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Während seines Studiums führte Frank Schwabe Besucher durchs Schiffshebewerk oder den Gasometer. Seit er Bundestagsabgeordneter ist, lotst er Gruppen – wie hier das Kinder- und Jugendparlament – durch den Reichstag.

Gästeführer Frank Schwabe

„Ich war einer von denen, die sagten: ‚Ich weiß was‘“

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Waltrop - Der heutige Donnerstag ist internationaler Tag der Gästeführer. Während seines Studiums hat der Bundestagsabgeordnete Frank Schwabe Gruppen durch Kulturdenkmäler gelotst. Mit dabei war das Schiffshebewerk.

Heute schmerzt ihn die Absage nicht so sehr. Doch vor knapp 20 Jahren ist Frank Schwabe (SPD) „relativ enttäuscht gewesen“, dass er nicht regelmäßig durch das Schiffshebewerk führen durfte. Der Bundestagsabgeordnete, der für Waltrop zuständig ist, hatte sich dort als Gästeführer beworben. Damals war Gästeführer noch kein geschützter Begriff (siehe „Stichwort“). Jeder der wollte, konnte sich einbringen. Heute gibt es eine Ausbildung, bei der eine Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer abgelegt werden muss. Anfang der 1990er-Jahre hatte sich das Gästeführerwesen im Ruhrgebiet erst entwickelt. „Vor 25 Jahren wollte sich kaum wer alte Zechen oder einen Gasometer anschauen“, erinnert sich Frank Schwabe. Damals verteilten die ersten Einrichtungen wie der Gasometer in Oberhausen Aushänge an den Universitäten. Einen solchen las der damalige Geschichtsstudent und bewarb sich.

Eine Mauer aus 13.000 farbig lackierten Ölfässern

Gereizt hat den in Ickern aufgewachsenen Politiker an der Tätigkeit, dass er viele verschiedene Menschen kennenlernte. Er lotste Gruppen von Architekturprofessoren bis zu Schülergruppen durch die vielen Ausstellungen. Eine davon ist ihm aus heutiger Sicht ganz besonders in Erinnerung geblieben: 1999 errichteten Christo und Jeanne-Claude im Oberhausener Gasometer „The Wall“, eine Mauer aus 13.000 farbig lackierten Ölfässern. Teil dieser Ausstellung waren auch Abbildungen, auf denen der 1995 verhüllte Reichstag zu sehen war. „Damals wusste ich ja noch nicht, dass ich später mal in diesem Reichstag arbeiten würde“, sagt Frank Schwabe.

Wenn der Sozialdemokrat Gruppen aus Waltrop durch den Reichstag führt, helfen ihm seine Kenntnisse von damals: Er weiß, wie er bei Schüler- oder Seniorengruppen vorgehen muss, damit sie ihm aufmerksam lauschen. Das sei heute mit der Ablenkung durch Smartphones und Tablets noch schwieriger als früher, berichtet der Bundestagsabgeordnete. „Es ist das Schrecklichste, wenn man vor Leuten steht und die Hälfte davon hört nicht zu.“

Ein bisschen demütig

Nachhaltig beeindruckt hat ihn zum Beispiel der Besuch der Waltroper Lebenshilfe. Es mussten Spezialfahrzeuge beschafft werden, damit die Menschen mit Handicap überall hin kamen. Frank Schwabe ist durch die Tätigkeit ein bisschen demütiger als Teilnehmer von Besuchergruppen geworden: „Ich war auch immer einer von diesen Leuten, die gesagt haben: ,Ich weiß was‘.“ Jetzt ist ihm klar, dass kein Gästeführer alles wissen kann.

Doch viele Details über die Entwicklung des Ruhrgebiets, den Strukturwandel, die Industriekultur und den Gasometer selbst hat der 48-Jährige noch im Gedächtnis – und kürzlich bei einer Führung an seine Tochter weitergegeben. Auch für seine politische Arbeit war die vorherige Tätigkeit hilfreich. Er habe zum Beispiel gelernt, mit Menschen und Stresssituationen umzugehen.

Heute ist Frank Schwabe froh, dass sich die Gästeführung weiter professionalisiert hat. Kürzlich wechselte auch das Schiffshebewerk von Aushilfskräften zu fest angestellten Museumsführern. „Ich begrüße das sehr“, sagt er. Gästeführer sei ein Job, bei dem die Leute „vernünftig angestellt und auch abgesichert werden müssen“, sagt Frank Schwabe.

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