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Für Helmtraud Schröder – hier mit dem Schuh von Embolo – spielt der Fußball-Bundesligist nicht nur zu Weihnachten eine große Rolle.

Eine besondere Liebe zu Schalke 04

Von Embolos Schuh und Schicksalsschlägen

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Waltrop - Bundesliga-Fußball – oberflächlicher Kommerz-Zirkus, bei dem es nur um Geld geht? Anja und Helmtraud Schröder können eine andere Geschichte erzählen. Es ist eine Geschichte von Liebe zwischen Tochter und Mutter in schicksalsschweren Zeiten und von ihrer gemeinsamen Liebe zu ihrem Verein. Und es ist die Geschichte eines Fußballschuhs.

Helmtraud Schröder (76) aus Waltrop sitzt im Rollstuhl, seit sie 2014 einen Schlaganfall und Kleinhirn-Infarkt erlitten hat. Für sie änderte sich vom einen auf den anderen Tag das Leben. Ihre Tochter Anja (heute 50), die bis dahin als angestellte Physiotherapeutin gearbeitet hatte, beschloss: Meine Mutter soll nicht in ein Heim müssen. Sie machte sich mit einem Kollegen in ihrem Beruf selbstständig und richtete der Mutter einen eigenen Raum ein, so dass sie bei ihr sein und am Geschehen in der Praxis teilhaben kann. Das hilft ihr, zurück ins Leben zu finden. Viele Patienten kennt Helmtraud Schröder, schließlich hatte sie bis zum 71. Lebensjahr selbst in dem Beruf mitgearbeitet.

Von Generation zu Generation

Was Tochter und Mutter immer eng verbunden hat, war die Liebe zu Schalke 04. Von Generation zu Generation wurde diese Liebe vererbt, die Schröders kannten die alte Glückauf-Kampfbahn, das Parkstadion und jetzt die Arena. Doch es gab nicht nur Fußball: Gemeinsam haben die beiden ihr schweres Schicksalsjahr 1990 bewältigt, als binnen kürzester Zeit Anjas Lebensgefährte bei einem Unfall starb, dann der Vater in recht jungen Jahren an Krebs, dann der Opa.

Fußball schafft Verbindungen

Mutter und Tochter rückten dadurch enger zusammen, und nun noch einmal mehr, seitdem die Mutter im Rollstuhl sitzt. Der Fußball spielt nun wieder eine wichtige Rolle dabei, er schafft Verbindungen untereinander und nach außen. Als Helmtraud Schröder im Krankenhaus lag, kamen langjährige „Freunde“ nicht zu Besuch, Schalker, die sie nur aus dem Stadion kannten, aber durchaus. Wenn Schalke ein Heimspiel hat, dann sitzt Helmtraud Schröder nun oft in ihrem Rollstuhl am Spielfeldrand, die Tochter ist als Betreuerin dabei. Neben ihr sitzt manchmal ein von Geburt an spastisch gelähmter Junge, der Helmtraud Schröder über den Arm streichelt und sagt: „Ich hab dich sehr lieb.“

Aktuelle Spieler und Helden vergangener Tage

Die Schröders loben sehr, wie Schalke sich um seine Rollstuhlfahrer kümmert. Jedes Jahr veranstaltet der Verein eine Weihnachtsfeier für sie. Aktuelle Spieler kommen dorthin und die Helden vergangener Tage wie Martin Max oder Mike Büskens. Am Eingang bekommt jeder eine Losnummer – es gibt die Chance, Preise zu gewinnen. Mike Büskens zog diesmal „meine alte Trikotnummer minus eins“. Natürlich wussten die Schröders als eingefleischte Schalker: Büskens trug immer die 19, sie hatten die Losnummer 18 – der Hauptpreis war ihrer. Und das war ein Fußballschuh, den der Schalker Breel Embolo als Spieler der Schweizer Nationalmannschaft bei der WM getragen und signiert hatte.

Ein Schuh von Embolo

Helmtraud Schröder spricht nicht viel, sie lässt ihre Tochter erzählen. Aber das selige Lächeln in ihrem Gesicht macht deutlich, wie sehr sie sich über den Schuh gefreut hat. In einem Zimmer voller königsblauer Fan-Artikel inklusive Weihnachtsbaum in Schalke-Farben streckt sie dem Fotografen stolz ihren Hauptpreis entgegen. Sie mag Embolo, ihr absoluter Liebling ist aber der Ex-Spieler Gerald Asamoah. Die Tochter zeigt derweil Fotos auf dem Handy, auf denen ihre Mutter mit Schalker Spielern und Offiziellen zu sehen ist. Franco Di Santo, ganz unbefangen über beide Ohren grinsend, Naldo, Ralf Fährmann. Helmtraud Schröder lächelt, während die Tochter auf dem Smartphone von Foto zu Foto wischt.

Es gibt Wichtigeres...

Nein, es war keine gute Saison bisher für Schalke. Die Schröders haben sich, wie so viele andere Fans, nach schlechten Spielen immer wieder geschworen: Da gehen wir nie wieder hin. Und zwei Wochen später sind sie doch wieder da. Es gibt sowieso Wichtigeres als den Tabellenstand. Die Liebe zwischen Tochter und Mutter zum Beispiel, und ihre gemeinsame Liebe zu ihrem Verein.

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