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Es ist kaum zu sehen, aber Hermann-Josef Block trägt Hörgeräte.

Hermann-Josef Block berichtet von Tabus und Technik

Vom Leben mit dem Hörgerät

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Waltrop - Etwa 16 Prozent der erwachsenen deutschen Bevölkerung leiden an Schwerhörigkeit, stellt eine Studie der Jade-Hochschule fest. Und der Hörgeräte-Absatz steigt und steigt: 1,36 Millionen Hörgeräte wurden 2018 in Deutschland verkauft. Aber die Erkenntnis "Ich höre schlecht" fällt nicht immer leicht. Der Waltroper Hermann-Josef Block erzählt, wie er einst zu seinen Hörgeräten kam.

Es war vor 23 Jahren: Hermann-Josef Block schaltete den Fernseher ein. „Kannst du das Gerät nicht leiser machen? Das Kind kann nicht schlafen“, bat seine Frau ihn. Er war irritiert: „Dann mach es doch so leise, wie du denkst, dass es nicht mehr stört.“ In dieser Lautstärke verstand Hermann-Josef Block dann allerdings kaum noch etwas. „Du hörst auch das Gras wachsen“, habe er damals zu seiner Ehefrau gesagt, erzählt er heute und lacht. Er glaubte, sie hätte ein zu ausgeprägtes Gehör.

Gehör in Ordnung?

Trotzdem vereinbarte er einen Termin beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt. Damals war er 42 Jahre alt und der festen Überzeugung, seine Frau übertreibe und mit seinem Gehör sei soweit alles in Ordnung: „Ich meinte, eigentlich bin ich noch viel zu jung.“ Heute trägt der 65-jährige Hermann-Josef Block Hörgeräte – genau wie etwa 16 Prozent der erwachsenen deutschen Bevölkerung, wie eine Studie der Jade-Hochschule feststellt. Und es werden von Jahr zu Jahr mehr.

Weiteren HNO konsultiert

Rein statistisch gesehen betrug die Wahrscheinlichkeit, dass Hermann-Josef Block wirklich schwerhörig war, nur sechs Prozent. Ein Arzt, den er noch aus seiner Studienzeit kannte, bestätigte den Verdacht. Das mochte er nicht glauben und konsultierte einen weiteren HNO. Er hoffte auf ein anderes Urteil, darauf, dass vielleicht operativ noch etwas zu machen sei. Doch er musste der Wahrheit ins Auge blicken. Im Patientengespräch bei seiner Arbeit als Krankenhausseelsorger im St.-Laurentius-Stift musste er häufig nachfragen, wenn er etwas nicht verstanden hatte. „Das war schon unangenehm“, sagt Block. Außerdem habe es ihn sehr angestrengt, konzentriert zu lauschen. „Ich war manchmal mittags schon richtig müde“, schildert er.

"Einige Dinge nicht mehr gehört"

Er gestand sich selbst ein: „Ich brauche Hörgeräte.“ Ein Jahr lang probierte er verschiedene aus. „Als ich vom Hörgeräte-Akustiker kam, hatte ich ein Aha-Erlebnis“, erzählt er. Als er sich ins Auto setzte, vernahm er ein unbekanntes Geräusch. „Ich dachte erst, es wäre etwas mit dem Motor“, erinnert er sich. Nach einer Zeit ging ihm auf, dass es das Prasseln des Regens auf dem Autodach war. „Einige Dinge habe ich gar nicht mehr gehört“, sagt er.

Am Rand der Konversation

„Wenn man schlecht hört, fühlt man sich ein Stück isoliert. Man ist nur noch am Rand der Konversation, bekommt einiges nicht mehr mit und mag nicht immer wieder nachfragen“, schildert Block. Für ihn ist es kein Tabu-Thema, er kann aber verstehen, dass Menschen Angst haben, zu offenbaren, dass sie schlecht hören. Andere könnten denken: „Der kriegt eh nichts mehr mit“ oder sogar hinter dem Rücken tuscheln.

Offensiver Umgang mit dem Hörgerät

Er ging von Anfang an offensiv mit dem Tragen des Gerätes um: „Wenn einer nachgefragt hat, habe ich ihn gefragt: ,Soll ich dir mein Hörgerät leihen?’“, erzählt er und lächelt. In Gesprächsrunden bittet er darum, laut, deutlich und nacheinander zu sprechen. Heute sagt er: „Es ist gut, dass es solche Hilfsmittel gibt. Man muss sich nicht genieren. Wer eine Sehschwäche hat, lässt er sich auch eine schöne Brille anpassen.“

Alle Geräusche werden verstärkt

In machen Situationen sei es auch schwierig. Wenn Geschirr scheppert oder der Fernseher im Patientenzimmer läuft, verstärken die Hörgeräte auch diese Geräusche, was die Kommunikation erschwert. Genauso ist es, wenn mehrere Personen gleichzeitig sprechen. Hermann-Josef Block möchte Menschen mit einem ähnlichen Problem ermutigen: Je eher geholfen wird, desto weniger gerät der Betroffene in Isolation. „Warten Sie nicht zu lang mit dem Gang zum HNO oder Hörgeräteakustiker!“

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