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Publikumsmagnet: der Dortmunder Westenhellweg. Foto: Schaper

Klartext geredet

Waltrop - "nur" ein Vorort von Dortmund

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WALTROP - Die Zahlen sprechen für sich: Täglich pendeln mehr als 10.000 Menschen, also ein Drittel der Waltroper Bevölkerung, zum Arbeiten aus der Stadt aus, 2385 alleine nach Dortmund. Die hohe Zahl der Pendler ist seit Langem Realität. Aber muss man darin ein Problem sehen? Ist Dortmund „Konkurrent“, eine „Bedrohung“ gar? Oder doch eher „Verbündeter“ Waltrops, was die Stadtentwicklung angeht?

Walter Stach (80), früher ein führender Genosse in Waltrop und als Ex-Stadtdirektor von Castrop-Rauxel mit reichlich Verwaltungserfahrung ausgestattet, sieht die Sache nüchtern: Waltrop sei heute, was die Arbeits- und Geschäftswelt, aber auch was Kultur- und Sportereignisse angeht, „ein Vorort von Dortmund“, sagt er. Wenn jemand, der in Waltrop wohnt, seinen Job in Dortmund habe, dann müsse man angesichts der kurzen Entfernung von einem „Arbeitsplatz vor der Haustür“ sprechen. „Und jeder Arbeitsplatz, der in Dortmund geschaffen wird, ist auch ein potenzieller Arbeitsplatz für Waltroper – vom Spezialisten bis zum gering qualifizierten Arbeiter gibt es dort das ganze Spektrum.“ Vielfach sind das Stellen, die es in Waltrop gar nicht gibt. Vor diesem Hintergrund sei ein gutes Verhältnis der beiden Städte besonders wichtig. Indes: Bekanntlich ist der „Draht“ zwischen Waltrop und Dortmund aktuell kein guter – beim Thema „Dicker Dören“ gab es Missstimmung zwischen den beiden Städten.

Bindung enger geworden

Die Bindung an Dortmund sei zuletzt noch enger geworden, glaubt Stach. Junge Familien, denen ein Baugrundstück in Dortmund zu teuer wäre, bauten hier, und mancher weniger gut betuchte Senior weiche aus der Westfalenmetropole für eine Mietwohnung nach Waltrop aus. So weit, so unproblematisch zunächst. Wäre da nicht der Einzelhandel in der Waltroper Innenstadt. Die Abwanderung der Kaufkraft der hiesigen Bürger nach Dortmund treibt den Handel um. Die Überlebensbedingungen der Einzelhändler werden immer schwieriger, das Stadtmarketing dünnt immer mehr aus. Stach sagt, diese Entwicklung lasse sich nicht aufhalten. Für ihn ist klar: „Die Anzahl der Fachgeschäfte in der Waltroper Innenstadt wird nie mehr dieselbe sein wie noch vor acht oder zehn Jahren.“ Wer darauf hoffe, jage einer Wunschvorstellung hinterher. Damit müsse man sich abfinden und verstärkt auf das Thema Wohnen, speziell für Ältere, in der Innenstadt setzen. Es sei ja kein Selbstzweck, dass Waltrop viele kleine, hochwertige und mitunter hochpreisige Fachgeschäfte habe, sagt Stach.

Umdenken erforderlich

Wenn es – warum auch immer – keine Nachfrage mehr danach gebe, müsse man umdenken. Die Fußgängerzone, wie man sie vor Jahrzehnten geplant hatte, werde sich wandeln – von der Einkaufs- zur Aufenthaltszone, besonders für Senioren. Unabhängig davon, betont Stach, seien die Bemühungen, das zu erhalten, was die Innenstadt noch attraktiv macht, aller Ehren wert.

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