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Die Herren der Rennleitung (stehend, v.re.): Dr. Friemann, Josef Rewinkel, August Rewinkel, Heinz Bodde, Dr. Bernhard Beckmann, Wilhelm Beckmann sowie (sitzend, v.re.) Theodor Wulf, Georg Kaufhold, Theo Beckmann, Heinrich Köster, Heinrich Meßmann, Franz Wilms und ein unbekannter Redakteur der „Tremonia“-Zeitung aus Dortmund.

Heimatgeschichte

Als in Waltrop noch Pferderennen stattfanden

WALTROP - Pferderennen in Waltrop? Das gab's tatsächlich einmal! Norbert Frey, der Chef des Heimatvereins, hat die Fakten dazu für sein im Herbst erscheinendes Buch zusammengetragen. Bei uns lesen Sie schon einmal Auszüge daraus. Eine Köttelkommission spielt in der Geschichte der Rennbahn genauso eine Rolle wie die französischen Besatzung...

Es war das Jahr 1875, als erste Bauernrennen auf der Rennbahn „Leppelmanns Heide“, nahe der Wirtschaft Schülken-Rodegro, gegenüber der Recklinghäuser Straße, veranstaltet wurden. Schon zwei Jahre später, weiß Norbert Frey, bekamen die Rennen einen offiziellen Charakter. Später fanden die Rennen – nur Vollblutrennen bis zum Ersten Weltkrieg – auf dem Hof Meßmann an der Hafenstraße statt. Nach dem Ersten Weltkrieg fanden auch gemischt Vollblut-, Halbblut- und Trabrennen statt.

Der Adel kam im Vierergespann

Manchmal trafen sich dazu bis zu zehntausend Rennsportfreunde aus allen Teilen des Vestes und des Münsterlandes. Der westfälische Adel kam im Vierergespann, die Bauern im Kremser, einem mehrsitzigen, offenen Gefährt, und im Jagdwagen.

40.000 Goldmark Wettumsatz

Natürlich spielte Geld eine Rolle: Die Wettumsätze sollen sich auf 30.000 bis 40.000 Goldmark belaufen haben. Aber Frey schreibt, der Besuch der Rennen sei auch ein großes gesellschaftliches Ereignis gewesen: „Festzelt, Verkaufsstände, fröhliches Leben und Treiben und eine rauschende Ballnacht kennzeichneten dieses außergewöhnliche Ereignis. Eine Spezialität war von jeher das Hähnchen-Essen in den Wirtschaften Waltrops.“

Rennbetrieb ruhte im Krieg

Während des Ersten Weltkrieges ruhte wie fast überall der Rennbetrieb in Waltrop. Als nach dem Krieg die Rennen wieder mühsam aufgebaut waren, kam es 1923 zur Ruhrbesetzung durch Frankreich. Die französische Besatzung machte aus dem Rennplatz einen Kavallerie-Exerzierplatz für das 18. Französische Dragoner-Regiment. Zwei Jahre dauerte die Beschlagnahme und der Platz war in einem Zustand, dass Rennen unmöglich waren.

Neue Rennbahn an der Münsterstraße

Doch es ging weiter: Im Jahr 1925 baute der Rennverein auf dem Gut Boelmann in Holthausen an der Münsterstraße eine neue Rennbahn. Das Geläuf der 1.800 Meter langen Bahn war mit Rasen bewachsen. Mittlerweile hatten sich in Waltrop zwei Rennvereine gebildet. Es gab den Waltroper Rennverein, gegründet 1875, und den Westfälischen Rennverein Waltrop, gegründet 1920. 1937 schlossen sich beide zum Waltroper Rennverein zusammen.

Die Köttelkommission

Nach zehn Jahren wurden die Rennen wieder zum Hof Meßmann zurückverlegt. Auch die Familien der Rennvereins-Vorstandsmitglieder wurden eingespannt. Frey: „Die Kinder bildeten bei jedem Renntag die ,Köttelkommission’. Sie hatte die Aufgabe, die Pferdeäpfel von der Rennbahn zu sammeln, um das Geläuf in einem akkuraten Zustand zu präsentieren.“

Fröhliche Feiern

Unterdessen hat eine andere Kommission, nämlich die Rennkommission, nach Aussagen von Zeitzeugen gerne so fröhlich gefeiert, dass darin einer der Gründe für das Ende der Rennbahn und des Rennvereins zu suchen ist. Das kam am 23. Juni 1957. Der Zweite Weltkrieg hatte die Rennaktivitäten zunächst wieder unterbrochen, bald danach ging es aber schon weiter mit „Volksbelustigung“, „Rennball“ und Co., wie Plakate dokumentieren.

1957 war Schluss

Der Gastwirt Eduard Burbaum erhielt 1955 die Genehmigung, Imbiss- und Getränkestände auf der Rennbahn zu betreiben. Es folgten noch etliche Rennen, aber 1957 war Schluss. Der Rennbetrieb wurde eingestellt. Der Besuch war gering und der Verein musste 6.500 Mark zuschießen. „Ein unterhaltsames Kapitel Pferderennsport ging für Waltrop nach 82 Jahren zu Ende“, schreibt Frey.

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