+
Ein Ausschnitt aus der Waltroper Zeitung vom 14. Februar 1972.

Der Dicke Dören sorgte schon mal für Proteste

"Von Castrop-Rauxel und Datteln weht schon genug Gestank herüber!“

  • schließen

Waltrop - Es gibt alte Zitate, bei denen man heute noch mit den Ohren schlackert. Der ehemalige WZ-Lokalredakteur Gerd Pflug hat am 14. Februar 1972 einen Bericht zu einem Thema verfasst, das heute wieder sehr aktuell ist. Es ging um das Gelände zwischen Waltrop und Mengede, das heute als "Dicker Dören" und mögliche neue Heimat des Fahrzeugbauers Langendorf bekannt ist. Damals sollte dort schon einmal gebaut werden - und zwar eine Groß-Müllanlage.

Der „Dicke Dören“ soll bekanntlich nach dem Willen der Stadt Waltrop Industriegebiet und neuer Standort des Fahrzeugbauers Langendorf werden. Anwohner jenseits der Stadtgrenze auf Dortmunder Gebiet wollen das nicht und wehren sich dagegen. Der Mengeder Klaus Neuvians gehört zum Redaktionsteam des Internet-Stadtbezirks-Portals „Mengede Intakt“. Er erinnert daran, dass das Areal zwischen den beiden Städten vor fast 50 Jahren schon einmal im Fokus stand. Damals ging es um die Ansiedlung einer Groß-Müllanlage für das gesamte Ruhrgebiet.

Eine umfangreiche Pressedokumentation

Neuvians war dabei, als die Mengeder mithilfe einer Unterschriftenaktion gegen die Pläne zu Felde zogen. 4500 Unterschriften wurden am 28.2.1972 dem damaligen Dortmunder Oberbürgermeister Heinrich Sondermann zusammen mit einer umfangreichen Pressedokumentation übergeben. „Damals stellte man sich noch bei Wind und Wetter auf den Marktplatz, um den Leuten persönlich seine Argumente zu erläutern“, sagt Neuvians im Gespräch mit unserer Zeitung. Heute macht man Online-Petitionen.“ Eine solche läuft, wie berichtet, auch gegen die aktuellen „Dicker Dören“-Pläne.

Mit dem Megafon auf dem Mengeder Markt

Auf der Seite „Stadt und Amt Waltrop“ schrieb der damalige WZ-Lokalredakteur Gerd Pflug am 14. Februar 1972 einen Bericht zu dem Thema. Fast 3 000 Unterschriften waren zu diesem Zeitpunkt bereits zusammengekommen, ein Foto dokumentiert, wie per Megafon auf dem Mengeder Marktplatz auf die Aktion aufmerksam gemacht wurde.

Pflug berichtet von einer bevorstehenden Ratssitzung in Dortmund, bei der auf CDU-Antrag „Klarheit über die Abfallbeseitigung“ geschaffen werden sollte. Bis dahin sollten die Unterschriften gesammelt werden. Redakteur Pflug zitiert aus dem Flugblatt: „Sieht so Umweltschutz aus? Wir Mengeder sind dagegen. Denn ein attraktives Nebenzentrum darf keine Misthaufen vor der Tür haben.“ Belästigungen gebe es schon genug. Zum Beispiel die vorhandene Kippe, die Autobahn, den „Industriemief“ aus der Nachbarschaft. Zum Schluss der Appell: „Machen Sie von Ihrem demokratischen Recht Gebrauch. Lassen Sie die Stinkbombe platzen. Es gibt heute bessere Möglichkeiten, mit dem Zivilisationsabfall fertig zu werden!“.

Umsiedlung war angedacht

Und was taten die Waltroper? „Die Stadt Waltrop hat sich bisher offiziell zu der geplanten Mülldeponie in Leveringhausen noch nicht geäußert“, schreibt Gerd Pflug. „Zwar wohnen nur einige Landwirte und Bürger im Einzugsbereich der geplanten Anlage – die dann vermutlich umgesiedelt werden – doch wenn sich der Wind einmal dreht, kann auch in die Waltroper Innenstadt und vor allem in der Klöcknersiedlung ein wenig angenehmes Lüftchen wehen.“ Am Ende schreibt Pflug seine Meinung: „Die Waltroper sollten deshalb ebenfalls die Mengeder Aktion unterstützen und dafür sorgen, dass der Misthaufen des Ruhrgebiets eine andere Bleibe findet. Von Castrop-Rauxel und Datteln weht schon genug Gestank herüber!“

1200 Lastwagen und 160 Tonnen Müll

Und die Sorge schien keineswegs unbegründet: Die Pläne des Siedlungsverbands Ruhr (SVR) hätten bedeutet, dass täglich etwa 1200 Lastwagen rund 160 Tonnen Müll abgeladen worden wären. Klaus Neuvians war damals bei den Jusos und erinnert sich, dass der Widerstand in der SPD- Jugend nicht jedem in der Partei gefiel. Am Ende sei die Sache „im Sande verlaufen“, sagt er. Ganz genau kann er nicht mehr rekapitulieren, wie es weiterging, aber fest steht: Die Müllanlage kam nicht, es wurde auch niemand umgesiedelt.

Auf Waltroper Seite ist die Geschichte mit der Müllanlage offenbar in Vergessenheit geraten. Heimatvereins-Vorsitzender Norbert Frey, sonst in allen stadtgeschichtlichen Themen bestens im Bilde, muss bei diesem Thema passen. Und auch SPD-Urgestein Walter Stach kann sich daran nicht erinnern – wohl aber daran, dass es später unter seiner Mitwirkung und mit Unterstützung der Mengeder Versuche gab, das Gelände als Freizeit-Areal zu entwickeln. Stach war damals wohl gerade SPD-Fraktionsvorsitzender in Waltrop. Aber auch aus diesen Plänen wurde am Ende nichts.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Meistgelesen

Chemiepark Marl: Hier wird der "intelligente" Kunststoff der Zukunft produziert
Chemiepark Marl: Hier wird der "intelligente" Kunststoff der Zukunft produziert
Gewalt in der Kreisliga: GW Erkenschwick will Zeichen setzen
Gewalt in der Kreisliga: GW Erkenschwick will Zeichen setzen
15-monatige Baustelle in Herten-Süd beginnt mit einer Vollsperrung
15-monatige Baustelle in Herten-Süd beginnt mit einer Vollsperrung
Bahnhof Sinsen nach Sperrung wieder für den Verkehr freigegeben - Frau geriet unter Zug
Bahnhof Sinsen nach Sperrung wieder für den Verkehr freigegeben - Frau geriet unter Zug
Hohlraum tut sich auf unter der Dortmunder Straße - Ursache unbekannt
Hohlraum tut sich auf unter der Dortmunder Straße - Ursache unbekannt

Kommentare