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Marcos Pereira und Christiane Rothvoss berichten am 13. Dezember auf Einladung der VHS in Waltrop über Brasilien.

Deutsch-Brasilianer berichten

"Koffer packen und weg"

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Waltrop - Ihr Herz schlägt in Brasilien, und doch fühlen sich Christiane Rothvoss (65) und Marcos Pereira (60) zurzeit in Deutschland sicherer. „Sie“ ist Deutsche, „Er“ Brasilianer, und sie haben bislang abwechselnd in Deutschland und in Brasilien gelebt. Aber vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse kehrten sie jetzt nach Deutschland zurück - und sind auch zu Gast in Waltrop.

Denn Christiane Rothvoss und Marcos Pereira halten am Donnerstag, 13. Dezember, um 19.30 Uhr im Haus der Bildung und Kultur (VHS), Ziegeleistraße 14, einen Beamer-Vortrag unter der Überschrift „Brasilien – Ist die Demokratie am Ende? Droht ein tropischer Faschismus unter Bolsonaro?“

Unterstützung für Schulen in Armenvierteln

Jener Jair Bolsonaro, der für seine rassistischen, frauen- und schwulenfeindlichen Aussagen bekannt ist, gewann am 28. Oktober die Präsidentschaftswahl. Da hieß es für die beiden nur noch: „Koffer packen und weg“. Viele in Waltrop kennen die beiden noch. Die Lehrerin Christiane Rothvoss reiste 1986 erstmals nach Brasilien, und bei ihrer Rückkehr organisierte sie von hier aus Unterstützung für Schulen in Armenvierteln in Recife.

Umweltarbeit

Gemeinsam mit ihrem Mann, dem Brasilianer Marcos Pereira, blieb sie viele Jahre in Brasilien; die beiden engagierten sich unter anderem für Umweltarbeit. Marcos Pereira ist studierter Buchhalter, übernahm aber auch andere Aufgaben, hatte unter anderem eine hohe Position in der Gewerkschaft und half der Arbeiterpartei. Nicht zuletzt deswegen wurden in den letzten Monaten ihre Sorgen immer größer. Sie erlebten einen Wahlkampf, in dem der Präsidentschafts-Kandidat Bolsonaro mit Hassparolen nur so um sich schlug.

Keine unabhängige Presse mehr

„Wir haben mittlerweile keine unabhängige Presse mehr, die die große Mehrheit der Menschen erreicht“, sagt Pereira. Er und seine Frau fürchten, dass auch bald die Justiz nicht mehr funktioniert – vielmehr: nur noch nach Bolsonaros Willen funktioniert. „Jeder der denken kann, ist in Gefahr“, erzählen sie.

"Sehen keine Strategie"

Nun sind die beiden in Deutschland, planen im Januar nach Waltrop zu ziehen.„Wir sehen zurzeit keine mögliche Strategie, in Brasilien helfen zu können“, sagt Christiane Rothvoss. Lieber wollten sie versuchen, von hier aus aktiv zu werden.

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