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Wenn es um die Rechte von Frauen in der Kirche geht, können diese sich auf die Bibel beziehen. Das tun (v.li.) Irmgard Reineke, Gretel Hornig, Gabriele Rosendahl, Annette Fehlker, Jutta Bergmann und Margarita Fischer.

Keine Wertschätzung

Wie die katholische Kirche ihre Frauen in den Streik treibt

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Waltrop - Die katholische Kirche in desolatem Zustand, die Frauen weiterhin nicht gleichberechtigt – da wollen auch Waltroperinnen nicht länger schweigen.

Annette Fehlker und ihre Mitstreiterinnen sind alles andere als die geborenen Kirchen-Kritiker. Im Gegenteil: Sie engagieren sich in hohem Maße loyal vor Ort in der katholischen Gemeinde, viele von ihnen in der Frauengemeinschaft (kfd).

Missbrauchs-Skandal bis Pflicht-Zölibat

Da soll es schon etwas heißen, wenn sie davon genug haben, in welchem Zustand sich „ihre“ Kirche aktuell präsentiert. Der Umgang mit dem Missbrauchs-Skandal, das Festhalten am Pflicht-Zölibat, die Verweigerung des Frauen-Zugangs zu allen Ämtern, eine Sexualmoral, die an der Lebenswirklichkeit der Menschen vorbeigehe – das ist noch nicht alles. Hinzu kommt die aus ihrer Sicht in manchen kirchlichen Kreisen immer noch mangelnde Wertschätzung der Arbeit der Frauen in der und für die Kirche. Die Waltroper Frauen beteiligen sich daher auf ihre eigene Weise an der im Rahmen der Initiative „Maria 2.0“ für die kommende Woche ausgerufenen „Kirchenstreik“-Aktion (wir berichteten).

Vaterunser vor der Tür

„Wir werden in der Vorabendmesse am kommenden Samstag zum Vaterunser die Kirche verlassen und auch die anderen Mess-Besucher, Männer wie Frauen, dazu einladen, es uns gleich zu tun“, kündigt Annette Fehlker an. Das Vaterunser wird die Gruppe dann am Kreuz vor der Tür beten, jedoch zum anschließenden Friedensgruß – dabei reichen die Gläubigen ihren Sitznachbarn die Hand und sagen „Friede sei mit dir“ – wieder in der Kirche sein. Während die Frauen vor der Tür sind, hinterlassen sie weiße Tücher auf ihren Plätzen. Nach dem Gottesdienst besteht Gelegenheit zur Diskussion und zum Unterschreiben eines Offenen Briefes an Papst Franziskus, in dem all das als Forderung formuliert ist, was die Frauen umtreibt. Die Möglichkeit, diesen Brief zu unterschreiben, gibt es eine Woche später, am 18. Mai, vormittags, erneut am Kiepenkerlbrunnen.

Die Frauen betrachten ihre Aktion als eine Art Warnstreik. „Diesmal gehen wir nach dem Vaterunser noch wieder in die Kirche“, sagen sie. Was darin mitschwingt: Wenn sich nichts ändert, bleiben wir demnächst ganz fort. Eines aber, wozu die Initiatorinnen der Gesamt-Aktion aufrufen, wollen die Waltroperinnen bewusst vor Ort nicht mitmachen: Sie wollen nicht für eine Woche sämtliche Mitarbeit in der Kirche einstellen. „Da würde man Dritte treffen, die auf uns angewiesen sind“, sagen sie.

Vorher mit dem Pfarrer gesprochen

Auch wenn die Frauen zu berichten wissen, dass es auch vor Ort schon Situationen gab, in denen sie sich nicht wertgeschätzt gefühlt haben, so wissen sie doch zugleich darum, dass Pfarrer Dr. Carsten Roeger ihr Anliegen unterstützt. „Wir haben vorab mit ihm darüber gesprochen“, berichten die Frauen. Und ein Geistlicher, der inzwischen im Ruhestand ist, steht schon seit vielen Jahren an ihrer Seite: Franz-Josef Durkowiak, ehemaliger Pfarrer von St. Marien, hat jüngst noch in einer Predigt sehr deutlich gemacht, dass er die Aktion begrüßt. Sein Motto „getauft – gefirmt – kompetent“ bezieht sich darauf, dass alle – Männer wie Frauen – in der Kirche gleichermaßen ihren Platz haben und Gehör finden sollten. Das macht den Frauen Mut. Durkowaik rief in seiner Predigt mögliche Kritiker der Frauen-Aktion dazu auf, ihre Kritik so zu äußern, „dass die Frauengemeinschaft keine böse Spaltung erfährt. Kritisieren Sie so, dass Sie einander weiterhin in die Augen blicken und miteinander Kaffee trinken können“.

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