mit dem Ende des Geschäftslokals an der Isbruchstraße muss Klaus Schäfer auch seine sechs Mitarbeiterinnen in Waltrop entlassen.

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