Ehemaliger Stadtcafé-Betreiber

Rassismus-Vorwurf: Serdal Tokalak meldet sich zu Wort

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Waltrop - Wenig bis gar kein Verständnis hat Serdal Tokalak, ehemaliger Betreiber des Stadtcafés, für die jüngsten Äußerungen seiner gastronomischen Nachfolgerin Leyla Yücka, die ihre Café-Bar Eins A schließen musste. Yücka sagte unter anderem, dass es fremde Menschen in Waltrop schwer hätten und auch, dass es immer wieder Anfeindungen gegen ihre türkischen Wurzeln gegeben habe.

„Rassismus und Spaltung als Joker zu nehmen, finde ich absurd“, kontert nun Serdal Tokalak, der heute in Istanbul lebt. Die Türkei ist sein Heimatland, gelebt hat Serdal Tokalak aber fast sein ganzes Leben in Deutschland, in Waltrop. „Im Oktober 1976 sind wir aus Görele hergekommen“, erzählt er. Noch heute wohnen dort drei seiner Brüder, seine Schwester und unzählige Freunde. Über die Online-Ausgabe unserer Zeitung verfolgt der 44-Jährige auch aus Istanbul noch immer, was in seiner einstigen Wahl-Heimat vor sich geht. Und die jüngsten Geschehnisse findet er gar nicht gut.

"Waltrop ist bunt"

„Ich habe hier immer schöne Erfahrungen gemacht, so wie viele andere türkische Mitbürger auch. Waltrop ist bunt – dafür bin ich dankbar!“, sagt Serdal Tokalak und versichert: Rassismus habe er „nie gespürt“. Dass das Café an der Lehmstraße, in Sichtweite zu Matratzen Concord und Schuh Röttger, kein einfaches Objekt ist, das unterschreibe er zwar. „Es gibt hier Parkprobleme und es liegt leicht außerhalb“, begründet Tokalak. Dass aber der Vermieter der Räumlichkeiten, Hans Hanisch, wie von Leyla Yücka dargestellt, nicht hilfsbereit sei, das sieht der Vollblut-Gastronom anders. „Sogar bei der Pacht kam mir Herr Hanisch jedes Mal entgegen.“

Aufgabe fiel ihm schwer

Was am Ende für das Aus seines Stadtcafés gesorgt hat, war das Nachmittagsgeschäft, wie Tokalak schon im Oktober 2016 im Gespräch mit unserer Zeitung sagte. Morgens und mittags lief der Betrieb gut – doch unterm Strich blieb zu wenig übrig. Die Aufgabe seines Cafés, sie fiel dem herzlichen Gastgeber sehr schwer. Mindestens genauso schwer wie der Schritt, Waltrop gen Istanbul zu verlassen.

Am Anfang war's nicht leicht

Heute hat sich Serdal Tokalak in seiner neuen Heimat eingelebt, wenngleich die Anfangszeit nicht ganz leicht war. Die meiste Zeit verbringt er inzwischen mit seiner Mutter und mit Ehefrau Semra. Letztere hatte stets den beinahe legendären Kuchen im Stadtcafé gebacken. Und auch beruflich geht es wieder bergauf für Serdal Tokalak. Seit Mai letzten Jahres arbeitet er im Radisson-Blu- Hotel – ein Fünf-Sterne Haus. An den Samstagen betreut er ehrenamtlich junge Leute in einem Jugendzentrum. „Ich habe hier auch einige deutsche Studenten kennengelernt“, berichtet Tokalak. Es sei nicht immer leicht, aber er versuche, mit allem gut klarzukommen.

Botschaft an die Landsleute

Auch deshalb richtet er eine Botschaft an diejenigen seiner Landsleute, die „Deutschland als Rassistenland sehen. Wer das findet, der muss eben zurück in die Türkei gehen – und nicht nur, um Urlaub zu machen“, findet Tokalak. Istanbul sei zwar eine wunderschöne Stadt und jeden Besuch wert. Um das deutsche Niveau zu erreichen, fehle jedoch noch einiges.

Beide Ländern sind Heimat

Ob Serdal Tokalak noch einmal zurück kommt nach Waltrop? „Ich weiß es nicht“, sagt er. Beide Länder seien für ihn seine Heimat. „Deshalb lebe ich da, wo ich mein Brot verdienen kann.“ Vorerst ist das eben die Türkei. „Aber Urlaub mache ich am liebsten in Waltrop!“ Das nächste Mal für einen Tag im September...

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