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Birgit Langer vor ihrem Gastrobus am Hebewerks-Museum: Anfangs trug dieser übrigens noch den Namen „Birgits Gastrobus“. Ein Kameramann des WDR kam später auf den Namen „Langer Gastrobus“. Ein Wortspiel, da der Doppeldecker des britischen Herstellers Park Royal Vehicles nicht nur Birgit Langer gehört, sondern auch satte 8m lang ist.

10 Jahre Gastrobus

Mit altem Charme und neuem TÜV

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Waltrop - Einst beförderte er Menschen in London und Jeans-Hosen im Schwarzwald: Seit zehn Jahren ist er der „Gastrobus“ von Birgit Langer.

Liverpool Street, Cambridge Heath, London Bridge, Well Street: Ab 1959 war der Doppeldecker 25 Jahre lang inmitten Londons unterwegs, um Tausende und Abertausende Menschen auf der Route 35 durch die britische Hauptstadt zu kutschieren. Damals war der Bus freilich noch rot – der typische Farbton, der die Londoner Busse bis heute zur weltberühmten Touristenattraktion macht.

8 Meter lange, 4,60 Meter hoch

„Fahren tut der Bus noch immer“, versichert seine Besitzerin Birgit Langer. Erst im Januar hat der Doppeldecker frischen TÜV bekommen – und vorne frische Reifen. „Aber wir fahren nur noch sehr selten mit ihm, der Aufwand ist einfach riesig“, begründet Birgit Langer. Denn bevor der 8 Meter lange und 4,60 Meter hohe Oldtimer auf die Straße kann, muss die 52-Jährige seine gastronomische Ladung erstmal fahrtüchtig verzurren: Der einstige London-Bus im Liniendienst ist inzwischen ein „Gastrobus“ und durchaus ein Kuriosum. „Ich wüsste jetzt nicht, dass es so einen Bus wie unseren nochmal gibt“, sagt auch Birgit Langer. Vor zehn Jahren hat die Waltroperin das historische Fahrzeug im Farbton „Bottle green“ (Flaschengrün) gekauft – von einem Ehepaar aus Oberwiese: Rolf und Gabriele Trosbach. Von ihnen stammt auch die ursprüngliche Idee des Gastrobusses, der seinen festen Platz am Unterwasser des Schiffshebewerks hat; zwischen dem Museums-Eingang und dem alten Hebewerk.

Gefeiert wird mit allen Freunden

„Ich hab auch vorher schon immer gedacht, dass man hier was machen müsste“, sagt Birgit Langer. Rolf Trosbach hat gemacht – und Birgit Langer ist mit eingestiegen; zunächst als 450-Euro-Kraft, später als Chefin. „Rolf und Gabriele sind weggezogen, da hatte ich die Chance, den Bus zu kaufen.“ Birgit Langer wagte es, was rückblickend betrachtet die goldrichtige Entscheidung war. Am Samstag (10.11.) feiert sie das Zehnjährige – mit Freunden, Familie und möglichst vielen Kunden. „Alle sind herzlich eingeladen, vorbeizukommen“, sagt die Chefin (11 bis 18 Uhr, Im Depot 45).

Kühler-Reparatur mit Brötchen und Toast

Aber zurück zum Bus: Eine Anekdote gibt es, die so kurios ist, dass sie hier zweifelsohne noch Erwähnung finden muss: Es ist schon ein paar Jahre her, da waren die Langers mit ihrem Bus auf Tour. Fahrer ist dann stets der Herr des Hauses, Andreas Langer. „Und plötzlich qualmte der ganze Motor“, erinnert sich Birgit Langer. Nach der Begutachtung durch den Schrauber ihres Vertrauens, Kfz-Meister Holger Nolte aus Oberwiese, gab’s Gewissheit: Der Kühler ist hinüber. Und dann lernte auch Birgit Langer fürs Leben dazu. Holger Nolte habe sie um Brötchen und Toast gebeten, „dann hat er beides in den Kühler gestopft und Wasser drauf gekippt“, erzählt sie noch immer amüsiert. Das Backwerk diente als Wasserspeicher – eine Art Schwamm-Effekt. Der Bus schaffte es sicher zurück nach Hause...

So etwas mit einem neuen Bus zu versuchen, wäre wohl undenkbar. Der 59 Jahre alte „Park Royal“ hat die unkonventionelle Reparatur unbeschadet überstanden. Und hier noch etwas für Technik-Fans: Angetrieben wird der Doppeldecker von einem 6-Zylinder-Motor der Marke British Leyland, Hubraum: satte 9,1 Liter, bei 110 PS. Ausgemustert aus dem Liniendienst wurde der Bus übrigens 1984. Bevor er als „Gastrobus“ seinen Platz in Waltrop fand, wurde er als rollender Jeans-Bus eingesetzt, der im Schwarzwald Hosen an den Mann gebracht hat.

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