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Die Schuelkenbrücke am Dortmund-Ems-Kanal in Waltrop.

Graffiti sprühen

Die CDU will eine Wand für Sprayer bauen - dahinter steckt eine Idee

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WALTROP - Die Wege im Moselbachpark, Brückenwiderlager und Toilettenhäuschen: Sie alle zieren in Waltrop Graffiti oder Tags. Um illegalen Aktivitäten entgegenzuwirken, plant die CDU die Errichtung einer Graffiti-Wand.

Für die einen sind es illegale Schmierereien, für andere beeindruckende Kunstwerke: Graffiti. Wie auch immer der Einzelne die Sprühereien unter künstlerischen Gesichtspunkten deutet, eines ist unbestritten. In sehr vielen Fällen zieren sie Dinge, die sie eigentlich nicht zieren dürften: Brücken, Garagen oder wie jüngst erst berichtet die neuen Asphaltwege im Moselbachpark. Die CDU-Fraktion will nun Abhilfe schaffen und eine sogenannte Graffiti-Wand bauen lassen, auf der sich Sprayer legal mit ihren Kunstwerken verewigen dürfen.

Legale Fläche für Graffi

Grundsätzlich sei das „eine gute Idee“, findet der neue Stadtjugendpfleger Jochen Thiemann. Auch wenn er selbst erst seit vier Monaten in Waltrop ist; von seinen Szene-erfahreneren Kollegen Christian Luczak und Jutta Metz wisse er, dass es bei den Jugendlichen hier durchaus großes Interesse an Graffiti-Kunst gibt. „Wir haben ja auch schon eine legale Fläche für so etwas“, sagt Jochen Thiemann. Die befindet sich am Skatepark an der Hafenstraße – da, wo das Team der Mobilen Jugendarbeit einen Stützpunkt hat. Wenngleich einzuschränken ist, dass diese Graffiti-Fläche nur auf Anfrage und mit dem Okay der Streetworker gestaltet werden darf. „Was die CDU gerne möchte, ist ja wahrscheinlich eine öffentlich zugängliche Fläche“, mutmaßt Thiemann.

Nicht erlaubt, aber geduldet

Tatsächlich haben es viele Sprayer auf genau solche Flächen abgesehen. Ein Beispiel: die Widerlager der Brücken. Der helle Beton lädt geradezu ein zum Besprühen. Das weiß natürlich auch das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA), das für diese Bauwerke verantwortlich ist. Dort hat man allerdings längst eingesehen, dass der Kampf gegen Graffiti ein Kampf gegen Windmühlen ist. Es sei nach wie vor nicht erlaubt, werde aber geduldet, sagt Oliver Jaswetz vom WSA. „Die Graffiti entfernen können wir bei der Masse nicht mehr.“ Die Behörde werde lediglich dann aktiv, wenn zum Beispiel Hakenkreuze auftauchen. „Die lassen wir dann entfernen“, sagt Jaswetz.

Teuer, aufwendig und kurzlebig

Er erinnert sich, dass es vor einigen Jahren mal den Versuch gegeben hat, die Brücken-Widerlager mit einer speziellen Grundierung zu lackieren. Danach konnte man Graffiti mit dem Hochdruckreiniger relativ einfach entfernen. Doch auf Dauer war das zu teuer, zu aufwendig und zu kurzlebig, musste diese Grundierung doch nach jedem Graffiti neu aufgebracht werden.

Sprayen als anerkannte Kunstform

Zurück nach Waltrop: Vor allem das Team der mobilen Jugendarbeit hat die Graffiti-Künstler unter ihren Fittichen. „Hinter dem Sprayen steckt ja meistens viel mehr, viel Künstlerisches“, sagt Jochen Thiemann. Längst sei das Sprayen ja eine anerkannte Kunstform. In der Tat: Die Landesarbeitsgemeinschaft Kunst und Medien bietet zum Beispiel Workshops an, die sich mit dem Sprayen beschäftigen. „Da gibt es dann Graffiti genauso wie Öl-Gemälde“, sagt Thiemann. Auch das Jugendbüro plant derweil ein neues Projekt, das sich mit Graffiti-Kunst befasst. Im Detail geht es um Stromkästen, die mithilfe zweier Künstler mit Graffiti gestaltet werden sollen. Das Ganze sei ein Workshop. Man lerne etwa auch, wie man Schablonen erstellt, erzählt Jochen Thiemann.

"Graffi sind Kunst, Tags nur Schmierereien"

Vergangene Spray-Aktionen der mobilen Jugendarbeit stießen auf großes Interesse, die Ergebnisse waren oft bemerkenswert. Erinnert sei an die Gestaltung des Toilettenhäuschens im Park oder des WC-Wagens des Motorradsportclubs (MRSC). Aber eines betont Jochen Thiemann auch: „Graffiti sind Kunst, Tags nur Schmierereien.“ Letztere finden sich auf dem Asphalt im Moselbachpark.

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